"Minijobs sind für Hotellerie und Gastronomie kein Randphänomen, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Personalplanung. Wer diese Beschäftigungsform faktisch abschaffen will, gefährdet die Leistungsfähigkeit von Hotellerie und Gastronomie", so Breuckmann weiter.
Arbeitgeberverbände warnen teilweise vor zusätzlichen Belastungen für Betriebe. Gewerkschaften und andere Arbeitnehmervertreter sprechen sich dagegen häufiger für strukturelle Änderungen aus.
Wie viele Menschen arbeiten in Deutschland in einem Minijob?
Nach Angaben der Minijob-Zentrale sind in Deutschland 6.554.876 Personen geringfügig beschäftigt im gewerblichen Bereich registriert. Hinzu kommen 252.372 Beschäftigte in Privathaushalten, für die teilweise besondere Regelungen gelten.
Ein großer Teil der gewerblichen Minijobber ist zwischen 24 und 64 Jahren alt. Frauen stellen mit 55,9 Prozent die Mehrheit. Der Anteil ausländischer Beschäftigter liegt bei 18,3 Prozent.
Im ersten Quartal wurden für alle Minijobber zusammen Beiträge in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zur Rentenversicherung und 1,02 Milliarden Euro zur Krankenversicherung gezahlt.
Warum stehen Minijobs in der Kritik?
Arbeitsmarktexperten weisen seit Jahren auf mögliche Nachteile von Minijobs hin. Kritiker argumentieren, dass diese Beschäftigungsform Anreize schaffen könne, nicht in eine reguläre sozialversicherungspflichtige Tätigkeit zu wechseln.
Besonders häufig wird dabei auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen verwiesen: Zwar ist die Erwerbsquote hoch, das geleistete Arbeitsvolumen fällt im europäischen Vergleich jedoch geringer aus.
Auch Forschungseinrichtungen bewerten Minijobs teilweise kritisch. Genannt werden unter anderem ein erhöhtes Niedriglohnrisiko, eine höhere Armutsgefährdung sowie mögliche Verdrängungseffekte gegenüber regulären Beschäftigungsverhältnissen. Zudem wird das häufig genannte Argument, Minijobs könnten als Brücke in den regulären Arbeitsmarkt dienen, von Fachleuten nur eingeschränkt bestätigt.
Wie ist die politische Position zu Minijobs?
In der politischen Diskussion gehen die Positionen auseinander. Die AfD spricht sich für eine Ausweitung von Minijobs aus. SPD, Linke und Grüne plädieren dagegen für ihre Abschaffung oder grundlegende Reformen.
Innerhalb der Union gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Zuletzt haben dort jedoch ebenfalls Stimmen an Gewicht gewonnen, die Veränderungen am bisherigen Modell befürworten. Kanzler Friedrich Merz (CDU) stellt inzwischen in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner Spezial" klar, dass Minijobs durch die Reform nicht abgeschafft werden sollen. Vielmehr müsse unterschieden werden, ob jemand mehrere Minijobs anstelle einer regulären Beschäftigung ausübe oder ob es sich um Schüler, Studenten und Rentner handle, die etwas hinzuverdienten.
Im Zentrum der aktuellen Debatte steht die Frage, ob Minijobs künftig stärker in die gesetzliche Rente eingebunden werden sollen. Zum einen soll der Pflichtanteil der Minijobber von 3,6 Prozent auf fünf Prozent steigen. Zum anderen soll die "Opt-Out-Möglichkeit", sich von der Versicherungspflicht zu befreien, gestrichen werden. Befürworter sehen darin einen Beitrag zu mehr sozialer Absicherung. Kritiker warnen hingegen vor höherem Aufwand für Unternehmen und möglichen negativen Folgen für flexible Beschäftigungsformen.
nw/mit dpa
Vorschaubild: © Marc Tirl/dpa