Unternehmen bedrohen die Natur - deren Probleme wiederum schlagen immer stärker auf die Wirtschaft zurück, warnt ein Bericht. Er nennt zentrale Maßnahmen für einen Weg zu beiderseitigem Nutzen.
Der Verlust biologischer Vielfalt zählt einem Weltbericht zufolge zu den größten Bedrohungen für die Wirtschaft. Jedes einzelne Unternehmen sei von ihr abhängig, direkt oder indirekt, wird in dem in Manchester vom Weltbiodiversitätsrat (IPBES) vorgestellten Bewertungsbericht betont. Zugleich habe jedes Unternehmen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt.
«Unternehmen und andere wichtige Akteure können entweder den Weg zu einer nachhaltigeren Weltwirtschaft weisen oder letztendlich das Aussterben riskieren - sowohl von Arten in der Natur als auch möglicherweise ihr eigenes», sagte Matt Jones aus Großbritannien, einer der drei Co-Vorsitzenden des «Business and Biodiversity»-Berichts.
«Keine Option, sondern eine Notwendigkeit»
«Ein besserer Umgang mit der Natur ist für Unternehmen keine Option, sondern eine Notwendigkeit», betonte auch Ximena Rueda aus Kolumbien, eine weitere Co-Vorsitzende. Er sei für Gewinne und langfristige Existenz von Firmen ebenso bedeutsam wie für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft. Als zentrale Maßnahme wird genannt, dass Unternehmen ihre Auswirkungen auf die Natur und ihre Abhängigkeiten von der Umwelt öffentlich machen.
Aktuell erwähnten weniger als ein Prozent der börsennotierten Unternehmen in ihren Berichten ihre Auswirkungen auf die Biodiversität, bemängelt IPBES. Der neue Bewertungsbericht helfe, die richtigen Methoden, Messgrößen und politischen Instrumente für den jeweiligen Geschäftsbereich zu finden, sagte Stephen Polasky aus den USA, der dritte Co-Vorsitzende. «Wir verlagern die Diskussion von freiwilligen Nachhaltigkeitsversprechen hin zu einem wissenschaftlich fundierten Fahrplan für einen Systemwandel.»
Frühes Handeln vermeidet Folgen für Menschen weltweit
Frühzeitiges Umschwenken könne helfen, steigende Kosten wie höhere Lebensmittelpreise und Versicherungsprämien sowie wirtschaftliche Instabilität zu vermeiden, betonten IPBES-Experten. Die Zeit dränge. «Wir müssen uns von der falschen Vorstellung lösen, dass Regierungen und Entscheidungsträger entweder für die Umwelt oder für die Wirtschaft sein müssen», so Polasky.
Vertreter der über 150 Mitgliedsregierungen des Rates hatten den Bericht während der Sitzung des IPBES-Plenums in Manchester verabschiedet. Die Natur sei nach wie vor eine der am meisten unterschätzten Grundlagen unserer Weltwirtschaft, hieß es. Unternehmen erscheine es oft profitabler, die biologische Vielfalt zu zerstören, als sie zu schützen, so Polasky.
«Kritisches und allgegenwärtiges Risiko für die Menschheit»
«Das Wachstum der Weltwirtschaft ging mit einem immensen Verlust an biologischer Vielfalt einher, der nun ein kritisches und allgegenwärtiges systemisches Risiko für die Wirtschaft, die Finanzstabilität und das Wohlergehen der Menschen darstellt», lautet eine zentrale Erkenntnis des IPBES-Berichts.