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Corona-Epidemie "schon halb vorbei"? Das sagen die Virologen Drosten und Kekulé

Das Coronavirus verbreitet sich weiterhin, gleichzeitig wird verstärkt getestet. Wie weit ist die Epidemie bereits fortgeschritten - und wann ist sie vorbei?
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Virologen (hier: Christian Drosten) blicken in die Zukunft: Wann ist die Corona-Krise vorbei? Foto: Michael Kappeler / dpa
Virologen (hier: Christian Drosten) blicken in die Zukunft: Wann ist die Corona-Krise vorbei? Foto: Michael Kappeler / dpa

Das Coronavirus hält die Welt in Atem: Die USA hat uns mittlerweile mit den Infektionszahlen überholt, doch auch in Deutschland steigt die Zahl kontinuierlich. Wissenschaftler und Forscher arbeiten intensiv an der Entwicklung eines Medikaments und Impfstoffes gegen das Virus. Zuletzt machte ein Medikament Hoffnung, welches das Erbgut des Coronavirus binnen 48 Stunden abtötet. 

Virologen sind derzeit zudem ein wichtiger und beliebter Ansprechpartner. Sie helfen dabei, dass Virus zu verstehen und die Gesellschaft aufzuklären. Da sich das Virus trotz ergriffener Maßnahmen - unter anderem der Ausgangsbeschränkung in Bayern, die Markus Söder Ende März bis zum 19. April 2020 verlängerte - weiter ausbreitet, kommt immer mehr die Frage auf: Wie weit ist die Epidemie bereits fortgeschritten? Und wie lange hält die Corona-Krise noch an?

Corona-Epidemie schon halb vorbei? Was Virologe Drosten dazu sagt

Christian Drosten ist Virologe und Institutsdirektor an der Charité in Berlin. Derzeit spricht er montags bis freitags in einem Podcast im NDR über neue Erkenntnisse rund um das Coronavirus. In einer aktuellen Folge wurde das Thema Antikörpertests behandelt, mit denen festgestellt werden soll, ob große Teile der Bevölkerung bereits immun sind. 

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Womöglich käme bei flächendeckenden Test raus, dass die "Hälfte der Bevölkerung schon durchinfiziert [ist], ohne es gemerkt zu haben." Daher sei vielleicht auch die Epidemie schon "halb vorbei." Dieser Hoffnung schiebt Drosten einen Riegel vor. Er erklärt, dass ein Antikörpertest lediglich Indikator - und kein Beweis dafür sei, dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 bereits vorlag. Ist das Ergebnis positiv, könne es sich ebenso um eine überstandene Infektion "mit einem der normalen Erkältungs-Coronaviren" handeln, sagt Drosten.  

Daher widerspricht er der Annahme: "Vielleicht sei die Epidemie schon vorbei, ohne dass wir es überhaupt gemerkt haben", auch klar. "Das ist leider nicht so." Ganz im Gegenteil. "Wir sind im Moment am Anfang dieser Epidemie."

Drosten schließt einjährigen Ausnahmezustand nicht aus

 Zudem erklärte er vor Kurzem in einem Interview mit Zeit Online, es sei nicht auszuschließen"dass wir gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen müssen."

Das schließt aber nicht ein, dass auch die bisher getroffenen Maßnahmen so lange anhalten. Vielmehr wird man "nachjustieren können und müssen", meint Drosten. Es sei wichtig, die Situation zu beobachten und die Lage neu einzuschätzen. "Bis zur Woche nach Ostern muss man wirklich konsequent handeln und gleichzeitig die Fallentwicklung beobachten, meint Drosten.

Wie genau das Leben während einem einjährigen Ausnahmezustand aussehen könnte, "weiß niemand". Besonders wichtig ist Drosten der "Umgang mit den Schulen", das sei das "Allerwichtigste." In die etwas fernere Zukunft blickt Christian Drosten optimistisch: Zwar seien wir das Coronavirus nicht in anderthalb Jahren los, dafür sei es dann deutlich harmloser. "Wahrscheinlich wird das so sein wie bei den anderen Coronaviren auch, die lediglich Erkältungen hervorrufen. Wir werden mit ihnen leben müssen, aber sie sind für uns dann nicht mehr so gefährlich, wenn wir den Ausbruch überstanden haben", erklärt Drosten gegenüber Zeit Online.

Kekulé: Keine Neuinfektionen mehr Ende April?

Arzt und Virologe Alexander Kekulé zeigte sich in seinem Podcast "Kekulés Corona-Kompass", der täglich auf MDR aktuell läuft, zuletzt optimistischer. "Vielleicht schaffen wir, das in sechs Wochen hinzukriegen", schätzte Kekulé, der an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg tätig ist, am 19.03.2020.

Dabei nimmt er Bezug auf die chinesische Stadt Wuhan, in der das Virus Ende vergangenen Jahres ausbrach. Nun wurden dort erstmals keine Neuinfizierten vermeldet. Für Kekulé sei dies eine "tolle Nachricht." Er begründet seinen Optimismus damit, "dass es im Prinzip möglich ist, durch die klassischen Maßnahmen, also Einreisebeschränkung, Identifizierung von Fällen, [...] Isolation von Kranken und Quarantänisierung von Kontaktpersonen" das Virus in den Griff zu bekommen. Zudem wird derzeit eine Strategie aus Südkorea, "Hammer und Tanz", in Deutschland diskutiert.

Aufgrund der Tatsache, dass bundes- und landesweit ähnliche "antiepidemische" Maßnahmen ergriffen wurden, wagt Kekulé einen optimistischen Blick in die Zukunft. Allerdings betont er, dass es nur eine "Schätzung" ist.