Auch auf viele weitere Fragen gab der Psychologe an, sich nach so langer Zeit nicht mehr genau erinnern zu können. Er betreue etliche ähnliche Fälle parallel. Er unterstrich aber, er habe «keine persönliche Fehde» mit Hensel, er kenne ihn gar nicht.
Der Zeuge gab an, er habe dazu geraten, im Falle einer legalen Rückkehr der Kinder, die Türen nachts abzuschließen, damit sie nicht allein durch die Großstadt laufen. Er kenne viele Fälle, in denen so etwas passiert sei. Denn Trennungseltern in solch eskalierten Konflikten würden ihren Kindern oft einen Plan mitgeben, zurück zu ihnen zu fliehen. Eine Beeinflussung könne lange nachwirken.
Psychologe sah die Kinder nach der Entführung
Nach der gewaltsamen Rückholung aus Dänemark hatten die Entführer die Kinder erst nach Süddeutschland gefahren. Dort wurden sie von ihrer Mutter abgeholt und zurück in ihr altes Zuhause in Hamburg gebracht. Sie benachrichtigte den Kinderpsychologen, der Anfang Januar zweimal dorthin kam. Die Kinder hätten aber nicht mit ihm sprechen wollen, berichtete der Zeuge. Vielleicht hätten sie Vorbehalte gegen ihn gehabt.
Er habe die Kinder gefragt, ob er etwas für sie tun könne und die 13-Jährige habe nur geantwortet: «Naja, nach Dänemark kannst Du uns wohl nicht zurückfahren.» Sie habe nur erzählt, dass sie ihre jüngere Halbschwester - die gemeinsame Tochter von Hensel und seiner neuen Ehefrau - vermisse. Außerdem sei das Essen in Dänemark besser.
Am nächsten Tag habe er eine ganz andere Stimmung erlebt: Die Kinder hätten mit ihrer Mutter auf dem Sofa gesessen und fröhlich im Internet neue Kleidung bestellt - schließlich sei ihre im Haus noch vorhandene nach mehr als zwei Jahren Abwesenheit zu klein gewesen, schilderte der Zeuge seine Eindrücke.
Nebenklage: Stellungnahmen des Zeugen wissenschaftlich haltlos
Nach der Verhandlung zog von der Meden eine vernichtende Bilanz der Zeugenaussage. Die fachlichen Stellungnahmen des Psychologen seien wissenschaftlich völlig haltlos, sagte der Nebenklage-Vertreter. «Er versucht immer wieder das sogenannte Entfremdungsnarrativ, das wissenschaftlich widerlegt ist, zu bedienen.»
Zweitälteste Tochter will im Prozess auch nicht aussagen
Christina Block, Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, soll die Entführung ihres damals zehn Jahre alten Sohns und der 13-jährigen Tochter aus Dänemark in Auftrag gegeben haben. Sie bestreitet das. Eine israelische Sicherheitsfirma, die die Kinder gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll, habe auf eigene Faust gehandelt, hatte sie erklärt. Es gibt noch sechs weitere Angeklagte.
Bekannt wurde nun: Auch die einzige Tochter, die noch bei der Mutter lebt, will nicht als Zeugin im Prozess aussagen. Sie mache von Ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und sei daraufhin abgeladen worden, sagte eine Gerichtssprecherin. Auch die beiden jüngsten Kinder hatten bereits angekündigt, nicht aussagen zu wollen.
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.