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Virologe Streeck bei Markus Lanz: Corona-Infektionszahlen seien nur bedingt aussagekräftig

Anfang Oktober war der Bonner Virologe Hendrik Streeck zu Gast im ZDF bei Markus Lanz. Laut Streeck seien die Corona-Infektionszahlen nur bedingt aussagekräftig. Eine Corona-Maßnahme halte er für "überhaupt nicht sinnvoll".
 
Direktor des Instituts Virologie der Uniklinik Bonn
Sieht Mundschutz-Masken kritisch: Professor Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik in Bonn. Foto: Federico Gambarini (dpa)

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck war am 01. Oktober 2020 im ZDF bei Markus Lanz zu Gast. Der Virologe ist bekannt dafür, dass Coronavirus und die Lage in Deutschland entspannter zu sehen als seine Kollegen. Zu Beginn der Sendung wurde Streeck auf die Corona-Ampel angesprochen und darauf, dass diese in Berlin auf "Rot" gestellt wurde. 

Streek antwortete, dass er sich - mit Blick auf die Infektionszahlen in Berlin - gut vorstellen könne, dass viele Städte bald einen Inzidenzwert von 35 haben werden, also der Wert ansteige. Das liege allerdings in der Natur der Sache des Virus und nicht am Party-Volk in Berlin-Mitte, so Streeck. Da auch nur ein kleiner Prozentsatz eine stationäre Behandlung benötige, seien die Infektionszahlen nur bedingt aussagekräftig. 

Streeck: Virologe spricht sich für Lockerungen aus

Lanz erwiderte darauf, dass in der öffentlichen Debatte ja ein "bedrohlicher Sound" zu hören sei. Viele sprechen schon nicht mehr von einer zweiten, sondern gar von einer dritten Welle. Der Virologe erklärte daraufhin, dass man in Deutschland aktuell eine normale Sterblichkeitsrate hätte. Bei der Hitzewelle 2018 oder der Grippewelle 2017 seien deutlich mehr Menschen gestorben. 

Allerdings betonte Streeck, dass er das Virus nicht kleinreden möchte. Jedoch stellte er die Frage nach Ziel und Kompass, wo man denn eigentlich hinwolle. Auch auf die Frage nach einem Impfstoff und dessen Auswirkungen, antwortete Streeck gedämpft: "Auch wenn wir einen Impfstoff haben, wird das Virus weiter bei uns sein.“

Der Virologe äußerte sich auch zur Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen an der frischen Luft: "Draußen eine Maske zu tragen, das halte ich virologisch überhaupt nicht für sinnvoll“, so Streeck. Er sprach sich außerdem für Lockerungen bezüglich des Coronavirus aus, vorausgesetzt es gäbe ein gutes Hygienekonzept.

Eindämmung des Virus als Lernprozess: Politik muss Lösungen finden

Man bräuchte diese Hygienekonzepte zum Beispiel bei Konzerten, Fußball und in der Reisebranche, um zu sehen, ob es funktionieren könne, sagte er. Man gehe durch einen Lernprozess und da sei es wichtig und richtig, dass man Fehler macht, erklärte der Virologe. Die Politik müsse diese Fehler ermöglichen und pragmatische Lösungen finden.

Am Ende der Sendung waren die Gäste sich darüber einig, dass es bei der Eindämmung des Virus um die Eigenverantwortung der Menschen gehe und nicht um Verbote.