"Eigentor geschossen": AfD-Wähler stutzt, als er in ARD-Doku mit Wahlprogramm konfrontiert wird

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Alternative für Arbeiter? - Mein Kumpel wählt AfD
Für die Doku "Alternative für Arbeiter? - Mein Kumpel wählt AfD" wurden zwei Schalke-Fans mit unterschiedlichen politischen Ansichten begleitet.
NDR
Alternative für Arbeiter? - Mein Kumpel wählt AfD
Thomas und Andreas eint vor allem die Liebe zum FC Schalke 04.
NDR/ARD

Einst waren Andreas und Thomas überzeugte SPD-Anhänger. Inzwischen wählt der eine die Linke, der andere die AfD. Als ein ARD-Kamerateam die beiden Kumpels begleitet, herrscht dennoch überraschend viel Einigkeit zwischen ihnen.

Viele Jahre waren sich Andreas und Thomas nicht nur im Stadion, sondern auch in der Wahlkabine einig. Wie die beiden Fußball-Fans und früheren SPD-Wähler in der "Panorama"-Doku "Alternative für Arbeiter? Mein Kumpel wählt AfD" schildern, teilen sie inzwischen nur noch die Liebe zum FC Schalke 04. Von den Sozialdemokraten haben sich beide Männer abgewandt: Andreas wählt mittlerweile die AfD, Thomas die Linke.

"Ist die SPD noch die Partei der Arbeiter?", werden beide gefragt. "Nein", sagt Chirurg Thomas, und auch Gebäudereiniger Andreas verneint. "Kann ja nicht sein, dass die Reichen immer reicher werden und der ganze Druck geht nach unten auf die Arbeiter", ärgert sich Letzterer. "Das ist ein richtiges Argument", findet sein Kumpel, "aber das ist ja gerade ein Thema, dass zum Beispiel die AfD überhaupt nicht bearbeitet." Thomas erklärt: "Die Leute, die sowieso wenig haben - die werden sogar noch benachteiligt durch diese Politik."

Auch eine Studie des Leibniz-Instituts zeigte im Vorfeld der Bundestagswahl, dass durch das im Wahlprogramm beschriebene Steuermodell der AfD vor allem Gutverdiener profitieren würden. Als das NDR-Filmteam Andreas damit konfrontiert, staunt der: "Das ist nicht okay! Wer viel Geld verdient, der soll auch viele Steuern bezahlen." Er räumt ein: "Wenn ich jetzt so die Zahlen sehe, dann sollte ich mich auch mal ein bisschen hinterfragen. Dafür müsste ich mich eigentlich demnächst mal ein bisschen mehr damit beschäftigen." Seine fußballaffine Erkenntnis: Er habe sich "im Prinzip ein Eigentor geschossen".

"Die letzten Jahre driftet das ja immer weiter auseinander"

Als eine Mitarbeiterin des Drehteams fragt, ob es der AfD gelungen sei, "wirtschaftlich nicht so gut gestellte Leute gegeneinander auszuspielen", gesteht Andreas: "Da muss ich sogar zustimmen." Solange die Leute unzufrieden seien, "kommen die Rechten immer höher", glaubt er. "Weil die hauen ja den Finger in die Wunde und sagen: 'Es könnte euch so besser gehen und so besser gehen ...'"

Die gesellschaftliche Spaltung bereite ihm Sorgen, stellt Andreas klar: "Die letzten Jahre driftet das ja immer weiter auseinander." Auch dies sei ein "Problem der SPD", findet Thomas: "Dass sie da nicht mehr glaubwürdig auftreten kann. Dass sie da nicht dazwischengeht." Es sei gefährlich, "dass einfach Leute gegeneinander aufgehetzt werden - so, wie wir das schon mal hatten." Und wieder nickt Andreas. "Wenn ich darüber nachdenke", stellt er fest, "muss ich ihm ein bisschen recht geben."

Zu sehen gibt es die Dokumentation "Alternative für Arbeiter? - Mein Kumpel wählt AfD" in der ARD Mediathek.

Quelle: teleschau – der mediendienst