Mamas Kot als Starthilfe
Und der Nachwuchs? Koala-Babys kommen winzig und völlig unterentwickelt zur Welt. Sechs Monate verbringen sie im Beutel, bevor sie allmählich die Welt erkunden. Doch bevor sie Eukalyptusblätter verdauen können, brauchen sie eine Starthilfe: den Kot ihrer Mutter. Das schleimige «Pap» enthält wichtige Mikroorganismen für den Darm. Mehrfach nimmt das Jungtier davon auf, bevor es auf Blattkost umsteigen kann.
Mehr als 700 Eukalyptusarten gibt es. «Generell ernährt sich ein Koala aber nur von den Arten, die in seinem jeweiligen Gebiet vorkommen - das sind meist nicht mehr als zehn», erläutert Tzipori. Ein Koala aus Queensland kann etwa nach einem Buschbrand nicht einfach irgendwo anders in Australien ausgesetzt werden. «Sie können sich zwar anpassen, aber das braucht Zeit.»
Wie viele Koalas gibt es noch?
Ihr Lebensraum schrumpft zudem. Wälder werden gerodet und zerschnitten. Straßen, Hunde, Hitze und Buschfeuer werden zur Gefahr. Die Populationen in Queensland, New South Wales und dem Australian Capital Territory gelten seit 2022 als stark gefährdet.
Die Australian Koala Foundation schätzt die Zahl wildlebender Exemplare auf maximal 63.600, möglicherweise liege sie aber auch viel niedriger, heißt es auf der Webseite. Die Experten fordern, Koalas in manchen Gebieten bereits als «vom Aussterben bedroht» einzustufen. «Es gibt derzeit nirgendwo im Land eine Gesetzgebung, die Koalas und ihren Lebensraum in Australien schützen kann», heißt es.
Verheerende Krankheit: Chlamydien
Verheerend ist zudem eine Krankheit, die bei Menschen meist symptomfrei verläuft, für Koalas aber tödlich sein kann: Chlamydien. Die Bakterien können Augen und Harnwege befallen, zur Erblindung führen und Weibchen unfruchtbar machen. In freier Natur gehört die Infektion zu den größten Bedrohungen - die Koalas in Lone Pine sind hingegen Chlamydien-frei. Sie können aber dennoch helfen, Lösungen für ihre wilden Artgenossen zu finden.
Seit rund 25 Jahren arbeitet das Zentrum mit Universitäten an einem Impfstoff. In Lone Pine wurden dafür verschiedene Vakzine getestet und weiterentwickelt. Mittlerweile laufen erste Schutz- und Impfprogramme für wilde Koalas. Für Tzipori ist das genau die Rolle, die Zoos heute spielen können: nicht nur Tiere zu zeigen, sondern dabei zu helfen, ihre Verwandten draußen zu schützen.
Koala-Kuscheln verboten
Auch im ältesten Koala-Sanctuary hat sich derweil in den letzten Jahren etwas verändert. So dürfen Besucher Koalas seit 2024 nicht mehr im Arm halten. Sie können aber einen «Koala Moment» mit einem Pfleger buchen, dabei Fragen stellen und ein Exemplar aus nächster Nähe beobachten. Wichtig: Wenn ein Tier zeigt, dass es genug hat, wird die Begegnung beendet.
«Wir wollen Wissen vermitteln und Wertschätzung für die Tiere fördern - und nicht einfach nur einen Instagram-Moment bieten», sagt Tzipori. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion: Koalas sind zwar sehr süß, aber sie sind keine Kuscheltiere. Sie brauchen auch in Zukunft Schutz - und Eukalyptuswälder, in denen sie ungestört leben können.