Sicherheitsprobleme, falsche Versprechungen - und ein CEO, "der sich als eine Art Messias sieht": Eine Sky-Doku gibt schonungslose Einblicke hinter die Kulissen von Tesla und rechnet knallhart mit Elon Musk ab.
2025 kam es auf dem E-Auto-Markt zu einer Wachablösung: Erstmals seit Jahren verkaufte nicht Tesla die meisten E-Autos weltweit, sondern verlor die Marktherrschaft an den chinesischen Konkurrenten BYD. Für Tesla-Boss Elon Musk dürfte das jedoch nur noch mehr Ansporn sein, sein Produkt zu verbessern. "Er hat diese dämonischen Momente, da ist er völlig außer sich und stürzt sich wie besessen auf ein Problem, bis es gelöst ist", verrät seine einstige Mitarbeiterin Rachel Konrad in der Sky-Doku "Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment".
Der eineinhalbstündige Dokumentarfilm von Andreas Pichler gibt einen bisher beispiellosen Einblick hinter die Kulissen des Autobauers, deckt besorgniserregende Praktiken bei Tesla auf - und legt nahe, dass Musk seine Autofirma womöglich nur als Mittel zum Zweck für eine viel größere Mission sieht.
Ex-Tesla-Ingenieur über Elon Musk: "Viele Mitarbeiter ignorieren seine Ansichten meistens"
"Es ist ziemlich intensiv und stressig, mit ihm zusammen zu sein", empfand Esben Pedersen, einst in der Sales&Marketing-Abteilung von Tesla tätig, die Zusammenarbeit mit Elon Musk. Arbeitete der Firmenboss zu Beginn noch beinahe manisch am Erfolg des Autobauers (Ex-Marketing-Leiter Craig Davis: "Wir haben uns oft gefragt, ob er wirklich ein Mensch ist"), ließ seine Präsenz im Laufe der Jahre merklich nach.
Ohne detaillierte Ahnung vom Workflow einiger Mitarbeiter zu haben, habe er dennoch stets viele Ansagen gemacht, erinnert sich der einstige Tesla-Ingenieur Raven Jiang: "Viele Mitarbeiter ignorieren seine Ansichten meistens, weil sie sonst ihre Arbeit nicht richtig machen könnten." Von seinen Mitarbeitern erwartet Musk bedingungslosen Einsatz bis an die Belastungsgrenze - und darüber hinaus. "Wenn ich mal um 9 Uhr abends gegangen bin, haben sie mich angeschaut", schildert Cristina Balan, ebenfalls einst Ingenieurin bei Tesla. "Ich bin schließlich vor Erschöpfung umgekippt."
Schlimmer noch sei aber die Erkenntnis gewesen, "dass Tesla Sicherheitsprobleme vertuscht", denkt Balan zurück. An den Fahrzeugen seien "Hunderte Mängel" gewesen, berichtet sie. Obwohl man gewusst habe, dass sich etwa die Teppiche unter den Bremspedalen aufrollten, habe die Firmenspitze "fast eineinhalb Jahre nichts dagegen unternommen", führt die einstige Mitarbeiterin exemplarisch auf. "Es hat schwer auf mir gelastet, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und das Gefühl zu haben, dass ich wahrscheinlich für den Tod von Menschen verantwortlich sein würde", bestätigt Jiang.
"Es gab Situationen, in denen ich dachte, das Auto will mich umbringen"
Speziell der in Tesla-Fahrzeugen seit 2016 implementierte Autopilot wird im Sky-Film als potenziell tödliche Fehlerquelle identifiziert. "Als ich losgefahren bin, merkte ich innerhalb von fünf Minuten, dass die Technologie nicht einmal halb so viel konnte, wie Elon getwittert hatte", beschreibt John Bernal die ersten Fahreindrücke in seinem Tesla. "Es gab Situationen, in denen ich dachte, das Auto will mich umbringen."
Während Bernal überlebte, ging es für einige andere Tesla-Fahrer oder andere Verkehrsteilnehmende weniger gut aus. Der Mann von Anja Oldenburg, ein glühender Tesla-Fan, starb bei einem Unfall. Sein Auto kam auf gerader Straße von der Spur ab, prallte gegen einen Baum - und ging in Flammen auf. Dass Tesla danach behauptete, der Bordcomputer habe nichts aufgezeichnet, macht Oldenburg bis heute stutzig, aber für den kräftezehrenden Kampf gegen den mächtigen Konzern vor Gericht habe sie bislang "keine Kraft" gehabt.