Babyduft und Pissoir - Preis für kuriose Forschung

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Verleihung der Ig-Nobelpreise
Die Ig-Nobelpreise sollen erst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregen, wie die Erfinder sagen.
Verleihung der Ig-Nobelpreise
Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa
Verleihung der Ig-Nobelpreise
Der Spaßeffekt wird bei der Preisverleihung großgeschrieben.
Verleihung der Ig-Nobelpreise
Claudio Thoma/KEYSTONE/dpa

Wissenschaft mit Augenzwinkern: In Zürich werden kuriose Studien zu Babyduft, Mückenrüsseln und Pissoirs prämiert.

Betört Eltern mehr der Körpergeruch ihrer Babys oder ihrer Teenager? Ein Team unter deutscher Beteiligung hat das untersucht und dafür jetzt in Zürich einen Preis für kuriose Forschung erhalten. 

Die Ig-Nobelpreise sollen erst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregen, wie die Erfinder sagen. «Wissenschaft kann ja auch witzig sein», sagte Ilona Croy, Preisträgerin von der Universität Jena, der dpa in Zürich. «Es ist schön, wenn man dafür ausgezeichnet wird.» 

Preisgekrönt wurde außerdem die Entdeckung, dass Mückenrüssel als 3D-Druckdüsen verwendet werden können. Geehrt wurde zudem ein Team, das herausfand, dass wohlsituierte Menschen eher von den Süßigkeiten ihrer Kinder naschen als Menschen mit weniger Geld. Auch die erfolgreichen Experimente für ein Pissoir, aus dem es nicht spritzt, fanden Anerkennung. 

US-Politik sorgte für Umzug der Preisverleihung 

Der Spaßeffekt wird immer auch bei der Preisverleihung großgeschrieben. Die Preistrophäe sah dieses Mal aus wie ein Pilz, der aus einem Fuß wächst - auf einem Keil, der an Blauschimmelkäse erinnert. 

Ernst ist hingegen der Hintergrund für den Umzug der Preisverleihung, die erstmals seit 1991 nicht in den USA, sondern in Europa stattfindet. Hintergrund sei die politische Lage in den USA mit ihrer strikten Visumpolitik und brutalen Einsätzen der Einwanderungspolizei, hieß es. 

Es sei womöglich nicht mehr sicher für die Gäste, in die USA zu reisen, fürchtete Marc Abrahams. Er ist Herausgeber der satirischen Wissenschaftszeitschrift «Annals of Improbable Research» über kuriose Forschung, die die Preise verleiht. 2027 soll die Zeremonie in Antwerpen stattfinden.

Der Name der Auszeichnung - Ig-Nobelpreise - ist ein Wortspiel in Anspielung auf die richtigen Nobelpreise. Das englische «ignoble» bedeutet auf Deutsch in etwa «unehrenhaft». 

Der Baby- und Teenager-Duft 

Zur Forschung von Croy: «Je älter das Kind, desto schlechter empfindet man den Geruch», sagt sie. «Zumindest läuft niemand den Teenagern hinterher und küsst sie auf den Kopf, weil sie so gut riechen.» An der Hygiene der Teenager liege das aber nicht, betont sie. 

Das Team hat festgestellt, dass der Babygeruch im Gehirn neuronale Schaltkreise einschaltet, die dazu führen, dass man sich kümmert. «Das Fürsorgeverhalten bei den Eltern kommt nicht nur durch die großen Kulleraugen oder babbelnden Laute, die das Baby von sich gibt, sondern auch über den Geruch», sagt sie. «Auch der Geruch löst bei uns den Reflex aus, dass wir uns kümmern.» Das Team hat Erwachsene Düfte von Babys und Teenagern riechen lassen und gleichzeitig das Gehirn gescannt. 

Die Gerüche stammten von Baumwollstoffen, die Babys und Kinder über Nacht trugen, nachdem sie mit neutraler Seife gewaschen und in Bettwäsche ohne Duftstoffe geschlafen hatten. Während Eltern Babygerüche allgemein als angenehm empfanden und überdurchschnittlich oft auch ihr eigenes Baby unter mehreren erkannten, kamen Teenagergerüche schlechter weg. Das liege an den Hormonen der Pubertät, sagt Croy. 

Mit ihr sind Riechforscher Thomas Hummel von der Universität Dresden sowie Agnieszka Sorokowska und Tomasz Frackowiak aus Polen an der Studie beteiligt gewesen.