Hier der Garten, drüben die Toten: "The Zone of Interest" zeigt schonungslos, wie Auschwitz-Kommandant Höß und Familie im bürgerlichen Paradies direkt neben der Barbarei des Lagers lebten. Im Zweiten läuft das oscarprämierte Meisterwerk mit Sandra Hüller nun zum 9. November als Free-TV-Premiere.
Es ist ein Film, der einen sprachlos zurücklässt: Schon bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2023 sorgte "The Zone of Interest" für schockierte Gesichter im Publikum. Nicht weil das Historiendrama so brutale Szenen zeigen würde, sondern weil es das Grauen der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie subtil aus Perspektive des bürgerlichen Daseins der Kommandantenfamilie in Auschwitz zeigt. Die schicke Villa samt idyllischem Garten auf der einen Seite - und nebenan über der Mauer der barbarische Schrecken des Vernichtungslagers. Das ZDF zeigt den oscarprämierten Film von Regisseur Jonathan Glazer nun zum 9. November als Free-TV-Premiere.
Der Titel des gefeierten Dramas leitet sich ab vom "Interessengebiet" rund um das Konzentrationslager Auschwitz, ein beschönigender Begriff der SS für das damalige Sperrgebiet. Im Fokus steht SS-Obersturmbannführer Rudolf Höß (fantastisch gespielt von Christian Friedel), der von 1940 bis 1943 Kommandant in Auschwitz und verantwortlich für die Abläufe im Konzentrationslager war, in dessen unmittelbarer Nähe seine Villa stand. Ehefrau Hedwig, verkörpert von einer abermals herausragenden Sandra Hüller, bekommt ihrerseits nicht viel davon mit, was im Lager nebenan passiert. Oder hört und sieht sie einfach nur weg? Für das Publikum jedenfalls sind die Schreie und andere eindeutige Geräusche dauerpräsent, ebenso wie die KZ-Häftlinge, die auch an und in der Höß-Villa Dienst tun müssen.
Grandiose Leistung von Sandra Hüller
Das Haus der Familie grenzt direkt an die Außenmauer des Lagers, und doch sind es zwei komplett verschiedene Welten: dort das pure Grauen der Menschenvernichtung, hier das schicke Familienidyll mit Kaffeekränzchen und spielenden Kindern im blühendem Garten. Die bedrückende Atmosphäre, die Glazer dadurch erschafft, zieht sich durch den gesamten Film. Die Ignoranz, die völlige Absenz von Empathie, die Verachtung für das menschliche Leben auszuloten in seiner tödlichen Absurdität und psychologischen Widersprüchlichkeit, das gelingt "The Zone of Interest" wie kaum einem anderen Film. Dabei wird auch die Geschichte der Kommandantenfamilie erzählt: Als Höß nach Oranienburg versetzt werden soll, wird das für alle zur Zerreißprobe. Während nebenan Menschen vergast und gequält werden, streitet sich das Ehepaar um die Frage nach einem möglichen Wegzug.
Die Romanadaption basiert auf dem Buch "Interessengebiet" von Martin Amis. Auch die filmische Umsetzung des schockierenden Stoffes ist ein ganz großer Wurf, nicht nur aufgrund der grandiosen Leistung von Sandra Hüller, die sich mit dem Film weiter in Hollywood empfahl. Das Meisterwerk illustriert eindrucksvoll Hannah Arendts sprichwörtliche Banalität des Bösen - wobei der Spagat zwischen historischer Abbildung der Nazi-Barbarei (ohne dass diese tatsächlich gezeigt würde) und allgemeinem Blick auf menschliche Abgründe gelingt. Das überzeugte auch die Kritiker. Insgesamt wurde die amerikanisch-britisch-polnische Koproduktion mit zwei Oscars ("Bester internationaler Film" und "Bester Ton") ausgezeichnet.
The Zone of Interest - Mo. 09.11. - ZDF: 20.15 Uhr
Quelle: teleschau – der mediendienst