Die Frauen hatten den Forschenden zufolge vergleichsweise geringe Mengen Paracetamol eingenommen, keine überschritt die empfohlene Tageshöchstdosis von 4.000 Milligramm. Am häufigsten wurden Kopf- oder Migräneschmerzen als Grund genannt, gefolgt von anderen Schmerzen vor allem des Bewegungsapparats.
Weitere Daten bestätigten Veränderungen
Die Forscher werteten außerdem Daten einer separaten Gruppe von 1.210 Mädchen aus, die von der Säuglingszeit bis in die Jugend begleitet wurden. Dort war eine Paracetamol-Nutzung der Mutter während der Schwangerschaft mit einer kleineren Gebärmutter der Töchter in der Pubertät und einem kleineren Eierstockvolumen in der Adoleszenz, der Übergangsphase von der Kindheit zum Erwachsenenalter, verbunden. Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass die beobachteten Unterschiede über die frühe Kindheit hinaus fortbestehen könnten.
«Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen haben, sollten sich durch unsere Ergebnisse nicht beunruhigen lassen», betont Fischer aber auch. «Unsere Studie untersuchte Zusammenhänge auf Populationsebene und kann keine Vorhersagen für einzelne Frauen oder Kinder treffen. Viele Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, hatten Töchter, deren Eierstockmaße denen von Töchtern ähnelten, deren Mütter kein Paracetamol eingenommen hatten.»
Der nicht an der Studie beteiligte Experte für Reproduktionstoxologie, Wolfgang Paulus von der Universitätsfrauenklinik Ulm, weist darauf hin, dass die Unterschiede in der frühen Lebensphase nur teilweise signifikant und marginal ausfielen. Ob diese langfristig klinische Relevanz hätten, bleibe ungewiss, dafür brauche es Forschung mit längerer Nachbeobachtungszeit.
Trump behauptete Zusammenhang mit Autismus – den es nicht gibt
US-Präsident Donald Trump hatte schwangere Frauen bei einer Pressekonferenz im September vergangenen Jahres vor der Einnahme von Paracetamol - in den USA unter dem Markennamen Tylenol bekannt - gewarnt. Er stellte dabei allerdings einen Zusammenhang mit Autismus beim Kind her. Experten widersprachen vehement. Eine Übersichtsstudie bestätigte einige Monate darauf erneut, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderungen erhöht.
Empfohlen auch in Deutschland
Paracetamol ist Experten zufolge das am häufigsten verwendete Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft und wird weltweit als Mittel der ersten Wahl zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung empfohlen. Auf einer Aufklärungsseite des Bundesgesundheitsministeriums heißt es, Paracetamol sei bei leichten bis mittelstarken Schmerzen sowie Fieber während der gesamten Schwangerschaft erlaubt. Bei längerer Einnahme sollten Schwangere aber ärztlichen Rat einholen.
Auch das Portal Embryotox der Charité, auf dem sich Schwangere über verschiedenste Arzneimittel und die Folgen einer Einnahme informieren können, stuft Paracetamol als «grün» ein. Das bedeutet: Es wird als Medikament der Wahl empfohlen – dennoch sei immer eine Kosten-Nutzen-Abwägung nötig. Die Charité weist auch darauf hin, dass die unterschiedlichen Ergebnisse zahlreicher Studien zu Paracetamol in der Schwangerschaft und ihre klinische Relevanz in Fachkreisen kontrovers diskutiert werden.
Keine generelle Warnung vor Paracetamol
Fischer betont, dass die neuen Ergebnisse Frauen nicht davon abhalten sollten, Paracetamol einzunehmen, wenn dies medizinisch notwendig sei. Sie sollten vielmehr zu Gesprächen mit dem betreuenden Arzt darüber anregen, «wann eine medikamentöse Behandlung notwendig ist und wann alternative Ansätze in Betracht gezogen werden können».
Auch Paulus betont, die aktuellen Befunde sollten Frauen nicht davon abhalten, in der Schwangerschaft gelegentlich Paracetamol zu verwenden. Keinesfalls sollten alternative Mittel eingesetzt werden, die nachweislich Komplikationen auslösen können. «Sinnvoll bleibt das Prinzip, die niedrigste wirksame Dosis über die kürzest mögliche Behandlungsdauer in der Schwangerschaft einzusetzen», so der Mediziner.