Schauspielerin Michaela May hat innerhalb weniger Jahre ihre drei Geschwister verloren. Im Podcast "BayernGemeinsamStark" sprach sie nun offen über die schweren Schicksalsschläge, den Umgang mit dem Verlust innerhalb ihrer Familie und die Frage, wie sie gelernt hat, mit ihrer Trauer zu leben.
"Ich habe eine traumhafte Kindheit gehabt", stellt Schauspielerin Michaela May (74) im Gespräch mit Moderatorin Lena Prieger klar. Das sei ihr wichtig zu betonen, weil sie später "einfach ein großes Schicksal erlitten" habe. Innerhalb von acht Jahren verlor May ihre drei Geschwister durch Suizid. Über den Verlust schrieb die Schauspielerin in ihrem Buch "Hinter dem Lächeln". Im Podcast "BayernGemeinsamStark" des Bayerischen Sozialministeriums hat sie nun erneut über die Schicksalsschläge gesprochen und erklärt, wie sie gelernt hat, mit der Trauer umzugehen.
Eine Aufarbeitung innerhalb der Familie habe damals nicht stattgefunden, ihre Eltern sprachen kaum über den Verlust ihrer Kinder. Rückblickend weiß May: "Das war damals einfach auch schwer und unerklärlich, wie so was passieren kann. Damals
war die Psychotherapie und die Behandlung von Depressionen und seelischen Schwierigkeiten noch schwer zu finden."
Ein Psychologe, der die Familie zu Hause besucht hatte, habe erklärt, ihr Bruder hätte wahrscheinlich "eine nervliche Belastung, weil er so viel gewachsen ist in einem Jahr", erinnert sich May. "Darum sind die Nerven nicht mitgewachsen, und darum ist er depressiv geworden", so habe es geheißen. "Da sieht man, wie wenig weit man damals noch war", merkt die ehemalige "Polizeiruf 110"-Schauspielerin an.
"Das waren drei verschiedene und sehr unterschiedliche Geschichten"
Als ihr ältester Bruder verstarb, war Gertraud Elisabeth Berta Franziska Mittermayr, wie Michaela May mit bürgerlichem Namen heißt, erst zwölf Jahre alt. Sie habe damals schon als Kinderschauspielerin gearbeitet, habe gedreht und sei viel unterwegs gewesen. "Meine Eltern haben versucht, mich und auch meine Schwester, die damals noch ganz klein war, möglichst fernzuhalten davon und uns auch nicht so zu belasten mit ihren eigenen Sorgen", erinnert sich die 74-Jährige. Es habe stets geheißen, ihre Brüder seien "nervenkrank". Rückblickend weiß sie: "Das waren drei verschiedene und sehr unterschiedliche Geschichten, wie es dazu kam."
An den späteren Todestagen und Geburtstagen ihrer Geschwister habe ihre Mutter ihr gegenüber immer erklärt: "Ich weiß schon, dass es heute ist, aber lass uns lieber malen gehen. Ich möchte nicht darüber reden." Das Thema habe ihre Eltern immer belastet.
Beim Verlust ihrer jüngeren Schwester war Michaela May gerade mit ihrem ersten Kind schwanger. Ihr Tod habe sich durch eine immer schlimmer werdende "Drogengeschichte schon angebahnt", weiß die 74-Jährige. Dennoch habe die Nachricht sie "unheimlich erschüttert". Freunde hatten der Schauspielerin aufgrund ihrer Umstände davon abgeraten, an der Beerdigung teilzunehmen. "Ich musste meine Eltern da alleine lassen, aber es hat wahrscheinlich auch seine Richtigkeit gehabt", betont sie.
Michaela May: "Man trägt den Schmerz des Verlustes sein Leben lang"
Die Geburt ihrer ältesten Tochter habe der Schauspielerin und ihren Eltern jedoch auch bei der Verarbeitung der schweren Verluste geholfen. Sie habe ihnen gezeigt, "dass wieder neues Leben kommt und dass nicht alles geht", so May. "Die Konzentration auf dieses Kind und dieses neue Leben hat uns alle so viel Hoffnung und so viel Licht und so viel Freude gebracht, dass diese Dunkelheit dadurch plötzlich wieder heller wurde und man irgendwann auch darüber hinwegkam."