Angespannte Nervosität vor dem großen Satire-Festakt: Beim traditionellen Starkbieranstich strömen die Wichtigen und Möchtegern-Bedeutsamen in den großen Saal auf dem Nockherberg, um sich verbal abwatschen zu lassen. Nach dem scharfzüngigen Fastenredner Maxi Schafroth übernimmt die Rolle nun Stephan Zinner.
Mit dem traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg startet auch 2026 wieder das politische Derblecken im Bayerischen Rundfunk, das mit der Live-Sendung "Auf dem Nockherberg 2026" um 19.00 Uhr einen langen Polit-Satire-Abend einläutet. In diesem Jahr steht dabei ein Rollenwechsel im Fokus: Kabarettist und Schauspieler Stephan Zinner feiert seine Premiere als Fastenredner und übernimmt damit die Aufgabe von Maximilian Schafroth.
Der scharfzüngige Allgäuer Schafroth, der sich zuvor seit 2019 oft mit viel Herzblut und messerscharfen Reden in die Rolle eines wirklichen Politiker-Kritikers hineingekniet hatte, musste die Aufgabe nach seinem Auftritt im vergangenen Jahr abgeben. Ein "Rauschmiss", sagte Schafroth im Nachhinein unumwunden in diversen Interviews. Offenbar war er manchen in seiner Rigorosität zu weit gegangen. Umso größer dürfte der Druck nun auf dem Nachfolger lasten: Gibt sich der unter anderem aus dem Eberhofer-Kinofilmen bekannte Stephan Zinner zu lasch, dürfte ihm das ebenso angekreidet werden wie zu viel Härte oder Häme. Das richtige Maß zu finden, war allerdings seit jeher die Herausforderung am Nockherberg.
Letztes Schaulaufen vor den Kommunalwahlen
Man muss sich um den Vollblutkabarettisten, Schauspieler und Musiker Zinner keine Sorgen machen, kennt er doch die oft etwas eigenwilligen Dynamiken vor Ort, bei der auch die örtliche Großbrauerei ein gewichtiges Wort mitzureden hat, schon bestens: Zinner ist auf dem Nockherberg kein Unbekannter. Fast 15 Jahre lang stand er selbst auf der Bühne des Singspiels, unter anderem in seiner viel beachteten Paraderolle als Markus Söder, die er bis 2019 verkörperte.
Nun wechselt er vom Spiel auf die Kanzel: Beim Politiker-Derblecken wird er erstmals am Rednerpult stehen und den anwesenden Politikerinnen und Politikern "die Leviten lesen", wie es oft so schön, aber auch latent verharmlosend heißt. Schafroth wählte zuletzt einen Ton, der vielen Kritisierten offenbar doch zu nahe kam.
Spannung verspricht auch das Singspiel, das erneut vom bewährten Autoren- und Regie-Duo Stefan Betz und Richard Oehmann gestaltet wird. Die beiden verantworten bereits zum sechsten Mal in Folge Text und Inszenierung der satirischen Bühnenproduktion. Wie immer stellt sich die Frage, welche politischen Figuren es dieses Jahr in das Stück schaffen - und welche Persönlichkeiten mit Doubles auf der Bühne vertreten sind. Stoff bietet die aktuelle politische Lage reichlich, zumal nur wenige Tage nach dem Starkbieranstich die Kommunalwahlen in Bayern stattfinden. Für Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter bedeutet das einen besonders prominenten Auftritt kurz vor dem Wahltermin.
Donald Trump bekommt keine Singspiel-Rolle
Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich allerdings der Schatten, der durch die vielen Weltkrisen und Kriege auch auf München und den Freistaat fällt, weiter vergrößert, was das Singspiel-Schreiben nicht unbedingt leichter macht. Einschüchtern lassen möchten sich Betz und Oehmann allerdings nicht. "Nach Corona, Krieg, Demokratierkrise und all dem Zeug haut dich erst mal nicht mehr so schnell etwas um. Letztes Jahr war es natürlich speziell, weil wir genau wussten: Wir proben eine Woche - und dann ist Wahl", blickt Co-Autor Richard Oehmann zurück. "Und du weißt einfach nicht, ob das Stück, so wie du es gerade schreibst, diese Wahl überhaupt überlebt."
Auch Stefan Beetz, bekannt unter anderem auch durch seinen Nebenrollen in den "Eberhofer"-Krimis, lässt sich vom Weltgeschehen nicht kirre machen. "Wenn wir auf alles reagieren würden, was Donald Trump diese oder nächste Woche sagt oder tut, wären wir völlig verloren", meint er. Eines steht auf dem Nockherberg mit Sicherheit fest: Trump bekommt keine Singspiel-Rolle von den Autoren!