Nach einer Hirschhausen-Doku drehte sich bei "hart aber fair" alles ums deutsche Gesundheitssystem: Mehr als 16 Milliarden Euro sollen gespart werden - an der falschen Stelle, kritisierte Unternehmerin Patrice Aminati. Sie ist überzeugt: "Prävention ist die beste Möglichkeit, Kosten zu sparen!"
Seit drei Jahren lebt Patrice Aminati mit der Diagnose schwarzer Hautkrebs. "Ich werde dank Medikamenten künstlich am Leben erhalten", erklärte die Mutter einer zweijährigen Tochter zu Beginn der "Hart aber fair"-Sendung mit dem Thema "Teuer und nur Mittelmaß - was läuft schief bei Ärzten, Kliniken und Kassen?". Behandlungen wie teure Immuntherapien wünsche sie niemandem. "Es muss aber nicht sein", fügte sie hinzu, denn durch Vorsorge ließen sich Kosten im Gesundheitswesen sparen.
Genau das ist das Ziel der Gesundheitsreform von Bundesministerin Nina Warken. Insgesamt 16,3 Milliarden Euro soll die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2027 einsparen, um die Beitragssätze zu stabilieren. Die Streichung des seit 2008 bestehenden Hautkrebsscreenings könnte jährlich etwa 240 Millionen Euro bringen. Für Aminati ist das noch nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein: "Allein was meine Krebserkrankung in den letzten Jahren gekostet hat...", sagte sie. Statt das Screening zu streichen, solle die Früherkennung bereits ab 14 Jahren angeboten werden. Auch die Information über Vorsorgemöglichkeiten müssten verstärkt werden: "Ich habe das (Anm.: Risiko) total unterschätzt", gab die Unternehmeerin zu, "ich möchte nicht, dass andere den gleichen Fehler machen."
Das Hautkrebsscreening solle nicht eingeschränkt werden, räumte CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck mit dem Missverständnis auf. Vielmehr soll überprüft werden, "ob das Hautkrebsscreening so Sinn macht oder ob KI gestützte Screenings besser wären", betonte er. Heißt: Bloß die Wirksamkeit der Maßnahme soll evaluiert werden.
Aminati konnte das nicht so recht glauben und hakte noch einmal nach: "Es ist kein Beschluss?". Erst als Arzt und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen versicherte, dass die Früherkennung nicht gestrichen werde, war sie beruhigt: "Das ist ein schönes Ergebnis des Abends."
"Keine Kürzung und kein Beschluss", bekräftigte Streeck nochmals, und stellte sich auf die Seite Aminatis: "Das Beitragsstabilisierungsgesetz bringt nur Zeit, aber wir müssen ein Gesundheitssystem und eine Vision entwerfen, das präventionszentriert ist", meinte er und fügte hinzu: "Das ist der größte Schalthebel."
"Bei Digitalisierung so gut aufgestellt wie bei Ergebnissen des Eurovision Song Contests"
Aber nicht der Einzige. Es müsse Ordnung ins System kommen, betonte Streeck: "Wir haben ein extrem teures Gesundheitssystem, aber es gibt keine richtige Steuerung." Ein Primärarzt könnte alle Arzttermine auf dem Versorgungspfad koordinieren. "Das bedeutet, dass man eine gute Digitalisierung braucht", sagte er.
"Bei der Digitalisierung sind wir ungefähr so gut aufgestellt wie bei Ergebnissen des Eurovision Song Contests", erklärte Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, und sorgte mit seiner Bemerkung für Lacher im Publikum. Dann aber wurde er wieder ernst. Durch mehr Steuerung könnten auch Terminengpässe vermieden werden, stimmte er Streeck zu. "Das Hauptproblem ist der ungesteuerte Zugang zu allen Ärzten. Niemand muss sich einer medizinischen Notwendigkeitsprüfung unterziehen", kritisiere er.