Als Weihnachtsgeschenke sind Spielzeug und Kosmetik besonders beliebt. Jedoch stecken in vielen Produkten hormonelle Schadstoffe, die sich auf die Gesundheit auswirken können. Der Bund Naturschutz hat deshalb den "ToxFox-Kosmetikcheck" entwickelt, mit dem durch einen Scan des Barcodes sofort die potenziellen Schadstoffe eines Produkts angezeigt werden. Jetzt wurde die App um eine Funktion für Kinderprodukte erweitert.

"Über eine Million Menschen nutzen die App, um hormonelle Schadstoffe in Körperpflegeprodukten zu meiden", sagt Ulrike Kallee. Sie hat als Chemieexpertin des Bunds Naturschutz den Check mit entwickelt und warnt genauso wie viele andere Experten vor Hormongiften, die mit Erkrankungen wie Krebs oder mit Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht werden.

Der Mensch nehme sie über die Nahrung oder die Haut auf. "Oft ist es nicht das einzelne Produkt, das krank macht, aber die Belastung durch eine Vielzahl von Quellen", heißt es beim Bund Naturschutz.


Immer wieder negative Analysen

Laut RAPEX, dem Schnellwarnsystem der EU, steht Spielzeug ganz oben auf der Liste gefährlicher Produkte. Das bestätigen Untersuchungen des Bunds Naturschutz ebenso wie Öko-Test und Stiftung Warentest. Jedes Mal, wenn sie Spielzeug unter die Lupe nehmen, kommt es auch zu negativen Ergebnissen - egal, ob bei Kuscheltieren oder Holzprodukten.

"Analysen des Bunds Naturschutz ergaben, dass Kitas im Schnitt dreimal so hoch mit schädlichen Weichmachern belastet sind wie normale Haushalte", sagt Ulrike Kalle. "Wie aber erkenne ich, ob Spielzeugteppich oder Faschingskostüm Schadstoffe enthalten?". Anders als bei Kosmetika gebe es für Kinderprodukte keine konsequente Kennzeichnungspflicht.

Doch die Expertin hat auch eine gute Nachricht: Verbraucher dürfen beim Hersteller nachfragen - und der muss binnen 45 Tagen antworten. "So könnten Produkte zu Ladenhütern werden und Hersteller begreifen, dass die Kunden sich schadstofffreie Produkte wünschen", sagt Kalle. Da eine solche Anfrage zeitaufwändig ist und die Antworten der Hersteller zu lange auf sich warten lassen, um im Alltag hilfreich zu sein, habe der Bund die ToxFox-App um die "Giftfrage" erweitert.


Datenbank für Kinderprodukte

Sie sei eine Verbraucheranfrage beim Hersteller nach besonders Besorgnis erregenden Stoffen in dessen Produkt. Darunter fielen Chemikalien, die Krebs erregen können, die Fortpflanzung schädigen oder problematisch für die Umwelt sind. Rechtlich gesehen handele es sich laut Bund Naturschutz um eine Anfrage nach Artikel 33.2 der europäischen Chemikalienverordnung "Reach".

Mit der erweiterten App könnten Verbraucher deshalb jetzt Kinderprodukte scannen, die Giftfrage abschicken, Info erhalten. Die Antwort lande beim Absender und in der neuen ToxFox-Datenbank, wo sie für alle Interessenten sofort sichtbar ist. "Je mehr Menschen von ihrem Auskunftsrecht Gebrauch machen, desto schneller tragen wir Schadstoff-Infos über Kinderprodukte zusammen und können eine Datenbank aufbauen", sagt Kallee.

Der ToxFox sei optimiert für Kosmetik und Kinderspielzeug, andere Produktgruppen sollen folgen. Die App funktioniere für alle Hersteller und Produkte, die einen Strichcode des internationalen Standards "GS1" haben. Einige Anbieter wie Aldi oder Ikea nutzen laut Bund ein eigenes Strichcode-System, weshalb für diese Produkte keine Giftfrage gestellt werden könne. Übrigens: Das Auskunftsrecht gilt für fast alle Alltagsprodukte.


Tipps: So vermeiden Sie Schadstoffe beim Einkauf

ToxFox Die ToxFox-App des Bunds Naturschutz kann man unter www.bund.net/themen/chemie/toxfox/herunterladen. Um Kosmetik zu checken, scannt man den Barcode und bekommt hormonelle Schadstoffe angezeigt. Der ToxFox gibt Auskunft über mehr als 80 000 Körperpflegeprodukte. Der Check ist auch ohne Smartphone direkt auf der Internetseite durch Eingabe der Artikelnummer möglich.

Giftfrage Wenn Kinderprodukte mit der ToxFox-App gescannt werden und noch keine Infos für den Artikel hinterlegt sind, können Nutzer die "Giftfrage" an der Hersteller schicken. Dessen Antwort (Frist: 45 Tage) fließt in die Datenbank ein und steht bei der nächsten Anfrage sofort zur Verfügung.

Kosmetik-Check Auch mit der kostenlosen App von haut.de kann man gleich beim Einkauf kontrollieren, welche Stoffe in Kosmetik stecken. Sie erläutert Anwendungsbereiche von mehr als 20 000 Inhaltsstoffen. Hinter der Seite stehen unter anderem der Deutsche Allergie- und Asthmabund.

Spielzeugkauf Die gesetzlichen Regelungen rund um Spielzeug sind nicht so streng, wie man es erwarten würde. Die Verbraucherzentrale spricht von "Mindestanforderungen" (Flyer zum Download).Beim Einkauf sollte man auf das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit achten. Was stark riecht, bleibt besser im Laden. Weniger, dafür qualitativ hochwertiges oder gebrauchtes Spielzeug kaufen. Hinter Kennzeichnungen wie "antimikrobiell" oder "schmutzabweisend" verbergen sich oft Schadstoffe.


Codechecker

Ein weiteres Internetportal für Verbraucher ist "codecheck.info". Das Produkthandbuch stellt kostenlose Informationen zu Millionen Produkten zur Verfügung. Das Prinzip ist ganz einfach: Man scannt den Barcode eines beliebigen Produkts über das Smartphone oder sucht manuell nach einem Produkt, um Sekunden später Produktinformationen zu Inhaltsstoffen bzw. Nährstoffen, Hersteller, Labels und mehr zu erhalten.

Das Portal möchte nach eigenen Angaben kritischen Konsumenten bei der Kaufentscheidung helfen und liefert dazu nicht nur Herstellerangaben, sondern Inhaltsstoffbewertungen basierend auf renommierten Datenquellen wie der Verbraucherzentrale oder dem California Department of Public Health. Für Spezialbewertungen arbeitet der Codecheker unter anderem mit Greenpeace oder dem BUND zusammen. Auf Grundlage der detaillierten Produktinformationen und Empfehlungen, sowie den Vor- und Nachteilen der Codecheck-Community können die Nutzer einzelne Produkte vergleichen und sich für das nach gesundheitlichen sowie ökologischen Gesichtspunkten beste entscheiden.