Das Bayreuther Opern-Repertoire ist ziemlich begrenzt. Zur Feier des 150. Festspiel-Jubiläums wird es erweitert - und zwar um Wagners Frühwerk «Rienzi». Ausgerechnet.
«In jener Stunde begann es...», soll Adolf Hitler gesagt haben, nachdem er als Teenager in Linz Richard Wagners Oper «Rienzi» gesehen hatte. So schreibt es sein Jugendfreund und damalige Begleiter August Kubizek in seinem Buch. Seither gilt Wagners Frühwerk als wichtige Inspirationsquelle für den späteren Diktator.
Und jetzt feiern die Bayreuther Festspiele, wo Hitler einst ein und aus ging, damit ihr großes Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen. Dafür war sogar ein Beschluss im Stiftungsrat nötig, denn eigentlich wollte Wagner selbst seine 1842 uraufgeführte frühe Oper, die er «Ungethüm» und «Schreihals» nannte, nicht im Festspiel-Repertoire wissen.
«Uns war von Anfang an klar, dass dies eine sehr besondere Aufgabe ist, der wir uns mit großer Verantwortung stellen», sagt die Regisseurin Alexandra Szemerédy, die das Werk nun gemeinsam mit ihrer Kollegin Magdolna Parditka in Bayreuth auf die Bühne bringt, im Interview der Deutschen Presse-Agentur.
War «Rienzi» wirklich Hitlers Lieblingsoper?
«Rienzi» wird oft als Hitlers Lieblingsoper bezeichnet. Und auch, wenn es dafür keine Quelle gibt, wie der Direktor des Richard Wagner Museums, Sven Friedrich, betont, hatte die Oper «zweifellos» eine Bedeutung für Hitler, wie er im dpa-Interview sagt. «Die Ouvertüre eröffnete ja stets die Reichsparteitage, aber das gilt ja für Wagners Wirkung auf Hitler allgemein, sodass man kaum von einer herausgehobenen Stellung des "Rienzi" sprechen kann.»
«Ich denke, wenn man "Rienzi" ins Programm nimmt - insbesondere zum 150. Jubiläum und noch dazu zum ersten Mal überhaupt -, dann setzt man ein Zeichen», sagt Regisseurin Szemerédy. «Das bedeutet, dass man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Es ist sehr wichtig, dass man diese Stücke nicht vergisst oder verdrängt. "Rienzi" ist Wagners politischstes Werk und genau das Werk, das Hitler so stark inspiriert hat.»
«Cosima Wagner, dann Katharina Wagner - und jetzt wir»
Die Bayreuther Premiere an diesem Sonntag (26. Juli) - nach einer Gedenkveranstaltung für während des Nationalsozialismus verfolgte jüdische Musiker - ist eine in mehrfacher Hinsicht: Zum ersten Mal überhaupt wird «Rienzi» auf dem Grünen Hügel aufgeführt - und zum ersten Mal überhaupt in der Festspielgeschichte führen dort Frauen Regie, die nicht Wagner mit Nachnamen heißen. Außer Cosima Wagner und ihrer Urenkelin Katharina Wagner haben bislang nur Männer bei den Bayreuther Festspielen inszeniert. «Cosima Wagner, dann Katharina Wagner - und jetzt wir», sagt Regisseurin Parditka.
«Rienzi» ist Wagners dritte Oper und war einst sein größter Erfolg. Sie erzählt von Aufstieg und Fall des römischen Volkstribuns Cola di Rienzo, der die Macht der herrschenden Klasse brechen will - und dann am eigenen Größenwahn zugrunde geht.