Auch die Lehrer hätten nicht gerade zur Motivation beigetragen – im Gegenteil. "Wir hatten noch Lehrer, die Weltkriegsteilnehmer waren. Einer der Lehrer warf beständig mit seinem schweren Schlüsselbund durch die Klasse", erzählt Merz über seine Grundschulzeit in den 1960er Jahren.
Merz berichtet von Schlägen auf die Finger und den Hintern in seiner Schulzeit
Es habe damals noch die Prügelstrafe gegeben. Er selbst sei "mit dem Stöckchen auf die Finger und auf den Hintern" geschlagen worden. Das sei in der dritten Klasse gewesen. "Ich kann mich an den damaligen Lehrer erinnern, eigentlich ein Pfundskerl, aber jemand, der auch zum Stöckchen griff." Erst 1973 wurde die Prügelstrafe in fast allen Bundesländern verboten, nur in Bayern gab es sie noch ein paar Jahre länger.
Vielleicht sind es die eigenen Erfahrungen als Schüler, die Merz 2005 nach seinem zwischenzeitlichen Ausscheiden aus der Politik dazu brachten, zusammen mit seiner Frau eine eigene Stiftung für Bildung und Ausbildung zu gründen – die Friedrich und Charlotte Merz-Stiftung. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen aus sozial schwachen Familien mit besonderen Projekten Hilfestellung in Schule und Ausbildung zu geben.
Als Kanzler hat er sich nun vorgenommen, sich auch ganz persönlich mehr in der Bildungspolitik zu engagieren. Er sehe es als "eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft" an, dass Kinder und Jugendliche eine gute Ausbildung bekommen, sagt er vergangene Woche bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises in Berlin.
Kanzler will jetzt wieder mehr in die Schulen gehen
Merz wirkt bei der Veranstaltung aufgekratzt. Man merkt ihm an, dass es hier um etwas geht, das ihm ganz persönlich wichtig ist. Lehrerinnen und Lehrer bezeichnet er – vielleicht auch vor dem Hintergrund eigener schlechter Erfahrungen – als "die wichtigste Berufsgruppe" des Landes. "Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder", sagt er als Vater und Großvater. Und er würdigt den Enthusiasmus der anwesenden Schülerinnen und Schüler, der ihm selbst nicht gegeben war. "Ich freue mich, wenn ich diese strahlenden, optimistischen Gesichter von Euch sehe."
Nach seiner Rede fragt ihn die Moderation, ob er angesichts dieser ganzen positiven Impulse nicht selbst noch einmal Lust bekomme, in die Schule zu gehen. Da verschränkt der Kanzler die Arme und sagt: "Ehrlich gesagt, ich hatte dazu selten Lust" – als Schüler. Aber als Kanzler werde er nun wieder mehr in die Schulen gehen. Was er beim Schulpreis gesehen habe, sei für ihn "eine großartige Motivation".
Als er dann den Preis an die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule aus Mörfelden-Walldorf in Hessen übergibt und ihm gleich mehrere Lehrerinnen der Schule dafür um den Hals fallen, kommen ihm sogar ganz kurz die Tränen.
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