"Schattendatenbank" der Schufa aufgedeckt: Wofür alte Einträge noch benutzt werden

Die Schufa gibt Unternehmen und Vermietern regelmäßig Auskunft über deine Zahlungsfähigkeit. Mit dem neuen Schufa-Score will die Auskunftei transparenter sein - nun wurde aufgedeckt, dass sie nebenbei aber trotzdem alle alten Einträge aufbewahrt.

Die Wirtschaftsauskunftei Schufa speichert mehr Finanzdaten über die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, als den meisten bewusst sein dürfte. Nach Recherchen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" betreibt das Unternehmen in Wiesbaden neben seiner offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung "historischer Daten" über teils weit zurückliegende Zahlungsvorgänge von Millionen Menschen. 

Die Schufa-Bewertungen (Scores) entscheiden im Alltag mit darüber, ob jemand einen Kredit bekommt, einen Handyvertrag erhält oder eine Wohnung anmieten kann. Seit März dieses Jahres hat die Schufa eine neue Berechnungsmethode mit zwölf Kriterien gestartet. Es spielt etwa eine Rolle, wie alt der älteste Bankvertrag und die älteste Kreditkarte sind, ob Zahlungsstörungen vorhanden sind und wie der Status bei Krediten ist.

Geheime Schufa-Datenbank aufgedeckt: Darf die Auskunftei alte Daten über Verbraucher behalten?

Die Verbraucher können diese Scores kostenlos einsehen. Dafür muss man sich mit seiner E-Mail-Adresse auf der Schufa-Webseite registrieren. Der neue Score ist ein Wert zwischen 100 und 999 Punkten - je höher der Wert, desto besser die Bonität. Gegen frühere Berechnungsverfahren sind derweilen noch immer Prozesse beim Bundesgerichtshof anhängig. Mehrere Privatpersonen haben geklagt, dass die Informationen, die die Schufa ihnen über die Bonitätsanfragen und die Bewertung ihrer Bonität gegeben hatte, unzureichend und intransparent waren. Dabei berufen sie sich auf das europäische Datenschutzrecht, das auch ein "Recht auf Vergessen" beinhaltet. Alte Schufa-Einträge dürften demnach nicht dauerhaft gespeichert werden.

Die Schufa bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass sie neben der aktuellen Score-Daten weitere, "historische" Zahlungsdaten vorhält. Die Datensätze seien bis zu zehn Jahre alt und beträfen nahezu jeden Konsumenten, zu dem schon mal eine Auskunft eingeholt wurde. Eine Größenordnung von 68 Millionen Menschen nannte ein Schufa-Sprecher realistisch.

Diese Werte würden benötigt, um neue Verfahren zur Risikoberechnung beispielsweise bei Banken abzusichern und zu überprüfen. Klar ausgedrückt heißt das, die Schufa nutzt die alten Daten, um gegenüber Kunden die Verlässlichkeit ihrer Berechnungen zu demonstrieren. Die Vergleichstests fänden ausschließlich bei der Schufa statt, so dass die Datendetails nicht an die Auftraggeber gehen könnten, so die Schufa. Der Umgang mit den Daten sei strikt auf Test- und Kontrollzwecke beschränkt. 

Zweifel beim Verbraucherschutz

Genau daran zweifelt laut "tagesschau.de" aber Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), "weil es für die Unternehmen, die diese Daten bekommen, sehr verlockend ist, diese Daten nicht nur für Testzwecke zu verwenden, sondern sie auch tatsächlich beispielsweise für Kreditentscheidungen heranzuziehen".

Die Schufa vertritt die Ansicht, dass sie die historischen Daten zu den genannten Zwecken verwenden darf. Dazu zitiert sie den von ihr beauftragten Datenschutzexperten Tim Wybitul: "Die Vorwürfe gegen die Schufa treffen nicht zu. Daten sind zu löschen, wenn sie für die Zwecke ihrer Verarbeitung nicht mehr benötigt werden. Allerdings dienen die Tests der Überprüfung der Richtigkeit der Scores. Das ist ein wichtiger und legitimer Zweck."

Andere Fachleute halten dem jedoch entgegen, dass dafür ein kleinerer Datensatz ausreichen würde. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Verbraucher nicht informiert werden, dass ihre alten Schufa-Einträge in der "Schattendatenbank" liegen und für Tests eingesetzt werden. Auch in der Datenkopie, die Nutzer bei der Schufa anfordern können, stehe laut NDR-Recherche nichts darüber.

Datenschutzbeauftragter prüft Rechtmäßigkeit der Schufa-Tests

Die Schufa selbst deutet an, dass sich die Verbraucher für die historischen Daten kaum interessieren würden. "Verbraucherinnen und Verbraucher wollen vor allem wissen, wie es aktuell um ihre Bonität steht und welche Daten Einfluss auf Ihren Score haben. Das ist bei historischen Daten nicht der Fall", schrieb die Auskunftei kürzlich auf ihrer Webseite.

Dass das Vorgehen aus Sicht des Datenschutzes kritisch sein könnte, zeigt jedoch auch das Verfahren der zuständigen Behörde. Der Hessische Datenschutzbeauftragte, der für die Schufa zuständig ist, hat bereits 2025 die "Datentests" ins Auge gefasst. Es soll zum einen die Rechtsgrundlage und zum anderen die Frage geklärt werden, ob Verbraucher in der Datenkopie über die Tests informiert werden müssen. Der hessische Datenschutz lehnte eine Stellungnahme unter Hinweis auf das laufende Verfahren ab. lmi/mit dpa

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