Deutschland wirbt für Erweiterung seines Unesco-Welterbes

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Waldsiedlung Zehlendorf
Die bunte Waldsiedlung Zehlendorf könnte schon bald zum Unesco-Welterbe gehören.
Waldsiedlung Zehlendorf
Sebastian Gollnow/dpa
Vor dem 80. Jahrestag des D-Day
Zum 80. Jahrestag des D-Day wurden 2024 Kriegsszenen am Utah Beach in der Normandie nachgespielt. (Archivbild)
Vor dem 80. Jahrestag des D-Day
Laurent Cipriani/AP/dpa

Gehören die D-Day-Landungsstrände in der Normandie künftig zum Welterbe? Im südkoreanischen Busan wird über die begehrten Titel entschieden. Deutschland hat die «Papageiensiedlung» nominiert.

Bei der knapp zweiwöchigen Sitzung des Unesco-Welterbekomitees werden seit heute Neueinträge auf der Liste der Kultur- und Naturerbestätten geprüft. Noch bis zum 29. Juli tagt das Gremium in der südkoreanischen Küstenstadt Busan und vergibt die begehrten Titel. Aus Deutschland geht die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten Berlins ins Rennen. Dabei handelt es sich nicht um einen eigenständigen Eintrag, sondern um die Erweiterung der bereits bestehenden Welterbestätte «Siedlungen der Berliner Moderne». 

«Die Siedlungen der Berliner Moderne sind herausragende Objekte der Stadtentwicklung und ein städtebaulicher und kultureller Schatz mit internationaler Strahlkraft», meint Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD). Die Waldsiedlung Zehlendorf sei weltweit wegweisend für die Umsetzung des sozialen Wohnungsbaus. Der vor rund hundert Jahren errichteten Bauhaus-Siedlung - im Volksmund auch «Papageiensiedlung» genannt - werden gute Chancen auf Anerkennung durch die Unesco eingeräumt. 

Sechs Siedlungen der sogenannten Berliner Moderne sind bereits seit 2008 Welterbe, darunter die im Volksmund als Hufeisensiedlung bezeichnete Großsiedlung Britz in Neukölln sowie die Großsiedlung Siemensstadt. Eine Besonderheit der Waldsiedlung Zehlendorf ist, dass sie nicht nur gut erhalten ist, sondern in ihrer Fläche die größte aller Siedlungen der Berliner Moderne. Teil der Waldsiedlung ist auch die Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte - das revolutionäre Konzept, ein Einkaufszentrum direkt an einen Bahnhof anzubinden, war damals weltweit einmalig.

Schauplätze des Zweiten Weltkriegs auf dem Prüfstand

Zu den mehr als 30 neuen Bewerbungen gehört auch der Versuch Frankreichs, die D-Day-Landungsstrände in der Normandie als Unesco-Welterbestätte anerkennen zu lassen. Am 6. Juni 1944 landeten dort Soldaten der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs. Die Nominierung umfasst die fünf historischen Landungsstrände Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach sowie weitere mit der alliierten Landung verbundene Erinnerungsorte. 

Der D-Day markierte den Auftakt der Befreiung Europas von den Verheerungen des deutschen Nationalsozialismus von Westen her. Zur Streitmacht der Alliierten gehörten damals vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen. Etwa 3.100 Landungsboote mit mehr als 150.000 Soldaten machten sich auf den Weg nach Nordfrankreich. Tausende von ihnen starben.

53 Welterbestätten gelten als gefährdet

Ein zentrales Thema der Tagung ist auch, wie man den Erhalt der Welterbestätten nachhaltig sichern kann. Derzeit werden 53 davon als gefährdet eingestuft. Neben kriegerischen Konflikten werden Welterbestätten zunehmend auch durch die Folgen des Klimawandels bedroht. Aber auch Bauarbeiten und Naturkatastrophen gefährden ihren Erhalt. Von den 52 Kulturerbestätten und 3 Naturerbestätten in Deutschland gilt keine als unmittelbar gefährdet. 

Zu den 1248 registrierten Kultur- und Naturstätten in 170 Ländern zählen unter anderem die Pyramiden von Gizeh in Ägypten, das australische Great Barrier Reef und die Inka-Stadt Machu Picchu in Peru. Über den Antrag zur Anerkennung der Waldsiedlung Zehlendorf wird voraussichtlich am 27. Juli entschieden.