Sie coverte einst «I Dreamed Of A Hillbilly Heaven», den von Tex Ritter komponierten Song über die im Himmel versammelten Stars der Country Music. Jetzt ist auch Dolly Parton im Chor der Engel.
Dolly Parton, die ungekrönte Königin der Country Music, ist tot. Sie sei im Alter von 80 Jahren in Nashville (US-Bundesstaat Tennessee) gestorben, bestätigte ihr Management der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag (Ortszeit). In einem Video auf ihrer Instagram-Seite teilte die Familie mit: «Die Traurigkeit ist mit uns, aber nicht mit Dolly. Sie hat ihr Leben gelebt.» Über die Todesursache war zunächst nichts bekannt.
Parton gehörte zur Generation der Stars, die - ähnlich wie der US-amerikanische Country-Sänger, Gitarrist und Songwriter Willie Nelson - bis ins Alter unermüdlich auf der Bühne standen. Über Jahrzehnte prägte sie die Country Music. Ihre Karriere war beispiellos.
Aufgewachsen ist Parton in Armut, mit elf Geschwistern in einer Ein-Raum-Hütte an der Ostgrenze von Tennessee. Das spricht zunächst nicht gerade für eine große Zukunft. Doch die Musik brachte die Kinder nach vorne, allen voran Dolly, die es zu Weltruhm brachte.
«Wir waren arm wie Dreck»
Trotz des Sprungs nach oben hat sie ihre Herkunft nie vergessen. «Wir waren arm wie Dreck», erzählte sie immer wieder. Eine Hommage an ihre Kindheit kam mit dem Song «Coat of Many Colors», in dem sie sich an einen von ihrer Mutter aus vielen Stoffresten genähten Mantel erinnerte. Der Hit wurde dann auch 2015 als Dolly-Biografie verfilmt.
Schon mit 13 nahm die Sängerin und Songwriterin ihre erste Platte auf und trat sogar in Nashville, der Welthauptstadt der Countrymusik, auf. Doch so ganz überzeugt war sie noch nicht. Aber ein Herr mit Gitarre empfahl ihr, einfach ihrem Herzen zu folgen und Musik zu machen. Es war Johnny Cash. Also sang sie, am liebsten von ihrem Zuhause. Von der «Guten alten Zeit, als es uns schlecht ging».
Erster großer Erfolg mit «Dumb Blonde»
Nach dem Schulabschluss zog sie nach Nashville, wo sie Country-Star Porter Wagoner unter seine Fittiche nahm. Der erste große Erfolg stellte sich nach ihrem 21. Geburtstag mit dem Album «Hello, I'm Dolly» ein. Der erste Titel «Dumb Blonde» (Dumme Blondine) war dann wegweisend. Denn genau mit diesem Image feierte sie Jahrzehnte lang Erfolge - das blonde, üppige Mädchen in Jeans und Flanellhemd, mit der Gitarre in der Hand. Die Kritik an dem Image störte sie nie: «Ich weiß ja selbst am besten, dass ich nicht dumm bin. Und nicht blond.» Die Mähne war eines ihrer Markenzeichen.
Einem Chirurgen vertraute sie sich schon an, als Brustoperationen noch etwas Besonderes waren. «Ich kannte Dolly schon, als sie noch flachbrüstig war», sagte ihr Manager Lee Solters einmal. Parton stand zu ihren Operationen: «Warum soll ich aussehen wie ein alter Hofhund, wenn ich nicht muss?» Bei ihrem Publikum bedankte sie sich immer wieder für das Geld, das die Fans für Konzertkarten ausgeben mussten: «Es kostet schließlich viel Geld, so billig auszusehen.»