Er erkrankte an Hautkrebs und verlor früh seine Eltern: Fernsehkoch Alexander Herrmann erklärte am Freitagabend in der Radio-Bremen-Talkshow "3nach9" seine wichtigste Lebensphilosophie. Und er sprach über einen Bundestagsbesuch, der "nahe am Albtraum" gewesen sei.
Fernsehkoch Alexander Herrmann ist für seine Kreativität bekannt. Das weiß jeder, der schon mal seine echt knusprigen Bratkartoffeln probiert hat. Die werden vorm Braten ungeschält in einem Topf mit viel Salzwasser gekocht. Wenn sie gar sind, lässt man sie ausdampfen und pellt sie, während sie noch heiß sind. Dann lässt man sie 45 Minuten lang abkühlen, brät sie dann in einer Pfanne mit Olivenöl von beiden Seiten etwa fünf bis sechs Minuten. Erst kurz vor Schluss kommen grob gehackte Zwiebeln hinzu, und dann noch etwas Petersilie, Pfeffer, Salz und etwas geriebene Zitronenschale.
Der 55-jährige Sternekoch ist stolz auf diese Beilage, sagte er mal. Stolz ist er auch auf sein neues Hobby: Seit einigen Monaten sitzt er im Kreistag des Landkreises Kulmbach in Oberfranken. Die Stadt Kulmbach ist vor allem für ihr Bier bekannt und besitzt mit der Plassenburg eines der beeindruckendsten Renaissance-Schlösser Europas, das vor knapp 900 Jahren das erste Mal erwähnt wurde.
Alexander Herrmann wuchs im Gästezimmer im Hotel auf
Herrmann, viele Jahre Moderator und Juror der ZDF-Sendung "Küchenschlacht", Juror und Coach bei "The Taste" auf SAT.1 und in diesem Jahr Juror bei "Grill den Henssler" bei VOX, trägt sein Herz auf der Zunge. Das beweist er am Freitagabend. Da ist er Gast in der Radio-Bremen-Talkshow 3nach9. Und dort "fressen" ihm die Gäste buchstäblich aus der Hand. Denn der Meisterkoch hat ein paar Gerichte mitgebracht, die er in seinem Familienhotel zwischen Kulmbach und Bayreuth selber zubereitet.
Rote Beete gehören dazu. Sie werden gedämpft und dann reifen dann mit einem Koji-Pilz drei Monate lang in einem Dry. Heraus kommt ein veganes Gericht, bei dem man glaubt, man bisse auf Schinken, erzählt Herrmann. Auch Co-Moderatorin Judith Rakers probiert und sagt: "Wenn ich es nicht gewusst hätte, würde ich denken, es ist Schinken." Und Moderator Giovanni di Lorenzo ist so sehr von einem fränkischen Melonensud begeistert, dass er sich glatt bekleckert beim Probieren.
"Ich bin in einem Hotel aufgewachsen, in einem normalen Gästezimmer. Ich hatte zwar ein eigenes kleines Bad, aber es war derselbe Raum", erzählt Herrmann im breitesten Oberfränkisch mit rollendem R. "Eine private Küche hatten wir nicht. Wir sind quasi für unseren Alltag runtergegangen, wir haben quasi in unserem Restaurant gegessen." Er sei immer wieder in die Hotelküche gegangen. "Das heißt, ich wurde immer gesehen, auch von den Gästen. Und das sind ja fremde Menschen. Und entscheidend ist, dass die Gäste mich kannten, denn ich war ja quasi der Kleine vom Chef."
Mit leichtem Stöhnen zum Trinkgeld-Vermögen
So hat er erkannt, dass er aus sich etwas machen wollte. Er sei in einer Hotel-Kommune aufgewachsen, sagt Herrmann. "Und dann fängst du plötzlich an, von den Leuten eine Form von Akzeptanz und vor allem für das, was du gut machst, eine Art von Lob zu kriegen. Und dann ist die Dopamin-Ausschüttung da." Er habe zum Beispiel für die Hotelgäste, die die Bayreuther Festspiele besuchen wollten, die schweren Koffer getragen. "Und wenn du die schweren Koffer der Damen trägst und beim Absetzen dann einmal so ganz leicht stöhnst, damit sie sagt: 'Mei, schau' und ihn anschaut, dass er fünf Mark Trinkgeld gibt, und ich habe in diesem August immer ein Trinkgeld bekommen, das waren in diesen drei oder vier Wochen immer um die 500 Mark."
Das habe ihm eine gewisse Freiheit beschert. "Ich konnte mir Dinge kaufen, die pädagogisch nicht wertvoll waren: Ninja-Wurfsterne, Rambo-Überlebensmesser. Das war ein Vermögen, von dem der Staat, also die Familie, nichts wusste. Und davon habe ich mir dann Träume erfüllt."