Für Berufstätige im Freien, etwa auf Baustellen und bei Lieferdiensten, ist die Arbeit ab vorhergesagten 40 Grad zwischen 13 und 17 Uhr verboten. Für Beschäftigte im Büro sollen Unternehmen an solch heißen Tagen Homeoffice ermöglichen. Wenn das nicht geht, müssen die Arbeitgeber für kaltes Trinkwasser sorgen und ausreichende Pausen und schattige, möglichst klimatisierte Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.
Rumänen duschen auf der Straße
In Rumäniens Hauptstadt BUKAREST sind im Hochsommer bis zu 40 Grad im Schatten nicht selten. Das Schlimme ist, dass der Stress auch nachts nicht nachlässt: In den Betonschluchten der in einer Tiefebene gelegenen Stadt steht die drückende Luft reglos, kein Windhauch schafft Erleichterung.
Wem die Flucht in die weniger als 100 Kilometer weiten Karpaten oder an das 200 Kilometer entfernte Schwarze Meer nicht gelungen ist, der findet neuerdings auf Betreiben der Stadtverwaltung kühle Oasen: Das Rathaus hat 71 öffentliche Institutionen und 200 Apotheken mobilisiert, die gratis klimatisierte Räume und Trinkwasser anbieten. Zudem gibt es an zentralen Plätzen Wassernebelanlagen, an denen man duschen kann - wenn man denn in der Mittagshitze unterwegs ist. Zwar durchquert das Flüsschen Dambovita die Stadt, Baden ist dort aber wegen des schmutzigen Wassers streng verboten.
Abkühlung auf Ungarisch: Baden in der Donau
Deutlich mehr Raum zur Abkühlung bietet die Hauptstadt des Nachbarlands Ungarn. In BUDAPEST darf man an Abschnitten der Donau baden und die legendären Schwimmbäder haben bei großer Hitze im Hochsommer länger geöffnet. Die Stadtverwaltung hat hunderte Trinkbrunnen eingerichtet. Und auch in Budapest laden Wassernebelanlagen zum Duschen ein.
Baden in den regulären Springbrunnen ist allerdings verboten. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Kommune stattdessen dem Besprühen der Straßen am Abend: Per Satellit werden die Orte ermittelt, an denen mangels Grünfläche der Asphalt extrem glüht. Dort wird gezielt mit Wasser gesprüht.
Siesta und «Superblöcke» in Spanien
In BARCELONA und anderen spanischen Großstädten versuchen die Einwohner der Hitze zu trotzen. Barcelona hat ein Netz von mehr als 500 sogenannten Klimaschutzräumen. Diese «refugios climáticos» sind klimatisierte öffentliche Gebäude wie etwa Bibliotheken, Museen, Schulen, Pfarrhäuser und Bürgerzentren, die sich freiwillig beteiligen. Die katalanische Metropole setzt außerdem auf ihre «Superilles» (Superblöcke): verkehrsberuhigte Häuserblocks mit viel Grün, schattenspendenden Bäumen und vielen Sitzgelegenheiten.
MADRID erweitert ebenfalls sein Angebot an klimatisierten Aufenthaltsräumen, Trinkwasserstellen, Wasserspielen sowie Sprühnebelanlagen auf stark frequentierten Plätzen. Während Hitzeperioden bleiben öffentliche Einrichtungen länger geöffnet, um vor allem älteren Menschen und anderen gefährdeten Bevölkerungsgruppen Schutz zu bieten.
Auch der Alltag ist traditionell an die Sommerhitze angepasst. Vor allem im Süden, zum Beispiel in SEVILLA, verlagert sich das Leben in die frühen Morgen- und späten Abendstunden. Aber auch in Madrid, Barcelona und anderen Städten schließen viele Geschäfte mittags für mehrere Stunden.
In Straßencafés sorgen Wasservernebler für etwas Abkühlung, viele Plätze werden von großen Sonnensegeln beschattet. Auf den Tisch kommen im Sommer häufig kalte Gerichte wie Gazpacho, eine kalte Gemüsesuppe aus Tomaten, Gurken, Paprika und Olivenöl, oder Salmorejo, eine dickflüssigere kalte Tomatencreme. Auch das ein Hinweis an Mittel- und Nordeuropäer: Leichtes Essen macht die Hitze erträglicher.