Krankenkassen warnen vor weiter steigenden Ausgaben für Arzneimittel und fordern mehr politische Lösungen.
Die finanzielle Krise der Krankenkassen hat vielfältige Gründe. Geht es nach den Kassen, sollte Politik unter anderem die steigenden Arzneimittelpreise ins Visier nehmen.
Laut Spitzenverband Bund der Krankenkassen GKV hätten die Kassen im vergangenen Jahr 58,5 Milliarden Euro ausgegeben - mehr als für die ambulante ärztliche Versorgung.
Medikamente sind bereits der zweitgrößte Kostenblock der Kassen
Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) erklärte GKV-Chef Oliver Blatt dazu: "Die Arzneimittelpreise bei uns sind schon die höchsten hinter denen der USA. Wenn es darum geht, daran etwas zu ändern, war die Politik bislang zu zaghaft."
Für Krankenhäuser würden Medikamente inzwischen den zweitgrößten Kostenblock bedeuten. Die Ausgaben haben sich laut Blatt "für neue Medikamente in zwölf Jahren verdoppelt".
Blatt: "Die Ausgaben für neue Medikamente haben sich in zwölf Jahren verdoppelt."
Krankenkasse kritisiert Pharmaunternehmen
Bereits im Juli 2025 rückte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker-Krankenkasse (TK) die Pharmaindustrie in den Fokus.
Baas sieht die Arzneimittelhersteller als die Gewinner in der Krise der Krankenkassen. Er forderte demnach "eine Lösung für die steigenden Arzneimittelpreise."
Unter anderem erklärte Baas: "Kurzfristig müsste die Regierung die Hersteller verpflichten, den gesetzlichen Kassen wieder höhere Rabatte zu geben."
Kassen sehen Drücken der Preise als Lösung
Für Oliver Blatt und den Spitzenverband der Krankenkassen wäre ein Drücken der Preise durchaus machbar, ohne dabei die Hersteller ins Ausland zu vertreiben.
Im Austausch mit der NOZ gibt es von Blatt auf die Frage der Machbarkeit ein klares "Ja". Blatt: "Es ist Quatsch zu behaupten, dass hohe Preise dafür sorgen würden, dass mehr in Deutschland produziert wird."
Schon heute würden demnach deutsche Konzerne in China oder Indien produzieren lassen. Noch höhere Preise führten daher nicht zu einer besseren Versorgungslage.
Pharmaindustrie sieht Finanzierungsproblem bei den Krankenkassen
Auf den Gewinner-Vorwurf von TK-Chef Baas hatte sich der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland (vfa) auf Nachfrage von inFranken.de sehr kritisch geäußert.
Klare Aussage: "Die GKV muss endlich sauber finanziert werden: Wer ein klares Bild über die Kosten hat, wird sehen, dass Arzneimittel keine besonderen Kostentreiber sind und es keine besondere 'Dynamik' gibt."
Bis Ende März wird jetzt eine durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission Vorschläge zu Einsparungen bei der Gesundheitsversorgung vorlegen.