Markus Lanz und Richard David Precht haben in der neusten Folge ihres Podcasts "Lanz + Precht" über das selbst sogenannte "Regierungsprogramm" der AfD vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gesprochen. Dabei übt das Duo viel Kritik, sieht aber auch positive Ansätze.
"Das hat es in sich. Vor allem die Sprache hat es in sich", sagt Markus Lanz zu Beginn des Podcasts "Lanz + Precht" über das von der AfD selbst sogenannte "Regierungsprogramm" der Partei für Sachsen-Anhalt. Am 6. September wird dort ein neuer Landtag gewählt. Aktuellen Umfragen zufolge liegt die AfD mit über 40 Prozent deutlich vorne. Doch was plant Spitzenkandidat Ulrich Siegmund überhaupt genau und inwiefern ist das realistisch umsetzbar? Dem wollen Markus Lanz und Richard David Precht auf den Grund gehen.
Dabei sehen die beiden Podcaster auch einige positive Ideen, die "weder rassistisch noch demokratiefeindlich sind", wie der ZDF-Moderator sagt. Beispielsweise die geplante Meister-Prämie für Handwerker, das Finanzieren des Studiums für Ärzte und der Führerschein-Zuschuss für Auszubildende. "Da siehst du, dass die nah dran sind an den Leuten. Dass die verstehen, was die Sorgen der Leute sind", meint Lanz. Aber: "Die Frage ist natürlich bei alledem, wer das bezahlen soll", merkt der Polittalker an. Denn das gehe aus dem Programm nicht hervor.
"Bis auf die AfD traut sich keiner dahinzugehen und das zu sagen"
Besonders angetan ist Richard David Precht aber von der Ambition, das europaweite Bologna-System zu beenden. "Es ist doch ein Skandal, dass wir diese völlig berechtigte Forderung der AfD überlassen. Ich wünschte mir, die käme von allen Parteien", meint der TV-Philosoph.
Die 1999 gestartete Reform habe das Studium in ganz Europa vereinheitlicht, aber auch beschleunigt, "um der Wirtschaft jüngere Arbeitskräfte zuzuführen", erklärt Precht: "Das Ergebnis ist, dass die Wirtschaft mit diesen jüngeren Arbeitskräften im Regelfall sehr, sehr unzufrieden ist, weil da ein gewisser Reifungsprozess fehlt." Die Selbstwahl und nötige Eigenverantwortung sei dem Bologna-System zum Opfer gefallen, führt er weiter aus.
Seiner Meinung nach wäre "eine ganz große Universitäts-Reform notwendig und gleichzeitig eine Abschaffung der Bologna-Reform, die sowieso nie zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat - und das Ärgerliche ist: Bis auf die AfD traut sich keiner dahinzugehen und das zu sagen",
Markus Lanz über AfD-Regierung: "Davor muss man warnen"
"Vollkommen dagegen" ist Richard David Precht wiederum bei dem Punkt, dass es mehr Geld und Vorteile für mehr Kinder in Sachsen-Anhalt geben soll. Er führt aus: "Das Problem, was Sachsen-Anhalt hat, ist nicht eine Frage der absoluten Bevölkerungszahl, sondern das Problem ist, dass sehr viele junge Leute und Frauen weggegangen sind."
Auch beim Thema Migration und den geforderten Sonderklassen für Geflüchtete äußern Lanz und Precht deutliche Skepsis. "Man will dafür sorgen, dass Kinder, die neu in dieses Land kommen, sich gar nicht so wirklich integrieren, weil man sie eigentlich bereits wieder auf ihre mögliche Abreise vorbereiten will", so Lanz.