Beim ersten Blick auf das ungewöhnliche Objekt war "Bares für Rares"-Experte Sven Deutschmanek überrascht: "Das ist skurril" und im Wert sehr schwer einschätzbar ...
"Das ist skurril", meinte Sven Deutschmanek, als er das Objekt in der Mittwochsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" bestaunte. Noch erstaunlicher war aber der Aufzug des Verkäufers, den Horst Lichter als "lebende Geschichte" beschrieb. Nur im Händlerraum wurde die Lage ernster, denn dort wurde das Objekt als hochspekulativ eingeschätzt ...
Lichter war mit der Tradition vertraut: Im Schwarzwald fertigten Uhrmacher ihre Werke an und brachten sie anschließend in die ganze Welt. Helga aus Gütenbach war jedoch die Spezialistin fürs Bemalen der Uhrenschilder. Ihr Partner Wolfgang aus Merdingen trug sie nur: "Mir war es einfach zu schwer", lachte sie.
Helga berichtete, dass sie neben den Schildern auf Wolfgangs Rücken auch das des angebotenen Stücks gestaltet hatte. Während der Olympischen Spiele 1992 war sie in Barcelona eingeladen gewesen, um ihr Handwerk zu präsentieren. Dort hatte sie prominente Menschen getroffen, die auf dem Schild unterschrieben hatten. Lichter staunte: "Ja, Wahnsinn."
Deutschmanek ordnete das Stück als sogenannte Lackschilduhr ein, eine Uhrengattung, die besonders im Biedermeier gefragt war. Das Zifferblatt wurde vollständig von Hand gestaltet und koloriert, erklärte der Experte. Helga konnte dem nur zustimmen - schließlich war sie selbst vom Fach und beherrschte das Handwerk bestens.
Experte Deutschmanek schätzt "Entstehungsgeschichte" hinter Rarität
Das besondere Stück war Anfang der 1990er-Jahre anlässlich der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona entstanden. Dort hatten unter anderem Franziska van Almsick und Richard von Weizsäcker auf dem Werk unterschrieben, beschrieb Deutschmanek. Die vielen verschiedenen Handschriften ließen das Unikat allerdings auch etwas "verschandelt" wirken.
Für ihre Arbeit setzte Helga 500 Euro als Wunschpreis an, denn sie wollte lediglich den Materialwert erhalten. Deutschmanek tat sich mit der Bewertung schwerer, da vergleichbare Stücke einfach fehlten. Dennoch schätzte er den Wert auf 500 bis 1.000 Euro, denn: "Ich finde die ganze Entstehungsgeschichte sehr, sehr gut."
Als die Uhr mit dem zusätzlichen Anschauungsmaterial im Händlerraum präsentiert wurde, zeigte sich Christian Vechtel sofort interessiert. Auch David Suppes sah die Besonderheit des Stücks. Wie bereits Deutschmanek hielt er die Bewertung jedoch für schwierig, "denn das ist ein absolutes Einzelstück ohne Vergleichswerke." Vechtel eröffnete das Bieten mit 200 Euro und erkundigte sich bei Helga nach dem Preis einer Uhr aus ihrer Werkstatt. Sie nannte 600 Euro und stellte klar, dass ihre übrigen Uhrenschilder nicht zum Verkauf standen. Daraufhin passte der Händler sein Gebot direkt an und bot ebenfalls 600 Euro.