Susanne Bonard (Corinna Harfouch) verlässt die Berliner Ermittlerbühne. Im "Tatort: Gefahrengebiet" geht es um wildernde Wölfe, Prepper und Zurück-zur-Natur-Apologeten. Erzählt wird von Menschen, die sich auf eine wie auch immer geartete "Endzeit" vorbereiten. Was bitteschön soll all das bedeuten?
Corinna Harfouch steigt nach nur sechs "Tatorten" und fünf Fällen (der erste war ein Zweiteiler) aus dem Berliner Krimi aus. Ihre Kommissarin Susanne Bonard wird mit einer der kürzeren "Dienstzeiten" des Formats in die Annalen eingehen. Gründe für den Ausstieg waren jedoch keine "künstlerischen Verstimmungen". Die 1954 geborene Schauspielerin befand sich bereits zum Dienstantritt 2023 im Rentenalter und hatte damals angekündigt, nur eine kleine Anzahl von "Fällen" zu übernehmen.
Wie es beim "Tatort" Berlin weitergeht, steht - zum Teil - bereits fest. Harfouchs Finale ist ein philosophischer Kunst-Krimi, der über Abschiede und Endzeit-Stimmungen nachdenkt. Der Wolf als möglicher Täter steht symbolisch für die Auseinandersetzung zwischen Mensch und Natur - auch wenn der Krimi teilweise mit Themen überfrachtet wirkte.
Worum ging es?
Am Berliner Stadtrand könnte ein Obdachloser, von vielen Bisswunden gezeichnet, dem dort gesichteten Wolf zum Opfer gefallen sein. Robert Karow (Mark Waschke) und Susanne Bonard (Corinna Harfouch), die ihre letzte Arbeitswoche vor der Rente durchstehen musste, untersuchten den Toten. Möglich schien auch, dass das Wildtier erst "post mortem" zugeschlagen hatten - und der Mann ganz klassisch ermordet wurde.
Während ihrer Ermittlungen trafen die Kommissare im Wald auf eine Survival-Lehrerin (Anne Ratte-Polle) und ihren Wildnis-Schüler (Nils Kahnwald). Nun verschwammen im Kunstkrimi die Themen: Es ging um Bonards schweres Loslassen von der Arbeit, um Endzeit-Ideen und Natur-Apologeten - und schließlich um Menschen, die den Wert des Lebens unterschiedlich einschätzen.
Worum ging es wirklich?
Der vielleicht beste "Tatort" mit Ermittlerin Susanne Bonard war die Folge "Am Tag der wandernden Seelen" (2024). Der Film spielte in der Vietnamesen-Community Berlins und funktionierte als poetische Sozialstudie wie auch als spannender Thriller. Die Macherin jenes Films, Mira Thiel, ist nun auch für Buch und Regie von "Gefahrengebiet" verantwortlich.
Auch wenn sie in ihrem Abschiedsgeschenk an Corinna Harfouch (die unter anderem für die Dreharbeiten im Winter in einen echten Waldsee stieg) viele Themen verhandelt, eines inspirierte den Film zuerst: "Der Auslöser war völlig unspektakulär", erzählt Thiel. "In der U-Bahn hing ein Barcode, darüber stand 'Positive Prepping - Join the Club'. Aus der Krise einen Lifestyle machen - das ist Berlin, dachte ich. Und dieser Gedanke hatte Hoffnung und Angst gleichermaßen."
Thiels "Tatort" kritisiert eine Denkschule, die man auch von den Tech-Gurus des Silicon-Valleys kennt: Dass nämlich nicht jedes Leben gleich viel wert ist. "Survival of the Richest" heißt ein 2022 erschienenes Buch von Douglas Rushkoff, das laut Produzent Jens C. Susa diese "Tatort"-Produktion inspirierte.