"Gebrauchsanweisung zum gewaltbereiten Widerstand": ZDF-Intendant rechtfertigt Ausladung von Danger Dan

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Danger Dan
Danger Dans neue Single "Keine Angst" ist zu einem Politikum geworden.
Jaro Sanmann-Suffner

Danger Dan und Igor Levit waren von der Statireshow "Die Anstalt" ausgeladen worden. Den Text zu "Keine Angst" verstand das ZDF zur Empörung der Musiker als Aufruf zu Gewalt. Nun hat Intendant des Senders, Norbert Himmler, die Entscheidung rechtfertigt, aber auch Fehler eingeräumt.

ZDF-Intendant Norbert Himmler hat in der Causa Danger Dan und Igor Levit Stellung bezogen. Er verteidigt die Ausladung der Musiker von der Satire-Sendung "Die Anstalt", räumte zugleich aber Fehler bei der Entscheidungsfindung bei. "Die Kurzfristigkeit der Ausladung müssen wir uns vorwerfen lassen", erklärte Himmler gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". "Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung."

Die Haltung des ZDF in Sache und Anschauung rechtfertigt Himmler. Bei Danger Dans Lied "Keine Angst" habe man es seiner Ansicht nach "unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun, der in 'freundlichen Grüße' an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet."

Der Rapper Danger Dan und der Klassik-Pianist Igor Levit sollten "Keine Angst" bei der 100. Ausgabe von "Die Anstalt" vorstellen. Die am Dienstag ab 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlte Satire-Sendung wird sich unter anderem mit gesellschaftlicher Radikalisierung und die Wehrhaftigkeit der Demokratie auseinandersetzen. Um diese Themen geht es auch in Danger Dans Song, der vom Widerstand gegen den Rechtsextremismus erzählt.

Die Musiker waren nach eigenen Angaben bereits für die Aufzeichnung der Jubiläumssendung angereist, kurz vor Aufzeichnung erhielten sie vom ZDF jedoch eine Absage. Der Text könne als Aufruf an die Gesellschaft zur Gewalt verstanden werden, hieß es in der Begründung. Der Widerspruch, den der Sender in dem Text zu erkennen glaubt, lasse sich in der Zeit nach dem mehr als siebenminütigen Auftritt nicht auflösen. Stattdessen wolle man "sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufarbeiten".

Eingriff in Meinungs- und Kunstfreiheit?

In "Keine Angst" werden Möglichkeiten aufgezeigt, was jeder Einzelne, jede Einzelne tun kann, um gegen "Nazis und Konsorten" vorzugehen. Auf den Staat sei kein Verlass, und die "Erfahrung" habe gezeigt, dass es bei der Polizei "viele Faschos" gebe. In dem Text findet sich auch die Zeile: "Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras. Nie ohne Handschuhe, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen". Die von Intendant Himmler angesprochenen "freundlichen Grüße" ertönt am Ende des Songs: "Ist eh klar, was zu tun ist, ich sag' nix mehr dazu / Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk".

Die letzte Passage war dem ZDF offenbar besonders heikel: "Diese vier Vornamen sind identisch mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten", erklärte der Sender in einer Stellungnahme. "Sie werden für Angriffe auf Rechtsextremisten in Sachsen, Thüringen oder im ungarischen Budapest verantwortlich gemacht. Bekannt wurden sie auch, weil sie ihre Opfer unter anderem mit Hammern angriffen und teils lebensgefährlich verletzten."

Die Einschätzung teilen Danger Dan und Igor Levit nicht. Auf Instagram-Profil sprachen die Musiker von einem "skandalösen Eingriff" des ZDF in die Meinungs- und Kunstfreiheit. In einem Interview mit dem Magazin "Spiegel" sagte der Rapper, dass er niemanden dazu aufrufe, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. Es sei ein furchtbares Zeichen, dass der Sender antifaschistische Lieder zensiere.

So geht es in der Causa weiter

Die Redaktion von "Die Anstalt" stellte sich hinter die Musiker: Es wäre "öffentlich-rechtliche Pflicht" gewesen, den Auftritt wie geplant durchzuführen und im Anschluss eine Diskussion über die Inhalte anzustoßen, hieß es in einem Statement. Laut Danger Dan und Levit hatte die Redaktion die "schon dieuganze Sendung umgeschrieben, um das Lied einzuweben". In der kommenden Ausgabe am Dienstag werde man in der Show auf das Thema eingehen.

Danger Dan und Igor Levit wollen unterdessen ein Ersatzkonzert veranstalten. Der Auftritt hat den Titel "Die keine Anstalt" und soll heute Abend um 21 Uhr im Berliner Columbia Theater stattfinden. Der Gewinn aus den Ticketverkäufen geht laut den Veranstaltern an den Verein Opferperspektive, der sich in Brandenburg für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt einsetzt.

Quelle: teleschau – der mediendienst