Virus wird möglicherweise auch auf Fetus im Mutterleib übertragen
Laut FLI führen Infektionen mit Viren der Gruppe bei erwachsenen Tieren in der Regel lediglich zu milden bis moderaten klinischen Erscheinungen. «Von besonderer Bedeutung ist jedoch die mögliche Übertragung auf den Fetus während der Trächtigkeit. Abhängig vom Zeitpunkt der Infektion können Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten.»
Inwiefern derartige Probleme infolge des nun nachgewiesenen Virus auftreten, müsse noch untersucht werden, erklärte das Institut. Da die entsprechenden Mücken noch bis November aktiv sind, müsse mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus gerechnet werden.
Potenzial bislang nicht genau bekannt
«Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus in sich trägt», sagte eine FLI-Sprecherin. Möglicherweise ginge es darum, jetzt möglichst schnell einen Impfstoff zu entwickeln.
Aufgrund der Übertragung durch Gnitzen muss laut Ministerium mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in empfänglichen Tierbeständen gerechnet werden. Der Schutz vor Stechinsekten sei daher das Mittel der Wahl, erklärte der Sprecher in Stuttgart. «Impfstoffe gegen dieses neu nachgewiesene Virus stehen nicht zur Verfügung.»
Die über die Behandlungskosten erkrankter Tiere und den vorübergehenden Rückgang der Milchleistung hinausgehenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft könnten noch nicht abgeschätzt werden, teilte er weiter mit. Sie hängen demnach von der Ausbreitungsgeschwindigkeit, den betroffenen Tierarten und den Krankheitsbildern ab.
Zunächst negative Testergebnisse
Aufgefallen waren laut FLI erkrankte Rinder in der Schweiz, Frankreich und im Juli auch Rinder in zahlreichen Beständen in Süddeutschland, insbesondere in Baden-Württemberg. Die Symptome entsprachen demnach zunächst dem Schmallenberg-Virus. Untersuchungen auf diesen oder andere bekannte Erreger verliefen demnach jedoch negativ.
Das FLI konnte nach eigenen Angaben schließlich eine große genetische Übereinstimmung mit Shamonda-Viren nachweisen. In der FLI-Mitteilung wird das nun nachgewiesene Virus daher auch als «Shamonda-like» (englisch für «Shamonda-ähnlich») bezeichnet.
Nach 2011 sei nun erneut in exotisches Orthobunyavirus eingeschleppt worden, stellte Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts fest. «Die Untersuchungen der kommenden Wochen werden zeigen, wie rasch es sich ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist.»