Während in Abu Dhabi über Frieden verhandelt wird, herrscht in der Ukraine weiter Krieg. Bei "Markus Lanz" zeichnete CDU-Politiker Norbert Röttgen ein düsteres Bild der geopolitischen Lage - ganz ohne diplomatische Beschönigung. Seine schonungslose Analyse ließ selbst Markus Lanz sprachlos zurück.
Während im fernen Abu Dhabi erstmals seit Langem wieder Vertreter Russlands, der Ukraine und der USA an einem Tisch sitzen, bleibt der Weg zu einem möglichen Frieden im Ukraine-Krieg steinig. Bei "Markus Lanz" diskutierten Gäste wie CDU-Politiker Norbert Röttgen am Mittwochabend über militärische Realitäten, politische Machtspiele und die Frage, ob Europa seiner Verantwortung gerecht wird.
"Was ist Gegenstand dieser Verhandlungen?", wollte der ZDF-Moderator zu Beginn von Journalist Bojan Pancevski wissen. Die Antwort war eindeutig: "Gebietsabtretungen. Die rote Linie für Putin ist der Donbass." Für viele ukrainische Soldaten ein schwer zu ertragender Gedanke, ergänzte Kriegsreporter Ibrahim Naber. Er erklärte, dass viele Soldaten aktiv versuchen würden, "diese ganzen Verhandlungen in Abu Dhabi auszublenden". Ihre drängende Frage sei: "Wofür habe ich gekämpft?" Zudem werde der Druck immer größer, denn: "Den Ukrainern gelingt es militärisch weiterhin, diesen Vormarsch der Russen zu verlangsamen. Es gelingt ihnen nicht mehr, ihn zu stoppen."
Lanz wollte weiter wissen, wie es um die Moral an der Front stehe. Naber beschrieb ein gespaltenes Bild: "In der Armee gibt es weiterhin einen harten Kern an Soldaten, die schon seit vier Jahren dabei sind. (...) Die sagen, wir werden bis zum Ende kämpfen - egal, was dieses Ende bedeutet." Einige Mobilisierte würden sich derweil aktiv dazu entscheiden, wegzurennen.
Grund genug für Lanz, über eine mögliche Friedenslösung zu debattieren, mit der auch Russland einverstanden wäre. ZDF-Korrespondent Armin Coerper zeigte sich skeptisch. Er erklärte, dass Putin freiwillig "keinem Friedensplan zustimmen" werde, der NATO-Truppen in der Ukraine nicht ausschließe. Und: "Er kann nach diesem Krieg mit so vielen Toten kaum nach Hause kommen und sagen: Wir wollten den Donbass befreien und haben nur Dreiviertel des Donbasses befreit." Dies seien "die Minimalziele" seitens der Moskauer Regierung.
Norbert Röttgen: "Die Regierung Trump will mit Russland Geschäfte machen"
Der ZDF-Moderator zeigte sich betroffen und hakte nach, wie Sicherheitsgarantien für Europa aussehen würden. Journalistin Mariam Lau erklärte: "Zum Teil hoffen wir immer noch darauf, dass die Amerikaner uns da zur Seite stehen." CDU-Politiker Norbert Röttgen widersprach deutlich: "Die Regierung Trump will mit Russland Geschäfte machen. Sie möchte nicht Krieg gegen Russland führen, sondern Ölgeschäfte machen." Und damit sei klar, dass Europa "noch nicht einmal das Potenzial dafür" habe, für die Ukraine einzustehen. "Russland hat etwas mehr als eine Million Soldaten im Feld", so Röttgen deutlich. Er kritisierte, dass es beiden Parteien an "Realismus" mangle.
Aus europäischer Sicht keine einfache Perspektive. Lanz fragte nach: "Das bedeutet dann in der Konsequenz gar keine Sicherheitsgarantien. Wenn es die Europäer nicht können und die Amerikaner nicht wollen, was machen wir dann?" Mariam Lau antwortete mit hoffnungsvollem Blick: "Wenn es einen Waffenstillstand gebe, (...) dann wird man auf jeden Fall über Truppen reden müssen." Röttgen blieb jedoch nüchtern: "Es kommt von Putins Seite nicht dazu." Ein Satz, der bei Lanz sichtlich Wirkung zeigte: "Das ist ultimativ deprimierend, was Herr Röttgen hier gerade vorträgt." Der CDU-Mann fasste seine Haltung daraufhin unbeirrt zusammen: "Wir wollen das Ende dieses Krieges. (...) Ich glaube, dass Putin es nicht will." Eine Aussage, auf die Lanz wiederum konterte: "Ich finde es gut, dass Sie da so offen sind. So weit, so deprimierend."
Bojan Pancevski: "Es ist ein Krieg der Roboter"
Der Abend brachte auch einen Einblick in die neue Realität des Krieges. Journalist Bojan Pancevski berichtete über seine Recherche bei einer ukrainischen Drohnen-Spezialeinheit. 80 Prozent der russischen Ziele würden mittlerweile durch Drohnen angegriffen. Für Deutschland sei das mehr als relevant: "Für Deutschland lassen sich aus dem, was in der Ukraine passiert, enorm wichtige Lehren ziehen für die Aufrüstung."