Der Iran bereitet sich auf einen möglichen Militärschlag der USA vor. Doch will US-Präsident Trump wirklich einen Krieg mit dem Mullah-Regime vom Zaun brechen? Und worum geht es ihm wirklich? Darüber diskutiert am Sonntagabend in der ARD Caren Miosga mit Experten.
Wird US-Präsident Donald Trump den Iran vom Regime der Mullahs befreien? Darüber diskutiert am Sonntagabend Caren Miosga in der ARD mit ihren Gästen. Eingeladen hat sie eine Expertenrunde. Dazu gehört die deutsch-iranische Journalistin Natalie Amiri, die bis 2020 als Iran-Korrespondentin für die ARD tätig war. Außerdem dabei sind der Herausgeber des "Zenith"-Magazins Daniel Gerlach und der Terrorismus-Experte Peter Neumann.
Sie haben über einiges zu diskutieren. Seit Ende vergangenen Jahres gehen hunderttausende Iraner auf die Straße und protestieren gegen das Regime in Teheran. Das reagiert mit brutaler Gewalt. Trump unterstützt die Protestbewegung, sagt, dass Hilfe unterwegs sei. Dann macht er einen Rückzieher, nur um kurz darauf von einer "riesigen Armada" zu berichten, die bereits unterwegs sei.
Trump warnt die Mullahs: "Hört auf, Demonstranten zu töten." In den vergangenen Tagen soll die US-Militärpräsenz in der Golfregion verstärkt worden sein. Irans Führung gibt sich verhandlungsbereit, droht jedoch gleichzeitig mit einem regionalen Krieg, falls die USA das Land angreifen würden. Nun soll es in der kommenden Woche erste Verhandlungen zwischen Iran und den USA geben. Unklar ist, worüber genau verhandelt werden soll.
Teheran spielt auf Zeit
Trump will eine Beendigung des iranischen Atomprogramms erreichen. Der Republikaner verlangt auch, dass die "Stellvertreter" des Irans aufhören, das Land zu unterstützen. Damit meint er die Huthi-Kämpfer in Jemen sowie die Hisbollah. Zudem fordert er ein Ende der Repressionen gegen die Opposition. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine iranische Regierung das einfach so akzeptiert", sagt Sicherheitsexperte Neumann bei "Caren Miosga".
Er fügt hinzu: "Wir wissen: Wenn die die Forderungen nicht akzeptieren, ist er bereit, weiter zu eskalieren. Ich glaube, die Verhandlungen sind nicht solche Verhandlungen, wie wir uns das vorstellen, also ein Geben und Nehmen, sondern Trump geht da rein, hat seine Forderungen, erwartet, dass sie hundertprozentig akzeptiert werden, und wenn nicht, geht es eben anders weiter."
Die iranische Regierung versuche jetzt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, analysiert indes Natalie Amiri die Haltung des Iran. Das Mullah-Regime schwanke zwischen Verhandlungsbereitschaft und Drohungen. "Das ist auch ein Kampf innerhalb des Regimes zwischen den Hardlinern und denen, die sagen, wir müssen schauen, dass wir überleben", analysiert die Journalistin. Doch die Führung im Iran wisse auch: Würde es den Trump-Forderungen zustimmen, komme das einer Bankrott-Erklärung gleich.
Laut der Analyse von Daniel Gerlach befindet sich das Regime in einer Art Zwickmühle. "Die Iraner schauen sich an, wie Trump operiert, und denken, dass sie es schaffen können, hier wieder die Vorderhand zu kriegen, indem sie Trump zu einem Verhandlungsmarathon führen." Im Moment wolle die Regierung Zeit gewinnen, indem sie zunächst diskutiere, ob es überhaupt Verhandlungen geben werde, sagt Gerlach, der zugleich auf die anderen Länder in der Golfregion hinweist, die mit der Außenpolitik Teherans nicht einverstanden sind. "Aber sie haben offensichtlich im Moment kein Interesse daran, dass das Regime gestürzt wird." Die Nachbarstaaten des Iran seien an einem krieg in der Golfregion nicht interessiert, weil sie die Reaktion vor allem der iranischen Marine fürchten würden, so Gerlach.
Worum geht es Donald Trump?
Ob es einen amerikanischen Angriff auf den Iran geben werde, habe US-Präsident Trump im Moment noch nicht entschieden, glaubt Peter Neumann. "Er schafft die Voraussetzungen dafür, aber ich glaube, es ist nicht genügend an militärischem Gerät und auch an Truppen vor Ort, um einen langwierigen Konflikt durchzuhalten, aber schon eine Strafaktion. Die Frage ist, was Trump erreichen will." Trump verfolge möglicherweise keinen Regimewechsel im Iran.