Und auch strafrechtlich geht Spanien konsequent vor: Wer seine Partnerin oder frühere Partnerin misshandelt, muss mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren rechnen.
Ministerin Redondo sagt, alle Initiativen hätten dazu beigetragen, «den Wandel von einer machistisch geprägten Gesellschaft hin zu einer Kultur der Gleichberechtigung voranzutreiben» und das Problem der Gewalt an Frauen «aus dem privaten Bereich in die öffentliche Wahrnehmung zu holen».
Deutschland kann von Spanien «sehr viel lernen»
In der Tat: Häusliche Gewalt ist in Spanien heute ein gesellschaftlich breit diskutiertes Thema: im Unterricht, in Talkshows und auch in Filmen und Serien. Der Druck der Öffentlichkeit auf Justiz und die Institutionen ist immens.
Die deutsche Botschafterin Maria Margarete Gosse lobt das Bewusstsein ihrer Wahlheimat. «Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie intensiv sich diese Gesellschaft mit dem Thema Gewalt gegen Frauen auseinandersetzt», sagte sie der «Mallorca Zeitung». Deutschland könne von Spanien in diesem Bereich «sehr viel lernen».
Linke Regierung gegen Tech-Giganten und Deepfakes
Auch im Kampf gegen das relativ neue Phänomen der digitalen sexualisierten Gewalt geht Spanien voran. Während in anderen Ländern noch an Gesetzen gearbeitet wird, liegt in Madrid seit Januar ein Entwurf vor, der Deepfakes klar regulieren soll.
In Deutschland wird seit Tagen über dieses Thema diskutiert. Am Sonntag demonstrierten in Berlin tausende Menschen. Hintergrund dieser Debatte sind schwere Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der «Spiegel» berichtet hatte. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich «in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung» handle. Zudem würden «unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet».
Nach dem spanischen Gesetzentwurf wäre es künftig verboten, Bilder oder Stimmen einer Person ohne deren Einwilligung mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu verwenden. Für Minderjährige unter 16 Jahren ist eine Zustimmung grundsätzlich ausgeschlossen. Für die Verbreitung drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.
Auslöser der Initiative waren Skandale wie an einer Schule in Almendralejo. Dort hatten Jugendliche KI-Nacktbilder von Mitschülerinnen im Alter von 13 und 14 Jahren erstellt und über Chatgruppen verbreitet. Der Fall sorgte 2023 für riesige Empörung, machte die Risiken neuer Technologien deutlich. Nach Angaben der Organisation Save the Children ist in Spanien etwa jeder fünfte Jugendliche, vor allem Mädchen, bereits Opfer solcher Fälschungen geworden.
Die Behörden in Spanien kommen unterdessen der Forderung vieler Experten nach, im Kampf gegen Deepfakes bestehende Paragrafen anzuwenden, ohne auf neue Gesetze zu warten: Im Herbst 2025 verhängte etwa die Datenschutzbehörde AEPD als erste in Europa gegen eine nicht namentlich genannte Privatperson ein Bußgeld von 2.000 Euro wegen der Veröffentlichung eines KI-generierten Nacktbildes.
Die linke Regierung von Pedro Sánchez setzt derweil ihren Kampf gegen die Tech-Giganten fort: Kürzlich forderte sie die Staatsanwaltschaft auf, zu prüfen, ob X, Meta und Tiktok durch KI-Anwendungen Straftaten im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder begehen.
Auch Dänemark und Frankreich handeln
Aber nicht nur Spanien handelt im Hinblick auf digitale sexualisierte Gewalt schneller als etwa Deutschland. In Dänemark und Frankreich ist es bereits strafbar, Deepfake-pornografisches Material mit echten Personen ohne deren Zustimmung zu produzieren. In beide Ländern drohen Geld- und Haftstrafen.