"Fast schon eitel": Jetzt rechnet ARD-Experte Hitzlsperger mit Nagelsmann und dem DFB ab

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Thomas Hitzlsperger
Thomas Hitzlsperger fordert nach dem WM-Aus vom DFB schnelle Konsequenzen.
2022 Getty Images/Matthias Hangst

"Wenn das Trainerteam jetzt erst mal in Urlaub geht, dann haben sie nicht verstanden, worum es hier geht": Mit scharfen Worten kritisierte ARD-Experte Thomas Hitzlsperger den deutschen Nationaltrainer.

Wie konnte es zu dem blamablen Aus der deutschen Nationalmannschaft im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay kommen? Es gibt Klärungs- und Handlungsbedarf, findet auch Thomas Hitzlsperger. "Je früher, desto besser", meinte der ARD-Experte im Vorfeld des nächsten Sechzehntelfinalspiels Elfenbeinküste gegen Norwegen. Der DFB scheint jedoch nichts überstürzen zu wollen.

Die für den Abend deutscher Zeit geplante "Abschiedspressekonferenz" wurde abgesagt. Während die ersten Spieler sich Richtung Heimat absetzten, fertigte der DFB ein Statement-Video mit DFB-Boss Bernd Neuendorfer. In Eigenregie, also mit selbst erarbeiteter Rede und eigenem Schnitt. Journalisten waren nicht anwesend, folglich gab es auch keine Nachfragen.

"Dann haben sie nicht verstanden, worum es hier geht"

Im Video gab sich Neuendorf zerknirscht, aber lächelnd, dankbar gegenüber den Fans. Der entscheidende Satz: "Ich glaube, wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Man müsse analysieren und ergründen, "warum wir unseren Ansprüchen nicht gerecht wurden". Man wolle aber keine Entscheidungen überstürzen. Stattdessen wolle man sich "in den kommenden Tagen zusammensetzen und darüber sprechen".

Das erinnerte nicht nur Hitzlsperger fatal an die verzögerte Aufarbeitung nach dem WM-Fiasko 2018 unter Jogi Löw. Damals war der Trainer nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase erst mal tagelang abgetaucht. Hitzlsperger: "Es muss schnell passieren. Das hat eine hohe Dringlichkeit. Wenn das Trainerteam jetzt erst mal in Urlaub geht, dann haben sie nicht verstanden, worum es hier geht."

In den Stunden nach der Pleite scheint sich in der öffentlichen Wahrnehmung die Chance auf einen Verbleib Nagelsmanns im Amt stetig zu verkleinern. Auch Hitzlsperger sparte nicht mit Kritik und hielt Nagelsmann vor, dass er - "völlig ohne Not" - selbst vor der WM "etliche Baustellen aufgemacht" habe.

Hitzlsperger nennt Nagelsmann "nicht souverän genug"

Seine "fast schon eitle" Kommunikation in der Causa Deniz Undav, seine Nibelungentreue in Bezug auf Leroy Sané, seine vielen Planänderungen, personalisiert unter anderem im Comeback von Manuel Neuer zulasten des loyalen, aber ausgebooteten Torwarts Oliver Baumann. Das patzig-trotzige Auftreten in Interviews. "Er war nicht souverän genug", fasste Hitzlsperger zusammen.

"Er ist ein toller Trainer, als Fachmann unbestritten", führte der Vize-Weltmeister von 2006 aus. Aber er sei jung und habe wenig Lebenserfahrung. "Als Bundestrainer vielleicht zu wenig."

Das alles habe zu einer paradoxen Situation geführt. Die Mannschaft befinde sich in der Identitätskrise. "Wir machen nichts wirklich schlecht, aber auch nichts richtig gut", fand Hitzlsperger, der "wieder eine Identität" forderte, "eine Klarheit, wo wir hinwollen und wer wir sind." Dazu komme, dass Nagelsmann im sturen Mühen, alles kontrollieren zu wollen, für Verunsicherung im Kader gesorgt habe. "Er hat das Zutrauen zu seiner Mannschaft nicht."

Quelle: teleschau – der mediendienst