Die Flammen auf dem Weg zur Diktatur

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Als der Reichstag brannte
Der ARTE-Dokumentarfilm nähert sich einer der historischen Fragen des 20. Jahrhunderts: Wer war für den Berliner Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 verantwortlich?
ARTE F / Ullstein
Als der Reichstag brannte
Verhaftung von kommunistischen Aktivisten durch die SA: Binnen weniger Stunden nach dem Reichstagsbrand werden Tausende Oppositionelle in den ersten nationalsozialistischen Konzentrationslagern interniert.
ARTE F / AKG
Als der Reichstag brannte
Der Hauptbeschuldigte Marinus van der Lubbe wird im Prozess um den Reichstagsbrand im Oktober 1933 vernommen.
ARTE F / AKG
Als der Reichstag brannte
1933 wird Deutschland binnen weniger Wochen zur Diktatur: Der neue Reichskanzler Adolf Hitler erhält die volle Macht, während seine Milizen auf den Straßen im Namen der Partei Terror verbreiten.
ARTE F / NARA
Als der Reichstag brannte
Das Plenum des Reichstags war nach dem Brand 1933 vollständig zerstört. In einem Nebensaal wurde jedoch später zum Teil der Prozess gegen van der Lubbe und andere abgehalten.
ARTE F / Ullstein

Hitler ist seit 29 Tagen an der Macht, als der Berliner Reichstag brennt. Die Nazis und die Justiz schieben den verheerenden Brand dem jungen, fast stummen Niederländer Marinus van der Lubbe in die Schuhe. Eine TV-Doku bei ARTE will beweisen: Er alleine kann es nicht gewesen sein.

"Als der Reichstag brannte" - so lautet der Titel einer sehenswerten Dokumentation, die ARTE nun zur besten Sendezeit wiederholt. Im Film wird die Geschichte des Reichstagsbrands vom 27. Februar 1933 noch einmal minutiös rekapituliert. Die neue Digitalisierung der zahlreichen Archivaufnahmen bringt es mit sich, dass einem dieser wichtige Moment der Geschichte, ein mit großer Wahrscheinlichkeit schlau eingefädelter Coup der Nazis, äußerst nahe geht. Der Niederländer Marinus van der Lubbe, der in einem kurze Zeit später folgenden Prozess als alleiniger Täter ausgemacht und zum Tod verurteilt wurde, erlebte die Aufhebung dieses Urteils nicht mehr selbst. Er wurde am 10. Januar 1934 in Leipzig enthauptet. Der Film legt nahe, dass er keinesfalls der Alleintäter war.

Zwar sind die Aufnahmen dieses offensichtlich verstörten, möglicherweise unter Drogen gesetzten 24-jährigen arbeitslosen Niederländers mit dem stets gesenkten Kopf, der kein Deutsch konnte und auf einem Auge fast erblindet war, auch nach 100 Jahren noch bewegend. Doch der ARTE-Film (Autor: Mickaël Gamrasni) macht vor allem deutlich, welch zentrale Bedeutung der Brand des Reichstags für den Aufstieg Hitlers und der Nazis hatte. Den Kommunisten galt ihr ganzer Hass, mit ihnen lieferte man sich Straßenkämpfe, man jagte sie aus dem Parlament. Hermann Göring, bereits Reichstagspräsident, forderte die SA zum Prügeln und zum fleißigen Erstgebrauch der Schusswaffen auf.

Der Reichstag als Fanal

So teilt sich der durchgehend mit Kommentar unterlegte Film in mehrere Teile auf: zum einen in die Geschichte der Machtergreifung mit dem anwachsenden Terror und der Furcht vor Arbeitslosigkeit und einer roten Revolution unter der Bevölkerung. Zum anderen wird die Nacht vom 27. Februar 1933 minutiös beschrieben mit zahlreichen Erst- und anderen "Zeugen", wie nicht zuletzt Hitler, Göring und Goebbels, die kurz nach 21.00 Uhr am spektakulär brennenden Reichstag eintrafen. So erstaunlich wie perfide war dann der Schauprozess gegen vier bulgarische Kommunisten und van der Lubbe in Leipzig und Berlin, mit dem die Nazis der Welt ihre Rechtsstaatlichkeit beweisen wollten. Als van der Lubbe aussagte, er habe sich kurz vor dem Brand mit SA-Leuten getroffen, schaltete der Rundfunk die Gerichtsübertragung kurzfristig aus.

Dass der Reichstagsbrand ein Fanal war, das kurz darauf symbolhafte Bedeutung erlangte, steht außer Frage. Aber auch, dass der Brand inszeniert und von langer Hand vorbereitet war und dass er Hitler tatsächlich zur Festigung der Diktatur verhalf, macht die packende 90-minütige Dokumentation wie unter einem Brennglas deutlich.

Als der Reichstag brannte - Di. 30.06. - ARTE: 20.15 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst