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Basketball

Panther jagt durch Europas Arenen

Die deutsche Schiedsrichterin Anne Panther sorgt international für Aufsehen und besticht durch ihre guten Leistungen in der Euroleague.
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Anne Panther - strenger Blick, geschultes Auge. "Wir sind darauf vorbereitet, innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Entscheidung zu fällen." Foto: Euroleague
Anne Panther - strenger Blick, geschultes Auge. "Wir sind darauf vorbereitet, innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Entscheidung zu fällen." Foto: Euroleague
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Steil bergauf ging es mit ihrer Karriere. In dieser Saison ist sie auf europäischem Topniveau angekommen. Den Männern in Deutschland läuft sie derzeit den Rang ab. Die Rede ist von Anne Panther - Basketball-Schiedsrichterin.
In Europas Topwettbewerben, der Euroleague und dem Eurocup, hat sich die 34-jährige Diplom-Kauffrau inzwischen einen Namen gemacht. Nahezu wöchentlich jettet sie auf dem Kontinent hin und her, obwohl sie im Klinikum Ludwigshafen in der Personalabteilung in Vollzeit arbeitet. "Ich muss eben vor- oder nacharbeiten. Aber ich habe das Glück, dass mein Chef selbst Triathlet war, dem Sport sehr verbunden ist und diese Leidenschaft unterstützt." Für die internationalen Partien reist sie in der Regel am Abend zuvor zum Spielort an und nimmt am Tag danach den ersten Flieger zurück, um direkt zur Arbeit zu gehen, so dass sie nur einen Tag fehlt.


In Europa unterwegs

So auch in dieser Woche, in der Panther die Partie FC Barcelona gegen Efes Istanbul leitete. Ein ordentliches Pensum, das die gebürtige Schwerinerin auf sich nimmt. Im Alter von 15 Jahren begann sie die Schiedsrichterei, um sich zum Taschengeld etwas hinzuzuverdienen. Über dieses Niveau ist die Powerfrau schon längst hinaus. In Europas Eliteliga erhält ein Unparteiischer 1300 Euro pro Spiel in der Bundesliga 500, jeweils plus Spesen und Reisekosten. Dennoch "nur" ein Hobby - wenn auch ein sehr exklusives.
In der Saison 2015/16 dribbelte sie noch selbst in der Regionalliga beim USC Heidelberg II den Ball - bis Anfang 2016. Da erhielt sie eine Nachricht, die sei tagelang nur mit einem breiten Grinsen durch die Welt gehen ließ - die Nominierung für die Olympischen Spiele in Rio. "Da habe ich aufgehört zu spielen, aus Angst mich noch zu verletzen und die Chance zu vertun."


Unbeschreibliche Eindrücke in Rio

Von Brasilien schwärmt sie auch noch Monate später: "Das waren unbeschreibliche Eindrücke, die schwer sind, in dem Moment zu verarbeiten. Das mach ich jetzt immer noch." Ein Erlebnis, von dem sie ihr ganzes Leben zehren werde. Viel habe sie in Brasilien gelernt, nicht nur als Schiedsrichterin, sondern auch über sich selbst. Ein gewisser Leistungsdruck sei vorhanden. "Doch insgesamt bildet man ein Team, das für das gleiche Ziel arbeitet, beobachtet die anderen, wie die damit umgehen. Da kann man für sich jede Menge mitnehmen."
Dass sie dort als einzige Frau auch Spiele der Männer leiten durfte, war das Sahnehäubchen auf die Wochen in Brasilien. "Man hat im Januar bei den Tests in Rio seitens der Fiba schon gesagt, dass man Frauen bei Männerspielen einsetzen will. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht darüber nachgedacht. Ich habe mich nur über die Nominierung b gefreut. Mir war es egal, welches Spiel ich dort pfeife. Jedes ist eine Auszeichnung. Dass es so kam, wie es gekommen ist, war superschön und eine mega Erfahrung." Als sie die Ansetzung ihrer ersten Partie, Litauen gegen Nigeria, mit ihrem deutschen Kollegen Robert Lottermoser gesehen hatte, war Panther total überrascht. "Das war super. Ich schätze Robert als Kollegen sehr. Er ist nicht umsonst so angesehen. Das gab mir natürlich auch eine gewisse Sicherheit und Ruhe zusätzlich."


Euroleague ein großer Schritt

Mit der Euroleague betrat Panther im Anschluss an Rio Neuland. "Das war ein neuer Schritt für mich. Klar habe ich mich über die Einladung der Euroleague gefreut, habe mir aber schon Gedanken gemacht, ob ich das schaffe", gesteht Panther, die in jedem Spiel in den beiden europäischen Topligen etwas dazulerne. "Das Spiel ist nochmal schneller, athletischer. Dann muss auch der Schiedsrichter schneller werden, die Situation zu lesen, ob man eine kleine Aktion pfeift, die vielleicht eine große Wirkung hat. Dagegen kann man andere Kontakte eher laufen lassen. Man muss dafür ein Auge entwickeln. Dazu kommen die großen Hallen, die Atmosphäre und die Spieler und Trainer, die hochkarätige Namen haben."


