Die Zeit, die er schon in Untersuchungshaft verbracht hat - rund zwei Monate -, soll von der Haftstrafe abgezogen werden. Darin sind sich Staatsanwälte und Verteidiger einig.
Høiby war kurz vor dem Prozess Anfang Februar erneut festgenommen worden. Er soll gegen ein Kontaktverbot gegenüber der «Frogner-Frau» verstoßen haben. Nach einem Vorfall in deren Wohnung hatte die Polizei die Ermittlungen gegen Høiby im August 2024 aufgenommen.
In ihrem Plädoyer verlangte die Anklage auch für die Zeit nach dem Urteil ein Kontaktverbot: Geht es nach ihr, soll sich Høiby zwei Jahre lang von der Frau fernhalten. Die beiden hatten sich noch in den Monaten vor dem Prozessbeginn regelmäßig gesehen.
Prozess hat Høiby belastet - auch «weil er seine Familie so liebt»
Die vergangenen Verhandlungswochen seien eine große Belastung für seinen Mandanten gewesen, sagte Høibys Verteidiger Petar Sekulic laut der Zeitung «Verdens Gang» am Donnerstag vor Gericht - auch, «weil er seine Familie so sehr liebt und es ihn wirklich quält, was sie in dieser Angelegenheit durchmachen musste».
Weder Høibys Mutter Mette-Marit noch sein Stiefvater, Kronprinz Haakon, hatten dem Prozess beigewohnt. Fotografen lichteten die beiden aber bei einem Besuch des 29-Jährigen im Gefängnis ab.
Erneut klagte die Verteidigung angesichts der riesigen Aufmerksamkeit für den Fall die Medien an. Die Staatsanwaltschaft meint nicht, dass sich der Presserummel um Mette-Marits Sohn strafmildernd auswirken sollte: Es gebe keinen Rabatt abhängig vom Berühmtheitsstatus des Angeklagten, hatte es am Mittwoch geheißen. Und: Die Frauen hätten schließlich ebenfalls unter dem großen öffentlichen Interesse gelitten. Deren Anwälte fordern Entschädigungen in Höhe von insgesamt 1,95 Millionen norwegischen Kronen (rund 177.000 Euro).
Marius Borg Høiby hatte die Medien während des Prozesses immer wieder schwer beschuldigt. Unter Tränen hatte der 29-Jährige über den großen Druck gesprochen, der seit seiner Kindheit auf ihm gelastet habe. Die Presse habe ihn überallhin verfolgt - jetzt kenne sie die intimsten Details aus seinem Privatleben.
Tatsächlich wurden in den letzten knapp sieben Wochen mehr als 800 Seiten SMS vorgelesen, Google-Suchen und Sexualvorlieben des Norwegers diskutiert. Die Staatsanwaltschaft hatte aber von vornherein klargestellt: Das müsse Høiby angesichts der Vorwürfe gegen ihn ertragen.
Høiby und seine Erinnerungslücken
Würgen, Schläge, Drohungen: 20 der 40 Angeklagepunkte gegen Høiby beziehen sich auf seine Beziehung zu der «Frogner-Frau», mit der er seit Herbst 2023 zusammen war. Einige davon gibt der Norweger zu. Auch Fälle von Misshandlung gegen eine weitere Ex-Freundin, eine Influencerin, werden ihm vorgeworfen. In Bezug auf diese Anschuldigungen forderte die Verteidigung laut «Verdens Gang» einen Freispruch. Sollte er aber dafür verurteilt werden, sagte Anwältin Andenæs, sollte die Gesamtstrafe nach ihrer Einschätzung zwei Jahre betragen. «Falls er für alle Anklagepunkte verurteilt werden sollte, wären fünf bis sechs Jahre das richtige Maß», so die Verteidigerin.
In vielen Fällen hatte Høiby während des Prozesses angegeben, sich nicht richtig erinnern zu können. «Damit setzt er sich fast jedem Angriff schutzlos aus», sagte Verteidiger Sekulic, warnte aber: «Man muss, wenn er sich nicht erinnert, nicht automatisch der Aussage der Geschädigten Glauben schenken».
Laut Staatsanwaltschaft zeichnen Høibys Aussagen ein Bild von einem Mann, der Frauen wenig respektiere und «sich nimmt, was er will». «Was als schlechtes Benehmen oder schlechte Moral bezeichnet werden kann, aber nach dem Strafgesetzbuch in keiner Weise strafbar ist, muss man außer Acht lassen», argumentierte Høibys Verteidiger dagegen laut «Verdens Gang». «Das ist irrelevant.»
Mit dem Plädoyer der Verteidigung steht der Mammut-Prozess nun vor dem Abschluss. Das letzte Wort haben die Richter. Auf deren Urteil muss Høiby aber - so hieß es zuletzt vom Gericht - noch einige Monate warten. Zunächst geht es für Haakons royalen Ziehsohn also zurück in die Untersuchungshaft.