Geprägt von der psychischen Krise von Charlie macht sich Nick - überzeugend verkörpert von Kit Connor - stets Sorgen um seinen Freund und weiß nicht, wie er an der Uni ohne ihn zurechtkommen soll. «Ich bin nur glücklich, wenn ich bei dir bin», gesteht er Charlie während eines hitzigen Streits. «Ich glaube nicht, dass das so sein sollte», entgegnet dieser.
Wie schon die dritte Staffel ist auch der Film ernster als die ersten beiden Staffeln. Dadurch wächst die Geschichte allerdings mit den Charakteren mit und schafft es, Authentizität zu bewahren. Ehrlich und einfühlsam wird erzählt, wie es vielen Teenagern geht, wenn die erste große Liebe Risse bekommt.
Was macht den Hype von «Heartstopper» aus?
Würde man die Gen Z (die heute etwa 15- bis 30-Jährigen) um ihre Meinung zu «Heartstopper» bitten, käme wohl vor allem ein in der Generation beliebter Ausdruck als Antwort: wholesome - übersetzt so viel wie wohltuend.
Gerade für queere Jugendliche galt die Serie als Mutmacher. Die Story behandelt Themen wie Homo- und Transsexualität, mentale Gesundheit, Gleichstellung und Freundschaft unverkrampft und echt, ähnlich wie etwa auch die britische Produktion «Sex Education». Entsprechend gut kam die Serie bisher bei Jugendlichen, aber auch Erwachsenen an.
Besonders in Erinnerung blieb dabei vielen die berührende Coming-out-Szene von Nick, die viele queere Teenager Berichten zufolge sogar nutzten, um sich selbst vor Familie und Freunden zu outen. Der bisexuelle Teenager beschließt am Ende der ersten Staffel, sich seiner Mutter (gespielt von Oscar-Preisträgerin Olivia Colman) anzuvertrauen und ihr unter Tränen zu sagen, dass er einen Freund hat. Die Mutter umarmt ihn herzlich, und bittet ihn dabei um Entschuldigung, falls er das Gefühl gehabt habe, ihr das nicht offen sagen zu können («I'm sorry if I ever made you feel like you couldn't tell me that»).
Dass «Heartstopper» vor politischen Debatten nicht zurückscheut, zeigt sich auch im Film. So sagt etwa die Transfrau Elle zu ihren Freunden: «Die Welt hasst mich gerade. Die Regierung nimmt mir meine Rechte und alles, wofür wir gekämpft haben.» Die Szene dürfte eine Anspielung auf ein britisches Urteil von 2025 sein. Das oberste Gericht entschied dabei, dass bei Fragen der Gleichstellung das biologische Geschlecht entscheidend ist - nicht das soziale oder empfundene Geschlecht.
Was wurde aus Kit Connor und Joe Locke?
Seit dem Erfolg der Serie hat sich für die jungen Schauspieler Kit Connor (22) und Joe Locke (22) so manches getan. Connor feierte vor zwei Jahren sein Broadway-Debüt mit «Romeo und Julia» und wirkte zuletzt in dem hochgelobten Kriegsfilm «Warfare» an der Seite von Joseph Quinn («Stranger Things») mit.
Der gleichaltrige Locke ergatterte 2024 eine Rolle in der Marvel-Serie «Agatha All Along». Mit «Clarkston» schaffte auch er es auf die Theaterbühne im Londoner Trafalgar Theatre.
Folgten auf den «Heartstopper»-Hype ähnliche Serien?
Seit dem Erscheinen von «Heartstopper» (basierend auf Graphic Novels der heute 31-jährigen Alice Oseman) boomt der Markt der romantischen, oft queeren Serien und Filme. Sie basieren häufig auf Jugendbuchreihen, New-Adult-Stoffen.
Man denke etwa an die Serie «Heated Rivalry» (HBO Max), die die nicht ganz jugendfreie Liebesgeschichte zweier konkurrierender Eishockey-Spieler erzählt und schon jetzt zu den meist gefeierten Produktionen des Jahres gehört. Mit «Off Campus» (Prime Video) erschien vor wenigen Wochen eine Art heterosexuelles Gegenstück, dem man sich ebenso in sozialen Medien kaum entziehen konnte.