Viel Geld, viel Kontrolle – bis ein exzentrischer Künstler alles auf den Kopf stellt. «Die reichste Frau der Welt» ist eine bitterböse High-Society-Satire mit Isabelle Huppert in Höchstform.
Sie ist milliardenschwere Erbin eines Kosmetikkonzerns und lebt in einer Welt, die so präzise getaktet ist wie ein Uhrwerk. «Madame ist serviert», meldet der makellose Butler jeden Morgen, bevor er ihre Termine herunterbetet. Doch das perfekt kontrollierte System gerät ins Wanken, als Marianne auf Pierre-Alain trifft, einen Fotografen und Künstler mit zweifelhaftem Ruf.
Mit «Die reichste Frau der Welt» inszeniert Thierry Klifa eine scharfzüngige, bitterböse Gesellschaftssatire über Macht, Geld und Selbsttäuschung. Im Zentrum steht ein glänzend aufgelegtes Duo: Isabelle Huppert als Marianne Farrère und Laurent Lafitte als Pierre-Alain Fantin. Sie, kontrolliert, kühl und um die sechzig, entdeckt spät im Leben einen Hauch von Freiheit. Er, exzentrisch und schamlos, bringt ihre Welt mit genüsslicher Provokation ins Wanken.
Wenn alles aus dem Takt gerät
Marianne führt den Konzern mit eiserner Hand: Öffentlichkeit ist Pflicht, Haltung Teil der Marke. Als ihre Tochter (Marina Foïs) sie dem Fotografen Pierre-Alain vorstellt, kippt dieses System.
Die wohlhabende Unternehmerin verfällt schnell dem Charme des gewandten Provokateurs, der gleichermaßen spöttisch wie schmeichelnd auftritt.
Gefährliche Nähe
Die Beziehung entwickelt sich rasch zur Abhängigkeit. Marianne lässt ihn nicht nur an ihrem Vermögen teilhaben, sondern auch an ihrem Lebensstil – ohne jede erkennbare Grenze. Selbst seine kalkulierten Provokationen, sein demonstratives Anderssein, seine Eskapaden schrecken sie nicht ab: Er tritt mit seinem jungen Liebhaber auf, uriniert in die Rhododendren.
Im Umfeld wächst die Besorgnis: Der Ehemann bleibt distanziert, da er sieht, wie seine Frau wieder auflebt, die Tochter reagiert zunehmend alarmiert.
Zwischen beiden entsteht ein toxisch-faszinierendes Machtspiel – irgendwo zwischen Bewunderung, Manipulation und emotionaler Abhängigkeit. Huppert selbst beschreibt im Interview der Deutschen Presse-Agentur diese Dynamik als Sog: Pierre-Alain sei für ihre Figur «wie ein hochprozentiger Alkohol» – einmal gekostet, kaum mehr zu entziehen. Genau darin liege der Reiz ihrer Rolle: ein Absturz in eine andere Version ihrer selbst.