Zu Recht mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet: Jeff Bridges darf in "Crazy Heart" als abgewrackter Country-Music-Star noch einmal auf das große Glück in der Liebe hoffen.
Mit der Darstellung von Anti-Helden kennt Jeff Bridges spätestens seit dem verlotterten Cannabiskonsumenten "Dude" in "The Big Lebowski" (1998) aus. In Scott Coopers Drama "Crazy Heart" (2009), das am Mittwoch, 21. Januar, um 20.15 Uhr bei ARTE zu sehen ist, durfte er noch einen draufsetzen - und sich richtig "auskotzen". Dafür wurde er - was zu diesem Zeitpunkt bereits längst überfällig war - mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller belohnt.
Er spielt den 57-jährigen Gitarren-Cowboy Bad Blake, der mit seinen alten Hits durch Spelunken und Bowling-Schuppen im amerikanischen Südwesten tourt. Ein demütigendes Dasein, das sich nur mit großen Mengen Alkohol aushalten lässt, denn die Musik funktioniert in seinem Leben als Sinnstifterin schon lange nicht mehr. Was nach dem Porträt eines abgewrackten Musikers klingt, ist allerdings auch eine rührende, wenn auch nicht ganz neue Liebesgeschichte. Ein Interview in Santa Fe bringt die 20 Jahre jüngere Journalistin Sean (sensibel und anrührend: Maggie Gyllenhaal) ins schäbige Hotelzimmer des Altstars, die ungeahnte Gefühle beim alternden Musiker weckt.
Das ganz große Happy End bleibt aus
Mit "Crazy Heart" legte Regisseur Scott Cooper ein Debüt von Format vor. In Jeff Bridges fand er einen charismatischen Hauptdarsteller, der vor der Kamera nicht nur spielt, sondern sich geradezu in die traurige Figur zu verwandeln scheint. Dabei bewegen sich die ersten Szenen zur Einführung des Protagonisten nah am Fäkalhumor so mancher Teenager-Komödie. Der abgehalfterte Oldie steigt in der tiefsten Provinz aus seinem mit Kippen und sonstigem Müll vollgestopften Pick-Up und leert eine Flasche mit gelber Flüssigkeit auf den Parkplatz des Bowling-Centers. Der Film weidet sich am ungesunden Dasein Blakes zwischen Alkohol und Zigaretten. Ein Highlight in seinem Leben ist eine unerwartet geschenkte Whiskyflasche.
Wenn der Mann den Mund jedoch nicht zum Trinken oder sich übergeben, sondern zum Singen aufmacht, hört sich das noch immer gut an und begeistert seine mit ihm gealterten Fans. Die Filmmusik setzt in ausgedehnten Auftrittsszenen auf erdigen Outlaw-Country mit rockigem Einschlag, der nichts mit dem glamourösen Nashville-Sound gemeinsam hat. Jeff Bridges singt selbst und schlägt sich ebenso wie sein Kollege Colin Farrell sehr gut. Der kaum wieder zu erkennende Farrell gefällt in "Crazy Heart" mit Pferdeschwanz und Drei-Tage-Bart als Keith-Urban-Version eines Superstars der Country-Szene: Im Windschatten seines ehemaligen Schützlings Tony Sweet scheinen für Bad Blake nun auch wieder bessere Zeiten anzubrechen. Er schluckt seinen Stolz herunter und lässt sich als Vorsänger für ein Konzert Tonys anheuern.
Als er die Journalistin Sean kennenlernt, beginnt das saufende Raubein, Gefühle zu zeigen. Doch trotz aller Zuneigung, die auch Jean für den vierfach Geschiedenen empfindet, läuten bei ihr die Alarmglocken. Schließlich ist sie eine alleinerziehende Mutter, die schon einige Enttäuschungen hinter sich hat und ihren kleinen Sohn schützen muss. Doch Bad Blake lässt nicht locker, immerhin geht es für ihn um eine letzte Chance auf ein bisschen Glück. Auch wenn es fürs ganz große Happy End nicht reicht, hält Regisseur Scott Cooper für seine Hauptfigur ein gutes Stück Hoffnung und Zuversicht auf ein neues Leben bereit.
Quelle: teleschau – der mediendienst