«Wir sehen uns selbst. Die Momente, in denen wir uns klein, verängstigt und missverstanden fühlen. Die Momente, in denen wir uns an Trost, Liebe und Hoffnung klammern. Wir sehen Widerstandsfähigkeit, Neugier und den nötigen Mut, um weiterzumachen», schreibt der Instagram-Nutzer weiter und drückt damit aus, was Millionen andere in den sozialen Medien fühlen und denken.
«Wenn wir sehen, wie Punch Zuflucht in seinem Plüschtier findet, werden wir daran erinnert, dass Trost manchmal nicht nur ein „Luxus“ ist, sondern der einzige Ort, an dem sich die Welt wieder sicher anfühlt», schreibt ein anderer und drückt damit den allgemeinen Weltschmerz in Zeiten von Krieg und Krisen aus. Dass Punch auch in Japan viral geht und sich viele mit ihm verbunden fühlen, verwundert nicht. In dem Inselreich, dessen Bevölkerung so rasant überaltert wie kaum ein anderes, leiden viele Menschen unter Einsamkeit.
Was Punch mit einem Pinguin verbindet
Oft wird Punch in einen Zusammenhang mit dem einsamen Pinguin gestellt, der begleitet von Werner Herzogs melancholisch-rauer Stimme nicht mit seinen Artgenossen Richtung Wasser wandelt - sondern alleine in Richtung der weit entfernten Berge zieht. Videos mit einem Ausschnitt aus Herzogs Dokumentation «Begegnungen am Ende der Welt» von 2007 gingen im Januar ebenfalls viral. Ähnlich wie Punch wird der Pinguin in den sozialen Medien für seine Entschlossenheit und Einstellung, seinen Weg zu gehen, bewundert.
«Das Interesse an vielen dieser Tiergeschichten hat damit zu tun, dass sie sich leicht uminterpretieren lassen. Tiergeschichten sind einfach – man muss nicht nach dem Warum fragen, man hat eine grundlegende Sympathie, für die es keine weitere Recherche braucht», erklärt der Philosoph Kai Denker, der sich mit Meme-Forschung befasst, im dpa-Gespräch. «Die Geschichten machen es durch die Komplexitätsreduktion leicht, Empathie zu empfinden. Es ist eine Art Wohlfühlregion – das kann dann auch eine Art Eskapismus sein», sagt er.
«Viele sind leicht übersetzbar in Heldengeschichten, in denen das Dramadreieck aus Held, Täter und Opfer zu finden ist. Hier ist Punch das Opfer, der andere Affe der Täter. Es waren zum Beispiel Kraftsportler zu sehen, die sich damit motivieren, zu trainieren, um Punch zu verteidigen», erläutert Denker.
Ein Meme auf X zeigt in Anlehnung an den Science Fiction-Film «Planet der Affen» einen grimmigen Affen mit Gewehr und einem Stofftier-Orang-Utan im Arm - und will damit suggerieren: Im Jahr 2030 wird Punch Rache nehmen.