"Lohnenswerte Ziele": Hacker zeigt ARD-Team erschreckende Schwachstellen unserer Kliniken

1 Min
ARD Story: Im Ernstfall verletzlich
In der ARD-Doku "Im Ernstfall verletzlich - Wie krisenfest sind unsere Krankenhäuser?" schildert ein Hacker seine Methoden.
rbb / DOCDAYS / Sven Klöpper
ARD Story: Im Ernstfall verletzlich
Training auf der Sonderisolierstation der Charité: Krankenhäuser müssen auf neue Bedrohungsszenarien vorbereitet sein.
rbb / DOCDAYS / Sven Klöpper

In der ARD-Story "Im Ernstfall verletzlich - Wie krisenfest sind unsere Krankenhäuser?" erklärt ein sogenannter "White-Hat-Hacker", wie sicher die Krankenhäuser in Deutschland vor potenziellen Cyber-Angriffen sind. Dabei schildert er seine Methoden, um Schwachstellen zu identifizieren.

Wie schnell Krankenhäuser in Deutschland an ihre Belastungsgrenzen geraten, hat die Corona-Pandemie erst vor wenigen Jahren aufgezeigt. Und die Herausforderungen für die "kritische Infrastruktur" reißen nicht ab. Neben Bedrohungen wie Hitze, Hochwasser und Kriege kommt es auch vermehrt zu Cyber-Angriffen. Sind unsere Kliniken dafür gerüstet? Das untersucht die ARD-Story "Im Ernstfall verletzlich - Wie krisenfest sind unsere Krankenhäuser?".

Knapp drei Jahre ist es her, da wurde das Universitätsklinikum Frankfurt zum Opfer eines Hackerangriffs. Das interne Netzwerk musste aus Sicherheitsgründen komplett vom Internet getrennt werden, teilweise wurde auf Faxgeräte zurückgegriffen. Erst zehn Monate später war das Problem endgültig behoben. Der Vorfall verursachte einen Schaden in Millionenhöhe - und ist längst kein Einzelfall. In der ARD-Doku schildert ein sogenannter "White-Hat-Hacker", Michael Wiesner, Details.

Der Experte wird von Kliniken engagiert, um Sicherheitslücken aus einer Angreifer-Perspektive zu identifizieren. "Krankenhäuser sind meiner Erfahrung nach unterdurchschnittlich sicher. Wir haben gleichzeitig eine größere Bedrohungslage von außen, weil sie einfach lohnenswerte Ziele sind", erklärt Wiesner.

"Man müsste eigentlich von Krieg sprechen"

Um Schwachstellen aufzudecken, sucht er mithilfe von Drohnen mit Wärmebildkameras nach Kamera-Attrappen und fotografiert mit hochauflösenden Kameras Mitarbeiterausweise, um diese zu fälschen. Außerdem nutzt er die Gutgläubigkeit der Menschen aus.

Als Techniker verkleidet werde er in der Regel nicht angesprochen, wenn er sich in unerlaubten Bereichen eines Krankenhauses aufhalte. "Der Drucker-Techniker als Verkleidung funktioniert besonders gut. Ein Drucker hat Netzwerk-Anschluss. Das heißt, wir sind eigentlich direkt schon am Ziel - nämlich: Netzwerk-Zugang zu bekommen", erklärt Wiesner.

Das Universitätsklinikum Frankfurt hat aus dem Cyber-Angriff vor drei Jahren gelernt. Abgeschirmte externe Rechenzentren mit streng kontrolliertem Zugang sollen für eine deutlich erhöhte Sicherheit sorgen. Insgesamt gibt es drei Standorte in ganz Frankfurt verteilt. Sollte eine Sabotage dafür sorgen, dass die Stadt Frankfurt lahmgelegt wird, kann das Uni-Klinikum auf ein weit entferntes Notrechenzentrum zurückgreifen.

Es ist ein ständiges Wettrüsten mit den potenziellen Angreifern. "Man müsste eigentlich von Krieg sprechen - im Internet. Und man selbst versucht die ganze Zeit nur abzuwehren. Also man hält das Schild, kann aber selbst gar nicht angreifen, weil man den Feind nicht erkennt", beschreibt es Ingo Jung, IT-Sicherheitsbeauftragter vom Universitätsklinikum Frankfurt.

Doch sind andere Krankenhäuser in Deutschland ähnlich gut vorbereitet, sollte es zu einem Cyber-Angriff oder auch ähnlichen kritischen Bedrohungs-Lagen kommen? Für Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité-Universitätsmedizin Berlin, ist die Antwort eindeutig. Er sagt in der ARD-Doku: "Es fehlt in Deutschland ein übergeordnetes System von Gesundheitssicherheit, was auf der lokalen und auf der regionalen und dann auch auf der nationalen Ebene entscheidet, was in einem Krisenfall zu passieren hat."

Die komplette ARD-Story "Im Ernstfall verletzlich - Wie krisenfest sind unsere Krankenhäuser?" ist am Mittwoch, 21. Oktober, um 22.50 Uhr im Ersten und bereits jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst