Auch das Auswärtige Amt hat die Reise- und Sicherheitshinweise für Mexiko erhöht. Auf der Website schreiben sie von "Einsätzen der mexikanischen Sicherheitskräfte im Bundesstaat Jalisco" und darauf folgenden "Unruhen, Straßensperren und Brandstiftungen" in verschiedenen Teilen des Landes.
Das Auswärtige Amt empfiehlt dringend, über die Lage informiert zu bleiben und sich an einem sicheren Ort aufzuhalten. Menschenansammlungen und Örtlichkeiten, an denen Polizeieinsätze stattfinden, sollten von Reisenden gemieden werden. Außerdem sollen Touristen "Kontakt zu Familienangehörigen" halten und diesen den eigenen Standort mitteilen. Bei Straßensperren solle man nicht versuchen, sich zu widersetzen oder zu flüchten. In Notfällen solle man zudem die Notrufnummer 911 wählen. Von Reisen in die folgenden Regionen wird vom Auswärtigen Amt "dringend abgeraten":
- Bundesstaat Colima, mit Ausnahme von Manzanillo bei Anreise per Schiff oder Flugzeug
- Bundesstaat Guerrero, mit Ausnahme von Ixtapa-Zihuatanejo bei Anreise per Flugzeug und der Stadt Taxco, sofern An- und Abreise bei Tag erfolgt
- Bundesstaat Michoacán, insbesondere die Gebiete westlich der Landeshauptstadt Morelia
- Bundesstaat Sinaloa, mit Ausnahme von Los Mochis/Bahnstrecke des „El Chepe“, bei direkter An- und Abreise per Flugzeug
- Bundesstaat Tamaulipas, nördlich von Ciudad Victoria
- Bundesstaat Zacatecas
- Grenzregion zu den USA für über das erforderliche Minimum für Ein- und Ausreise hinausgehende Aufenthalte
Militäreinsatz in Mexiko - USA unterstützten mit Geheimdienstinformationen
Bei dem Militäreinsatz am Sonntag gegen "El Mencho" - der Spitzname soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein - kamen nach Angaben des mexikanischen Verteidigungsministeriums in Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco sieben Bandenmitglieder ums Leben, darunter der Drogenboss selbst. Er erlag seinen Verletzungen, als er nach Mexiko-Stadt geflogen wurde.
Die USA hatten die mexikanische Regierung bei der Operation mit Geheimdienstinformationen unterstützt, wie Karoline Leavitt, die Sprecherin von Präsident Donald Trump, in einem Post auf X schrieb. ""El Mencho" war als einer der größten Fentanyl-Schmuggler in unser Land ein Hauptziel der mexikanischen und der US-amerikanischen Regierung", erklärte sie darin.
Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Mio. Euro) auf "El Mencho" ausgesetzt. Im Unterschied zur mexikanischen Regierung sprach Leavitt in ihrem Post aus der Nacht davon, dass neben dem Drogenboss lediglich drei weitere Kartellmitglieder gestorben seien. Drei seien verletzt und zwei festgenommen worden.
Botschaften rufen ihre Staatsbürger zu äußerster Vorsicht auf
Von den gewalttätigen Protesten nach dem Tod des Drogenbosses sollen etwa 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen sein, darunter Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, berichteten mexikanische Medien. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben, eine offizielle Zahl gab es dazu zunächst nicht. Auch Feriendomizile wie der ebenfalls in Jalisco gelegene Küstenort Puerto Vallarta blieben nicht verschont. Fotos zeigten etwa große schwarze Rauchwolken zwischen Gebäuden in Puerto Vallarta direkt hinter dem Strand aufsteigen. In ihrem Post schrieb Präsidentin Sheinbaum allerdings: "In den meisten Teilen des Landes laufen die Aktivitäten ganz normal weiter."
Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch mehrere Botschaften, darunter die deutsche, appellierten an ihre Staatsbürger, extrem vorsichtig zu sein. Die kanadische Botschaft erwähnte in einem Post explizit die Lage in Puerto Vallarta. Aus Sicherheitsgründen strichen oder leiteten Fluggesellschaften Flüge um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta. Im Internet kursierten Videos von gestrandeten Touristen an Flughäfen. Von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa hieß es indes, bei ihr gebe es mit Blick auf die Unruhen in Mexiko keine Auswirkungen. Flüge nach München und Frankfurt fänden planmäßig statt.
Zur Frage, inwiefern Touristen aus Deutschland von den Unruhen in Mexiko betroffen sein könnten, kam auch vom Deutschen Reiseverband erst einmal Entwarnung. Man habe keine Kenntnis darüber, dass sich in den betroffenen Regionen Gäste von deutschen Reiseveranstaltern aufhalten. Diese reisten vornehmlich auf die Halbinsel Yucatán (Cancún), die an der Karibikseite liegt. Puerto Vallarta befindet sich dagegen an der Pazifikküste.
Schulen ausgefallen - Austragungsort der Fußball-WM 2026 betroffen
Zu Zwischenfällen kam es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist. Mexiko richtet das Turnier ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada aus.
Im Bundesstaat Michoacán sollte der Unterricht in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen am Montag ausfallen, wie Gouverneur Alfredo Ramírez ankündigte.
Nicht einmal nach der Festnahme des berüchtigten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán, des Anführers des Sinaloa-Kartells, im Jahr 2016 war es in Mexiko zu ähnlichen Gewaltvorfällen gekommen. "El Chapo" verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in den USA.