Mehr als vier Jahre mussten die Fans auf Cluesos neues Album warten. Was sie nun bekommen, erinnert an alte Zeiten des Sängers und Songwriters. Der Anspruch: echte Musik.
«Gib mir was Echtes»: Clueso stellt diesen Song an den Anfang seines neuen Albums - und nimmt seine Fans mit in die Tiefe. Auf der Platte geht es immer wieder um echte Momente, echte Verbindungen, um das, was in einer flüchtigen Welt bleibt. «Deja Vu 1/2» erscheint heute.
«Wenn wir in uns gehen, uns Zeit nehmen, dann finden wir Bilder, die verschüttet sind zwischen all den digitalen», sagt der Musiker, der mit bürgerlichem Namen Thomas Hübner heißt, der Deutschen Presse-Agentur. «Die kleinen Dinge sind oft im Nachgang schön und manche übersieht man auch einfach in diesem ICE, in dem man fährt.»
Seit mehr als 20 Jahren ist Clueso («Chicago», «Gewinner») eine Konstante im deutschen Musikgeschäft. Es ist sein zehntes Album - und mit dem hat er sich Zeit gelassen. Seine letzte Platte mit dem schlichten Titel «Album» erschien 2021. In der Zwischenzeit füllte er trotzdem Halle um Halle mit seinen Konzerten, war Jury-Mitglied in der Castingshow «The Voice Kids» bei Sat.1 und machte mit bei «Sing meinen Song - Das Tauschkonzert» (Vox).
Waldbühnen-Konzert als Schlüsselmoment
Das Album steht am Ende eines Findungsprozesses. «Es kommen manchmal so Ängste, dass man denkt, man wird überrannt, überholt, es gibt so viele Kunstformen, so viele Künstler - wo finde ich meinen Platz, ist das hier mein Platz?», sagt Clueso der dpa. Ein Schlüsselmoment sei sein lange erträumtes Konzert auf der Berliner Waldbühne im Sommer 2024 gewesen.
«Auf einmal stand ich da, und da waren 22.000 Leute. Und ich habe in die Gesichter geschaut, die Männer schon mit ein paar grauen Haaren im Bart, und die Kids waren dabei - ich hab' das Publikum gesehen, das mitgewachsen ist», erzählt der Musiker und Produzent. «Das waren 22.000 Leute, die gekommen sind, ohne, dass ich ein Album hatte. Sie waren da wegen alten Bildern, die ich gemalt hatte. Das hat mich so bestärkt: Ich muss einfach meine Bilder malen. Ich muss ins Studio und scheiß auf alles.»
Das, was er beim Waldbühnen-Konzert gespürt habe, sei eine andere Art von Erfolg gewesen. «Früher wollte ich einfach gesehen werden, ich wollte raus, ich wollte mitspielen in dem Business, ich wollte mich da irgendwie durchbeißen und erkannt werden und eine Rolle spielen», erzählt Clueso. «Heute weiß ich: Ich bin super bekannt für das, was ich mache und gemacht habe.» Klingt nach angekommen sein - und ein bisschen Altersweisheit.
«Ich hatte einfach Bock, diese Mucke zu machen - meine Mucke. Und es hat mir so viel Seelenheil gegeben», erzählt Clueso. «Man muss sein eigenes Ding machen. Das habe ich zwar schon immer gemacht, aber beim Machen habe ich's noch nie so vor Augen gehabt die ganze Zeit wie dieses Mal.»