Vampire sind düster, gefährlich, ein bisschen sexy und aktuell vor allem Serien-Dauergast. Was macht den Blutsauger so beliebt?
In «Love Sucks» ist er ein hübscher Verführer mit Identitätsproblemen, in «Oderbruch» ein kämpferischer Widerständler, in «City of Blood» ein eleganter Geschäftsmann. In der deutschen Film- und Serienlandschaft gibt es zurzeit einen regelrechten Vampir-Boom. Ende Oktober etwa erscheint der Kinofilm «Die Blutgräfin» mit Isabelle Huppert als mordende Vampirin, Ende November geht die britisch-deutsche Coming-of-Age-Comedyserie «The Reluctant Vampire» an den Start. Der blasse Unheilsbringer ist nicht totzukriegen - und das schon seit Jahrzehnten.
Um herauszufinden, woran das liegt, lohnt sich zunächst ein Blick ans Ende des 19. Jahrhunderts, in die Zeit der Entstehung des modernen Vampirs: Graf Dracula. Der Schriftsteller Bram Stoker (1847-1912) veröffentlichte seinen Roman «Dracula» am 26. Mai 1897. Zur Markteinführung wurden rund 3.000 Exemplare des 390 Seiten starken Buches mit gelbem Leineneinband und rotem Titel ausgeliefert.
Inspiriert wurde die Figur vom realen Herrscher Vlad III., geboren 1431, bekannt als «der Pfähler». Vlad ließ seine Feinde auf meterhohe Pfähle aufspießen und soll im Kampf gegen die Osmanen fast 100.000 Opfer auf dem Gewissen gehabt haben. Historiker betonen allerdings, er sei nicht grausamer gewesen als andere Fürsten seiner Zeit.
Stoker's Dracula habe ein Set an Eigenschaften mitgebracht, das bis heute den typischen Vampir ausmache, erklärt der Film- und Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger aus Mainz. «Der Vampir hat Reißzähne, trinkt Blut, schläft in einem Sarg, ist gegen Knoblauch allergisch und hat kein Spiegelbild.» Stiglegger hat dieses Jahr ein 400 Seiten starkes Buch über Horrorfilme herausgebracht und kennt quasi jeden Vampirfilm.
Graf Orlok versus Dracula
Den ersten großen deutschen Vampirfilm schuf Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau im Jahr 1922 mit «Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens». Obwohl der Film schwarz-weiß und stumm ist, ist er immer noch ziemlich furchteinflößend. Der Vampir Graf Orlok hat krallenhafte lange Finger, riesige abstehende Ohren und lange spitze Schneidezähne. Stiglegger beschreibt ihn als «rattenhaft» und «hässlich». Orlok bringt Unheil über die Menschen.
Ganz anders gibt sich Schauspieler Bela Lugosi als Dracula im gleichnamigen Film von Tod Browning aus dem Jahr 1931. «Für das Publikum ist er der dandyhafte Vampir, der unsterblich ist und mit seiner Verführungskraft die Opfer gefügig macht und von deren Blut lebt.» Er habe etwas Reizvolles. «Während dieses monströs rattenhafte Wesen aus Nosferatu etwas Beängstigendes hat, bei dem die Unsterblichkeit auch ein Fluch ist», so der Professor für Filmwissenschaften.
Allein an diesen zwei Exemplaren zeigt sich, was die Figur des Vampirs für Filmemacher so attraktiv macht. «Der Vampir ist ein Bild, eine Metapher für immer neue Zusammenhänge», erklärt Stiglegger.