Frauen in Not

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Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Doreen Brasch (Claudia Michelsen) ermittelt in Magdeburg. Dort wurde ein Fahrrad so manipuliert, dass es zu einem tödlichen Unfall kam. Das Opfer ist Mitarbeiterin eine Praxis, in der Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden. Davor demonstrieren Abtreibungsgegner.
MDR/Britta Krehl
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Dr. Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily) berät Frauen in Not pragmatisch und unkompliziert. Viele kommen zu ihr, weil sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen.
MDR/Adrian Gross
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Eine junge Frau wurde überfahren, weil das Bremskabel ihres Fahrrads durchtrennt war. Doreen Brasch (Claudia Michelsen) ermittelt in Magdeburg.
MDR/Britta Krehl
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
"Abortion Buddy" Lara Becker (Luna Jordan, links) hilft der aus Polen angereisten Dania (Nicola Magdalena Lüders).
MDR/Britta Krehl
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Lara Becker (Luna Jordan, zweite von rechts) regt sich über die Abtreibungsgegner auf und streitet mit deren Sprecher Thilo (Mathias Max Herrmann, dritter von links).
MDR/Britta Krehl
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Dr. Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily, links) begrüßt Lara Becker (Luna Jordan) und Dania (Nicola Magdalena Lüders, rechts) vor ihrer Praxis.
MDR/Britta Krehl
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Lara Becker (Luna Jordan, rechts) hält eine Gedenkrede für die tödlich überfahrene Marwa (Melissa Gross).
MDR/Felix Abraham
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Die Frauenarzt-Praxis von Dr. Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily) steht unter Druck. Weil Abtreibungsgegner wissen, dass hier Frauen in Not geholfen wird, steht ein Grüppchen Dauerdemonstranten vor der Eingangstür. Als eine Mitarbeiterin ermordet wird, steigt der Druck auf Schöller-Hahnfeld weiter an.
MDR/Britta Krehl
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Dania (Nicola Magdalena Lüders) lernt in der Magdeburger Innenstadt Maik Gerboth (Sebastian Jakob Doppelbauer) kennen.
MDR/Felix Abraham
Polizeiruf 110: Your Body My Choice
Lara Becker (Luna Jordan) wird von Doreen Brasch (Claudia Michelsen) zur Rede gestellt.
MDR/Britta Krehl

Ein tödlicher Unfall rückt die Frauenarzt-Praxis von Dr. Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily) in den Fokus: Wollten Abtreibungsgegner im "Polizeiruf 110: Your Body My Choice" an den Frauenhelferinnen ein Exempel statuieren? Doreen Brasch (Claudia Michelsen) ermittelt zwischen ethischen Fronten.

Der Slogan "My Body, my Choice" wurde in den 70er-Jahren in den USA in der feministischen und Pro-Choice-Bewegung populär. Damals, als Frauen für das Recht auf Abtreibung und Kontrolle über den eigenen Körper kämpften. Doch bekanntlich schreitet die Geschichte bisweilen auch rückwärts. Derzeit besonders in Sachen Demokratie und Menschenrechte. "Polizeiruf 110: Your Body My Choice" läuft zum Weltfrauentag am 8. März. Der Krimi mit Claudia Michelsen als Magdeburger Ermittlerin Doreen Brasch erzählt vom ethischen Konflikt zwischen Abtreibungshelfern und deren Gegner. Eine junge Frau mit Migrationshintergrund, die in einer Frauenarztpraxis arbeitete, verliert durch einen Fahrradunfall ihr Leben. Die Bremsen des Zweirades waren manipuliert. Das Opfer stand Frauenärztin Doro Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily) sehr nah. Vor ihrer Praxis hat ein kleiner Trupp christlicher Abtreibungsgegner Dauerstellung bezogen. Deren Sprecher sagt der Polizei, sie seien friedliche Demonstranten für das Recht auf Leben. Haben die Christen tatsächlich etwas mit dem Mord zu tun?

Bald lernt man die polnische Abiturientin Dania (Nicola Magdalena Lüders) kennen. Sie ist nach Deutschland gekommen, um eine geheime Schwangerschaft zu beenden, von der zu Hause niemand erfahren darf. Betreut wird die junge Frau nach ihrer Ankunft von Frauenrechte-Aktivistin Lara Becker (Luna Jordan), einem "abortion buddy". Die kämpferische junge Frau sorgt für das Wohlergehen der Patientin in Magdeburg und arbeitet mit Dr. Schöller-Hahnfeld zusammen. Als sich Danias Termin verschiebt, muss sie in der Innenstadt Zeit totschlagen. Dabei lernt sie den alleinstehenden Maik Gerboth (Sebastian Jakob Doppelbauer) kennen. Noch ein hilfsbereiter Magdeburger, der Fremde willkommen heißt?

Rechtspoulisten und Fundi-Christen

In den USA, wo heftig für und gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche gekämpft wird, wäre ein Szenario wie im Drehbuch von Annika Tepelmann ("Trügerische Sicherheit") alles andere als abwegig. Aber in Deutschland? Würde man der kleinen Schar radikaler christlicher Abtreibungsgegner tatsächlich einen Mord zutrauen? Doch es gibt noch andere Verdächtige: Eine Beziehungstat käme in Frage, vielleicht auch ein fremdenfeindlicher Anschlag? Immerhin versucht der Repräsentant einer nicht näher benannten rechtspopulistischen Partei im Film ebenfalls, sich die Gunst der Christen mit einer anbiedernden Rede zu erschleichen.

Im manchmal ein wenig pädagogisch daherkommenden Krimi werden interessante ethische Fronten aufgebaut, denn auch die Abtreibungs-Helfer sind nicht durch die Bank weg sympathisch: Die wütend kämpfende Lara zum Beispiel ist ein durchaus anstrengender Charakter. Dazu verkörpert Gaststar Jenny Schily gewohnt stark jene Ärztin, die ein Geheimnis rund um den Todesfall ihrer Mitarbeiterin zurückhalten könnte. Regie bei diesem ordentlichen, wenn auch nicht herausragenden Fall aus Magdeburg führte Franziska Schlotterer, die schon häufiger fürs "Tatort"-Revier im Schwarzwald arbeitete. So zum Beispiel bei der herausragenden Folge "Die Blicke der anderen" mit Lisa Hagmeister als ausgegrenzte Fremde einer dörflichen Gemeinschaft.

Abtreibung in Ost und West

Nach dem Ende des starken, aber leider kurzlebigen "Polizeiruf 110"-Krimis aus Halle mit Peter Kurth und Peter Schneider vor wenigen Wochen liegt es nun an den verbleibenden Ost-Revieren des ehemaligen DDR-Formats, die Fahne des Sozialkrimis und der Schilderung von Lebensmilieus kleiner Leute in den "neuen" Bundesländern hochzuhalten. In Magdeburg wird eher mal eine solche Geschichte erzählt als in Rostock oder Brandenburg, wo ebenfalls noch "Polizeiruf"-Ermittler tätig sind.

In der Deutschen Demokratischen Republik wurde das Recht auf Schwangerschaftsabbruch übrigens 1972 über die sogenannte "Fristenlösung" deutlich liberalisiert. Im Westen, wo Religion und Kirchen eine deutlich gewichtigere Rollen spielten, war es komplizierter: Hier scheiterten verschiedene Vorstöße. Erst seit 1995 gilt in ganz Deutschland: Abtreibung ist rechtswidrig, aber straffrei innerhalb der ersten zwölf Wochen - nach verpflichtender Beratung.

Polizeiruf 110: Your Body My Choice - So. 08.03. - ARD: 20.20 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst