CDU-Politiker überrascht Markus Lanz mit Forderung von Social-Media-Verbot

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Markus Lanz
Im Gespräch mit Markus Lanz machte sich Daniel Günther für schärfere Regeln im Bereich der sozialen Medien stark.
Cornelia Lehmann, ZDF
Markus Lanz
CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen warnte vor einem zunehmenden Kräftemessen in der Arktis.
Cornelia Lehmann, ZDF
Markus Lanz
China-Experte Adrian Geiges warnte vor einem Social-Media-Verbot und zog Parallelen zu China.
Cornelia Lehmann, ZDF

Die deutsche Politikwelt scheint immer polarisierter zu sein. Bei "Markus Lanz" äußerte sich CDU-Politiker Daniel Günther kritisch zum Begriff Brandmauer, während er sich für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren starkmachte.

Nicht nur der russische Angriffskrieg in der Ukraine, sondern auch das Vorgehen der USA in Venezuela sorgt europaweit für Unruhe. Bei "Markus Lanz" warnte CDU-Politiker Daniel Günther in dem Zusammenhang vor zunehmenden Drohnenvorfällen im deutschen Luftraum, die nicht gut genug von der Bundeswehr abgewehrt werden können.

"Ich glaube, dass wir viel, viel schneller in Deutschland uns auf diese Bedrohung einstellen müssen", so der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins. Er ergänzte sorgenvoll, dass einige feststehende Regeln es schwieriger für deutsche Soldaten machen würden, im Moment einzugreifen. "Aus meiner Sicht reicht es nicht aus, wenn 16 Bundesländer sich schützen, sondern das ist eigentlich eine gesamtstaatliche Aufgabe", stellte Günther klar.

Eine Steilvorlage für Lanz, der prompt nachzuhaken versuchte: "Deswegen sagen Sie, müssen wir darüber nachdenken, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen für sowas?" Daniel Günther nickte energisch: "Definitiv. Und ich glaube, wir werden auch dauerhaft um eine Grundgesetzänderung nicht umhinkommen." Im Gespräch mit dem ZDF-Moderator plädierte der CDU-Mann schließlich: "Wir müssen jetzt die Dinge selbst in die Hand nehmen." Dies brachte Lanz zur Frage, ob es denkbar sei, künftig deutsche Soldaten in der Ukraine einzusetzen. Eine Frage, die Daniel Günther nur ungern beantworten wollte.

Daniel Günther stichelt in Richtung Lanz: "Ich bin aber nicht als Bürger hier"

Er redete sich zunächst um Kopf und Kragen und erklärte, dass er sich "als Ministerpräsident Schleswig-Holsteins" nicht zu außenpolitischen Themen äußern wolle. Eine Ausrede, die Lanz nicht akzeptieren wollte: "Ihre persönliche Meinung würde mich interessieren!" Günther konterte genervt: "Ich bin aber nicht als Bürger hier." Der ZDF-Moderator stichelte unbeirrt weiter: "Haben Sie keine Meinung dazu?"

Günther reagierte erneut schwammig: "Ich habe dazu eine Meinung, aber ich bin nicht für Außenpolitik zuständig." Der CDU-Politiker offenbarte jedoch vorsichtig: "Ich finde, wenn sich der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland so weitgehend äußert und sagt, wir müssen auch über deutsche Truppen zur Absicherung reden, (...) finde ich, ist das eine sehr, sehr starke Äußerung, die eine Richtung weist, die ich zumindest absolut unterstütze."

Lanz reagierte sichtlich zufrieden: "Das ist ja dann die klare Aussage! Also in letzter Konsequenz dann auch 'Ja'." Während Daniel Günther wortkarg nickte, warnte CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen: "Meines Erachtens wird Russland niemals ein Dokument unterschreiben, in dem europäische NATO-Truppen in der Ukraine stationiert sind." Laut Pleitgen seien die Russen nämlich aktuell der Meinung, dass sie "mit jedem Tag ihre Position verbessern".

Grund genug für Lanz, seinen Blick auch auf Grönland zu richten. In dem Zusammenhang wollte er wissen, wie groß "das Kräftemessen in der Arktis" bereits sei. Daraufhin sagte Frederik Pleitgen deutlich: "Groß!" Er fügte mit ernstem Blick hinzu, dass "vor allem die Chinesen versuchen, in die Arktis (...) einzudringen" und "ihre Flagge, wenn man so will, zu platzieren".

Daniel Günther ist für AfD-Verbotsverfahren: "Wir haben die Pflicht, unsere Demokratie zu schützen"

Nicht nur die Außenpolitik spielte am Mittwochabend bei "Markus Lanz" eine große Rolle. Auch die AfD und die Debatte um die Brandmauer war Gesprächsthema in der Runde. Besonders CDU-Politiker Daniel Günther zeigte sich skeptisch, als es um die Brandmauer ging, denn: "Ich glaube, dass das ein Begriff ist, der sehr suggeriert, dass quasi die CDU - oder die Union insgesamt - im Prinzip diese Brandmauer nur einhalten muss, um die AfD kleinzukriegen. (...) Ich glaube, es ist ein absoluter Trugschluss und Irrglaube."

Laut des Ministerpräsidenten könne die AfD am Ende "nur im Konsens der demokratischen Parteien" entzaubert werden. Eine Aussage, die Lanz stutzig machte: "Das heißt, das ist für Sie keine demokratische Partei mehr in Gänze?" Daniel Günther antwortete ehrlich: "Nein, das ist eine Partei, die aktiv daran mitwirkt, (...) demokratische Institutionen zu desavouieren." Zudem wirke die AfD daran mit, "dass die freiheitlich demokratische Grundordnung abgeschafft wird". Günther machte sich deshalb stark für ein AfD-Verbotsverfahren und sagte: "Wir haben die Pflicht, unsere Demokratie zu schützen."

Ein wichtiger Punkt in dem Bereich? Die Regulierung der sozialen Medien. Laut Günther müsse vor allem die Jugend gezielt vor Desinformationen geschützt werden. Er forderte: "Social Media darf bis 16-Jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden!" Damit überraschte er nicht nur Lanz, sondern vor allem auch den China-Experten Adrian Geiges. Er mahnte: "Ich höre das mit sehr gemischten Gefühlen. Ich habe zehn Jahre in China gelebt - in einem Land, in dem das Internet zensiert wird." Geiges weiter: "Wer entscheidet dann, was ist erlaubt und was ist Propaganda und Lüge?"

Quelle: teleschau – der mediendienst