Mehrmals wurde der Start verschoben. Nun läuft das Biopic über Michael Jackson in den Kinos. Die Missbrauchsvorwürfe gegen den Popstar spart der Film allerdings aus. Was er stattdessen zeigt.
Er gehört zu den größten Musikstars aller Zeiten, sein Vermächtnis wird überschattet: Michael Jackson (1958-2009) war der «King of Pop», eines dieser Phänomene, die größer kaum sein konnten. Fast zwei Jahrzehnte nach seinem Tod erscheint nun ein Film über sein Leben - mit seinem Neffen Jaafar in der Hauptrolle. Doch das Biopic «Michael», das von Jacksons Nachlass unterstützt wird, wirft auch Fragen auf. Was man zum Kinostart wissen muss.
Worum geht es im Film?
Der von vielen Fans heiß ersehnte Film, dessen Start mehrfach verschoben wurde, erzählt von der Kindheit Jacksons bis zur «Bad»-Tour in den 1980er Jahren. Es ist ein klassisch gehaltenes Biopic mit vielen Musik- und Tanzsequenzen. 1958 im US-Bundesstaat Indiana geboren, ist der junge Michael (Juliano Krue Valdi) als Kind zunächst Teil der «Jackson Five», gemeinsam mit seinen Brüdern Jackie, Tito, Jermaine und Marlon.
«Michael» zeigt, wie der gnadenlose und auf die Karriere fixierte Vater Joseph Jackson, beeindruckend gespielt von Colman Domingo, seine Söhne um jeden Preis berühmt machen will. Michael flüchtet sich in Peter Pans Fantasiewelt «Neverland». So hieß auch später seine Ranch, der Ort, an dem Jackson sich selbst für seine verlorene Kindheit entschädigte.
Generell spielt das bekanntermaßen schwierige Verhältnis zu seinem Vater in den rund zwei Stunden Filmlänge eine wichtige Rolle. Zum Beispiel, als der ältere Michael (Jaafar Jackson) seinen Anwalt John Branca (Miles Teller) beauftragt, seinen Vater als Manager zu kündigen, weil er sich davor fürchtet. Auch einen schweren Unfall bei dem Dreh eines Pepsi-Werbespots im Jahr 1984 greift der Film auf. Damals setzte die Pyrotechnik sein Haar in Brand, wodurch Jackson schwere Verbrennungen am Kopf erlitt.
Was wird nicht gezeigt - und wieso?
Da das Biopic von Antoine Fuqua («Training Day») mit der Tour zum 1987 erschienenen Album «Bad» endet, spart es zentrale Episoden aus dem Leben des Popstars aus. Allen voran die Missbrauchsvorwürfe gegen den Sänger, die später an seinem Image kratzten, und die erst Jahre nach «Bad» öffentlich erhoben wurden. Beschuldigungen eines Teenagers wegen sexueller Übergriffe führten 2005 zu einem «Jahrhundertprozess», der mit einem für Jackson triumphalen Freispruch in allen Anklagepunkten endete.
Wie sich die Anschuldigungen auf Jacksons Leben ausgewirkt haben, sollte laut amerikanischen Medienberichten zunächst auch im Film auftauchen. Doch wegen einer rechtlichen Klausel in einer Vereinbarung, die erst nach den Dreharbeiten entdeckt worden sei, hätten die Szenen gestrichen werden müssen. Diese habe untersagt, einen der Kläger in einem Film darzustellen oder zu erwähnen.
Gegenüber dem «New York Times Magazine» bestätige ein Sprecher der Filmproduktionsfirma Lionsgate, dass umfangreiches Filmmaterial verworfen werden musste. Die «ungewöhnlichen Umstände» hätten die Gelegenheit geboten, «mehr Material für das zu drehen, was eigentlich Teil 1 ist – die Entstehung eines Königs –, während wir uns gleichzeitig die Möglichkeit offenhielten, die Geschichte in einem oder mehreren Folgefilmen weiterzuerzählen».