Das Drama «In die Sonne schauen» handelt von vier jungen Frauen, die in unterschiedlichen Epochen auf einem Bauernhof in der Altmark leben. Es geht um Themen wie häusliche Gewalt, verdrängte Sehnsüchte und vererbte Traumata. Bei den Filmfestspielen in Cannes holte der von Kritikern gepriesene Film im Mai den Preis der Jury. German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, wählte das Drama dann im August als deutschen Beitrag für die 98. Oscar-Verleihung aus.
Internationale Konkurrenz
Neben Deutschland sind unter anderem Filme aus Südkorea («No Other Choice»), Tunesien («The Voice of Hind Rajab») und Argentinien («Belén») auf der Shortlist vertreten. Frankreich schaffte es mit «Ein einfacher Unfall» des iranischen Regisseurs Jafar Panahi in die Vorauswahl, Norwegen mit dem Familiendrama «Sentimental Value», Spanien mit dem Roadmovie «Sirât» und Brasilien mit dem Thriller «The Secret Agent».
Die Schweiz ist mit dem Krankenhausdrama «Heldin» mit der deutschen Hauptdarstellerin Leonie Benesch auf der Shortlist. Sie spielt unter der Regie von Petra Volpe eine überlastete Pflegefachfrau.
Im vorigen Dezember hatte es der Politthriller «Die Saat des heiligen Feigenbaums» des Iraners Mohammad Rasoulof als deutscher Vertreter auf die Shortlist und dann auch ins Oscar-Finale geschafft. Die Trophäe als bester internationaler Film ging am Ende an das brasilianische Drama «Für immer hier» von Walter Salles.
Chancen für Kameraleute deutscher Produktionen
«In die Sonne schauen» schaffte es in der Vorauswahl dank der Kameraarbeit des Schweizers Fabian Gamper auch auf die Liste der 16 Kandidaten in der Sparte «Beste Kamera». In dieser Kategorie ist auch der Film «Ballad of a Small Player» von Regisseur Edward Berger aufgelistet - für die Kameraarbeit von James Friend. Der britische Kameramann hatte 2023 den Oscar für seine Mitarbeit an Bergers Kriegsfilm «Im Westen nichts Neues» gewonnen.
Kommt ein fünfter Auslands-Oscar dazu?
In den vergangenen Jahren lief es vergleichsweise gut für den deutschen Film in Hollywood. 2023 holte die Literaturverfilmung «Im Westen nichts Neues» des gebürtigen Wolfsburgers Berger nicht nur den Oscar als bester internationaler Film, sondern auch noch drei weitere Preise für Kamera, Szenenbild und Filmmusik.
Insgesamt gewannen vier deutsche Produktionen in der Oscar-Geschichte den Preis für den besten internationalen Film. Vor «Im Westen nichts Neues» war das zuletzt 2007 Florian Henckel von Donnersmarck mit dem Stasi-Drama «Das Leben der Anderen» gelungen. 2003 hatte «Nirgendwo in Afrika» von Caroline Link diesen Preis erhalten, 1980 die Romanverfilmung «Die Blechtrommel» von Volker Schlöndorff.