Tolle Karriere in fünf Jahren

"Man vergisst, dass sie erst seit fünf Jahren internationale Spiele leitet", sagt Uli Sledz, der Panther 2011 ermutigt hat, sich für die internationale Schiri-Lizenz anzumelden. Und der Schiedsrichter-Coach in der Euroleague und Bundesliga-Kommissar fügt an: "Sie hat jetzt schon mehr erreicht, als manche Schiedsrichter-Kollegen in ihrer ganzen Karriere." Dass sie in den ersten zehn Wochen der Saison für je vier Euroleague- und Eurocup-Spiele nominiert wurde, sei auch keine Selbstverständlichkeit, fügt Sledz hinzu. Dies bestätigt auch Robert Lottermoser: "Sie ist eine der talentiertesten Schiedsrichter in Europa. Sie hat sich in einer Männerdomäne durchgesetzt. Sie hat Talent, arbeitet aber auch sehr hart dafür, und sie ist sehr ehrgeizig." Als karrieresüchtig kann man sie aber auf keinen Fall bezeichnen. "Sie ist sehr geerdet", sagt Sledz.
Ein Höhepunkt war für Panther die Partie in Belgrad vor knapp 15 000 Fans in der Kombank-Arena gegen Mailand. Im eher männerorientierten Serbien sorgte schon das Auftreten einer Schiedsrichterin für Aufsehen. Als Panther mit einer guten Leistung bestach, waren tags darauf die Zeitungen voll des Lobes.
"Das ist klar das Phänomen Frau. Das ist zwiespältig: Klar freut man sich, wenn die Leistung anerkannt wird. Wäre ich ein Mann, würde keiner darüber reden. Das ist halt so, das kenne ich schon lange genug. Für mich steht im Vordergrund, dass meine Leistung passt. Was medial passiert, ist nicht mein Thema", sagt die 34-Jährige trocken.


Aushängeschild der Euroleague

Lottermoser, der erst in vor Kurzem in der lautesten Arena Europas das Match gegen Fenerbahce Istanbul geleitet hat, bestätigt dies: "Die Euroleague hat mit ihr schon ein kleines Aushängeschild. Meines Wissens ist sie in den vergangenen zehn Jahren die einzige Frau, die bei den Männern pfeift." Der Profi begrüßt es sehr, dass seine geschätzte Kollegin international für Aufsehen sorgt. "Das ist nicht nur gut fürs deutsche Schiedsrichterwesen, sondern auch für den deutschen Basketball, wenn man Deutschland international auf höchster Ebene vertritt."
Über den Aspekt Akzeptanz denkt Panther nicht mehr nach. "Klar werde ich immer wieder darauf angesprochen. Doch für uns in Deutschland ist das kein Thema mehr. Da wird nur geguckt: Das ist ein Schiedsrichter und der muss die Qualität bringen." International habe man schon mal geguckt, aber inzwischen gebe es auch kein Distanzproblem mit Spielern oder Trainern mehr. "Viele waren schon in Deutschland aktiv. Daher kennt man sich. Auch in Rio bei den Männerspielen gab es keine Probleme. Die haben die gleichen Erwartungen an mich, wie an meine männlichen Kollegen. Und wenn ich die nicht erfülle, werde ich genauso kritisiert Da kann ich wirklich - Gott sei Dank - keine Unterschiede ausmachen."


Akzeptiert

In der Bundesliga ist Panther voll akzeptiert, selbst von "schwierigen" Coaches wie Andrea Trinchieri. "Das nehme ich auch so wahr", sagt die Schiedsrichterin .
Und warum ist sie in Europa mit Abstand die beste Frau an der Pfeife? "Weil sie bis ins Detail arbeitet. Jede Kritik nimmt sie auf, und sie gibt sich mit nichts zufrieden", sagt ihr Mentor Sledz. Wie sieht Detailarbeit bei Anne Panther aus? "In der Euroleague wird das Spiel hinterher mit dem Schiedsrichtercoach besprochen. In der Bundesliga analysiere ich mit meinem Mentor die Spiele, schaue mir Szenen an, warum es in bestimmten Situationen zu Konflikten gekommen ist, und was ich mit meiner Ausstrahlung und Körpersprache machen kann. Man erkennt im Video, ob ein Schiedsrichter mit seinem Pfiff zufrieden ist oder nicht."


Gedanken über Profilaufbahn

Steht bei so großer Professionalität nicht der nächste Schritt, die Schiedsrichter-Profilaufbahn, wie es Lottermoser getan hat, zur Debatte? "Natürlich denkt man darüber nach. Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Robert ist in dem, was er macht, auf einem sehr, sehr hohen Level. Das muss man auch sein, um das auf der Ebene machen zu können. Ich bin gerade erst im ersten Jahr in der Euroleague, da wäre das sehr leichtsinnig auf eine Profilaufbahn zu setzen, weil eben sehr viele Faktoren hineinspielen. Was ist, wenn ich mich verletze oder krank bin, dann bin ich ohne Einkommen. Da geht die Vernunft doch vor." So wird die Powerfrau auch in Zukunft weiter zur Arbeit gehen. Unter der Woche jagt Panther aber durch die Basketball-Arenen Europas.


Zur Person

Geboren 18. Juni 1982 in Rostock

Familienstand ledig, liiert mit einem Schiedsrichter-Kollegen

Beruf Diplom-Kauffrau, Personalabteilung im Klinikum der Stadt Ludwigshafen

Erfolge als Spielerin Deutsche Streetball-Meisterin, Meister 2. und 1. Regionalliga, Aufstieg in die 2. DBBL

Erfolge als Schiedsrichterin Seit 2009 in der Männer-Bundesliga, Bundesliga-Play-off-Nominierungen, 2016 Pokalfinale, U18w-EM, U19w-WM, Frauen-WM 2014, Frauen-Euroleague-Final-Four, 2015 Europameisterschaft Frauen mit Leitung des Finales, 2016 U20m-EM, Nominierung für die Olympischen Spiele 2016 in Rio, EM-Qualifikation der Männer 2016, seit 2016 Männer-Euroleague