Die Ticket-Preise gehören zu den großen Ärgernissen bei der in Kürze beginnenden Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA. In der ARD-Doku "WM-Wahnsinn und Titel-Träume" wird nicht nur der Bundestrainer deutlich.
In Los Angeles steht das angeblich teuerste Stadion der Welt, und da verwundert es wenig, dass hier zur Fußball-Weltmeisterschaft die Superlative sprudeln. Die fangen schon auf dem Parkplatz an, wie Esther Sedlaczek in der neuen ARD-Doku "WM-Wahnsinn und Titel-Träume" feststellt. "Man muss damit rechnen, dass man für die 90 Minuten Fußball bis zu 300 Dollar zahlt", sagt die Reporterin auf der Asphaltfläche vor einer der Spielstätten, in der es ab Donnerstag um den WM-Titel geht. "Das ist teurer als so mancher Sitz im Stadion."
Im Innenraum des SoFi Stadiums, in dem normalerweise American Football gespielt wird, macht Sedlaczek die Sitzprobe auf dem günstigsten Platz: 60 Dollar - und ein überraschend guter Blick aufs Spielfeld. "Das Problem ist nur: So viele Sitze gibt es in dem Stadion nicht zu diesem Preis."
Julian Nagelsmann: "Die Preise sind in meinen Augen viel zu hoch"
Weiter unten im Zuschauer-Rund muss man schon 3.000 Dollar investieren, um während eines WM-Spiels auf einer Sitzschale Platz nehmen zu dürfen. "Grenze nach oben hin offen", raunt Sedlaczek, die sich den erklärenden Nachsatz auch hätte sparen können: "Also für den normalen Fußball-Fan kaum erschwinglich."
Aber von nichts kommt eben nichts. 2,6 Milliarden US-Dollar will die FIFA während des Turniers alleine mit Zuschauer-Einnahmen verdienen - so heißt es im Film aus der "Sportschau"-Redaktion. "Die Preise sind in meinen Augen viel zu hoch", schimpft Bundestrainer Julian Nagelsmann im Interview mit Sedlaczek. "Wenn du da mit zwei Kindern ein Spiel anschaust plus Flüge - das ist für viele der Preis für zwei, drei Jahre Urlaub. Da kommen wir leider ein bissel weg von dem, was Fußball auch ausmacht."
"Ich kenne Menschen, die nehmen Kredite auf, um sich eine WM anzugucken"
Das kann Tom Roeder bestätigen, ehemals Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft. "Ehrlich gesagt ist meine Vorfreude noch nie so gering gewesen wie dieses Jahr", sagt der Düsseldorfer im Gespräch mit ARD-Experte Thomas Hitzlsperger. Das erste Mal seit rund zwei Jahrzehnten werde er bei einem WM-Turnier nicht die ganze Zeit vor Ort sein können.
Hitzlsperger fragt nach, ob Roeder nachgerechnet hat, was ihn die WM vom ersten Gruppenspiel bis zum Finale kosten würde. Die Antwort: "Ich habe bei 15.000 Euro aufgehört zu rechnen." Die verschiedenen Spielorte in drei Ländern machten das Kalkulieren schwer. Der Fanclub-Veteran: "Das normale Gruppenphasen-Ticket von 400 Euro hat man damals in Brasilien im Finale gezahlt. Das ist Wahnsinn. Für mich als Fan ist das nicht mehr leistbar." Er selbst kenne Menschen, "die nehmen Kredite auf, um sich eine WM anzugucken".
"WM-Wahnsinn und Titel-Träume" ist am Mittwoch, 10. Juni, 20.15 Uhr, im Ersten zu sehen und schon jetzt in der ARD-Mediathek.