Dieses Gerücht ist einfach zu gut, um nicht wahr zu sein: Woody Harrelson und Matthew McConaughey nehmen sich in der grandiosen Albernheit "Brothers" selbst auf die Schippe.
Mit Gerüchten ist es so eine Sache: Einmal aufgetaucht, verschwinden sie nie wieder. Und manchmal verselbstständigen sie sich. Als Matthew McConaughey 2023 in einem Podcast erwähnte, dass seine Mutter den Vater von Woody Harrelson kannte, entstanden wilde Spekulationen. Könnten die beiden Hollywoodstars, die seit Jahrzehnten befreundet sind, etwa Brüder sein, ohne es zu wissen? Eine verrückte Idee? Zumindest eine, der man in einer charmant-selbstverliebten Mockumentary mal auf den Grund gehen könnte: Die Apple TV-Serie "Brothers" (Start: 23. September) funktioniert vor allem deshalb, weil sich Harrelson und McConaughey über das Gerücht und mehr noch über sich selbst lustig machen.
Natürlich kokettiert er mit seinem Image als kiffender Althippie: Dass Woody Harrelson einen Natural Born Killerinstinkt für Selbstironie hat, das ist seit Jahren bekannt. Aber auch Matthew McConaughey nimmt sich als ehrgeiziger texanischer Ranch-Philosoph herrlich selbst auf die Schippe.
Die beiden spielen in "Brothers" also fiktionalisierte Versionen ihrer selbst. Zu Beginn der Serie taucht Harrelson mit seiner Familie bei seinem guten Freund McConaughey auf: Seine älteste Tochter wurde kurz vor der Hochzeit vom Bräutigam verlassen. Und wenn man ein Problem nicht lösen kann (oder will), dann hilft nur ein Roadtrip.
Der Ausflug endet für alle Beteiligten im Chaos: Erstens beschließt McConaughey plötzlich, als Gouverneur zu kandidieren. Und zweitens deutet seine Mutter an, die beiden könnten Brüder sein - womit das eingangs erwähnte Gerücht Einzug in die Serie hält und ihr Raison d'Être wird.
Wenig Sinn, viel Vergnügen
Man kann sich durchaus fragen, ob die Welt wirklich auf eine selbstreferenzielle Comedy-Show über zwei privilegierte Hollywoodstars, alte weiße Männer obendrein, gewartet hat. Man hat vielleicht nicht darauf gewartet, aber da "Brothers" nun mal da ist, kann man die Serie auch genießen. Denn witzig, herrlich ironisch und ungemein vergnüglich ist das "wahre Gerücht" über die Verwandtschaft von Woody Harrelson und Matthew McConaughey allemal.
Da stört es auch nicht wirklich, dass die Serie bis auf ihre beiden Hauptattraktionen nicht allzu viel Substanz hat, ziemlich viel mäandert und sich in einem zu weit verzweigten Netz aus Nebenhandlungen verliert. Aber das ist egal, denn die beiden Streuner finden immer wieder zurück in die Spur und machen genau das, wofür sie "Brothers" konzipiert haben: herumalbern und sich mit Wonne gegenseitig auf den Arm nehmen.
Ob Woody Harrelson und Matthew McConaughey wirklich Brüder sind oder nicht, das ist im Prinzip egal. Die witzige Serie funktioniert - Verwandtschaft hin, Verwandtschaft her - wegen der Chemie zwischen den beiden Protagonisten und dem hervorragenden Ensemble, aus dem Holland Taylor als McConaugheys Mutter sowie Highdee Kuan und Oona Mei Yaffe als Harrelsons Töchter herausragen.