Abräumen könnte auch der schwarzhumorige Politthriller «One Battle After Another» von Regisseur Paul Thomas Anderson (13 Nominierungen), gefolgt von dem Monsterfilm «Frankenstein», der Tragikomödie «Marty Supreme» und dem norwegischen Familiendrama «Sentimental Value» mit je neun Gewinnchancen. Acht Nennungen gab es für das Drama «Hamnet» über die Shakespeare-Familie. Neben diesen sechs Favoriten sind in der Topsparte «Bester Film» weitere vier Werke im Rennen - «Train Dreams», «Bugonia», «The Secret Agent» und der Rennsport-Streifen «F1».
Welche deutschen Talente haben Chancen?
Deutschland hat es diesmal mit dem Anwärter «In die Sonne schauen» der Berliner Regisseurin Mascha Schilinski nicht in die Sparte International Feature Film geschafft. Doch mehrere deutsche Talente haben Preischancen und fiebern den Oscars entgegen, darunter die Spezialeffekte-Künstler Michael Ralla (46) und Guido Wolter (44). Ralla, der an der Hochschule der Medien in Stuttgart studierte, und Wolter, Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar, sind mit zwei weiteren Kollegen für ihre Arbeit an dem Blockbuster «Sinners» in der Sparte «Visual Effects» nominiert.
Auch der im niedersächsischen Hameln geborene und in Großbritannien aufgewachsene Komponist Max Richter ist im Rennen – mit seiner Musik zum Drama «Hamnet» von Regisseurin Chloé Zhao. Er ist einer von fünf Anwärtern in der Sparte «Beste Filmmusik», neben Komponisten wie Ludwig Göransson («Sinners»), Jonny Greenwood («One Battle After Another») und Alexandre Desplat («Frankenstein»).
Zudem sind mehrere deutsche Koproduktionen für Oscars nominiert, darunter der norwegische Film «Sentimental Value», «The Secret Agent» aus Brasilien und die Dokus «Ein Nobody gegen Putin» und «Cutting Through Rocks».
Spannung bis zum Ende – wer hat die besten Karten?
Jessie Buckley sollte eine Dankesrede parat haben. Mit ihrer emotionalen Darstellung in «Hamnet» ist die 36-jährige Irin eine sichere Kandidatin für den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Buckley mimt in dem Film die Ehefrau von William Shakespeare, die den Tod ihres Sohnes Hamnet verarbeiten muss. Sie räumte in dieser Preissaison fast alle Trophäen ab, auch den Golden Globe.
Bei den Männern bleibt es spannend. Timothée Chalamet (30), der in der Tragikomödie «Marty Supreme» als ambitionierter Tischtennisspieler brilliert, galt lange als Favorit. Doch bei den als Oscar-Vorboten geltenden Actor Awards triumphierte «Sinners» mit Preisen für das beste Film-Ensemble und für Hauptdarsteller Michael B. Jordan (39). Chalamet und Leonardo DiCaprio («One Battle After Another») gingen leer aus.
Glamour bei der Gala
Die Oscar-Verleiher werben vorab mit einem Staraufgebot für ihre Show. Unter den angekündigten Promis, die auf der Bühne Preise verteilen, sind Nicole Kidman, Sigourney Weaver, Channing Tatum, Robert Downey Jr., Javier Bardem, Gwyneth Paltrow, Anne Hathaway und Demi Moore. Als «Presenter» sind auch die vier Oscar-Gewinner von 2025 – Mikey Madison («Anora»), Zoe Saldaña («Emilia Pérez»), Adrien Brody («Der Brutalist») und Kieran Culkin («A Real Pain») – dabei.
Es ist nicht offiziell, aber aus der Branche verlautet, dass die Hollywood-Ikone Barbra Streisand dem im September gestorbenen Robert Redford singend Tribut zollen könnte. Bei der Gala wird in jedem Jahr mit dem sogenannten «In Memoriam»-Segment Verstorbenen der Filmbranche gedacht. Streisand und Redford standen sich 1973 in dem Liebesfilm «So wie wir waren» gegenüber – wird die 83-Jährige den Titelsong «The Way We Were» singen?
Was ist diesmal neu?
Erstmals seit knapp 25 Jahren gibt es eine neue Oscar-Kategorie. Die Filmakademie hatte zuletzt 2002 die damals neue Sparte «Bester animierter Spielfilm» bei der Trophäenshow eingeführt. Nun feiert «Casting» seine Premiere. Mit der Auszeichnung für Casting-Direktoren wächst die Zahl der Preissparten auf 24. Für einen eigenen Casting-Oscar hatten sich Filmschaffende, die bei Produktionen für die Besetzung von Rollen zuständig sind, seit Jahren eingesetzt. Nominiert sind unter anderem die Britin Nina Gold für «Hamnet» und ihre US-Kolleginnen Francine Maisler («Sinners») und Jennifer Venditti («Marty Supreme»).
Dünn anziehen?
Auch in diesem Jahr wurde vorsichtshalber wieder ein Plastikdach über den roten Teppich vor dem Dolby Theatre gespannt. Schließlich gab es auch schon verregnete Oscars. Doch in diesem Jahr fühlt sich das wie ein Schwitzkasten an. Die «Winter»-Temperaturen in Los Angeles kletterten im Vorfeld auf 32 Grad Celsius hoch. Die Prognose für Sonntag liegt bei sonnigen 28 Grad Celsius.